Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden 17-Jährige will Sumo-Weltmeisterin werden
Nachrichten Der Norden 17-Jährige will Sumo-Weltmeisterin werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:45 08.08.2015
Über Judo kam Jasmin Thienemann zum Sumo-Ringen und fand Gefallen am hohen Tempo. Quelle: dpa
Anzeige
Ahrensbök

Wer an Sumo-Ringen denkt, hat wahrscheinlich übergewichtige japanische Kampf-Kolosse mit etwas weißem Stoff um die Hüften vor Augen. Mit ihren 55 Kilogramm, der schmalen, durchtrainierten Figur und dem zarten Gesicht passt Jasmin Thienemann so gar nicht in dieses Klischee. Und doch ist die 17-Jährige aus dem schleswig-holsteinischen Ahrensbök (Kreis Ostholstein) genau das - eine Sumotori. Und das sehr erfolgreich. „In Vorstellungsrunden fällt man mit diesem Sport schon ziemlich auf“, sagt Thienemann.

Ende August reist die Schülerin in das Ursprungsland der Sportart. Im japanischen Osaka will sie Weltmeisterin in ihrer Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm werden. „Ich habe bei der WM eine realistische Chance auf das Siegertreppchen“, sagt Thienemann. Eine Medaille sei ihr Ziel. „Dafür trainiere ich seit Monaten hart.“ Vize-Europameisterin war sie bereits. Im vergangenen Jahr stand sie bei den kontinentalen Meisterschaften erneut auf dem Treppchen. Hinzu kommen mittlerweile drei deutsche Meistertitel.

Über Judo kam Thienemann zum Sumo-Ringen und fand Gefallen am hohen Tempo. Eins, zwei, drei und schon vorbei - Kämpfe dauern meist nur wenige Sekunden. Dann hat Jasmin ihre Gegnerin entweder aus dem Ring getragen, einfach weggeschoben oder schlicht aufs Kreuz gelegt. Sumo-Ringer taktieren nicht lange. „Ein Kampf dauert in der Regel höchstens zehn Sekunden“, sagt sie. „Wenn man anfängt über Techniken nachzudenken, hat man den Wettkampf schnell verloren. Das meiste geschieht automatisiert.“

200 Sumo-Ringer in Deutschland

Etwa 200 Sumo-Ringer gibt es nach Verbandsangaben derzeit etwa in Deutschland, Tendenz leicht steigend. „Der Frauenanteil liegt bei 40 Prozent“, sagt Heinz Jenkel. Der 64 Jahre alte Vizepräsident des deutschen Sumo-Verbands ist zugleich Jasmins Trainer in Sarkwitz (Kreis Ostholstein), einem von zwei Stützpunkten des Verbands. Seine Ausbildung hat er in Japan absolviert.

Im Training verlangt Jenkel seinem Schützling einiges ab. Bereits die Aufwärmübungen sind schweißtreibend. Dort schultert die 17-Jährige eine Trainingspartnerin und geht mehrfach in die Knie. „Tiefer, tiefer“, ruft Jenkel und zeigt sich unnachgiebig. Wer nicht hart trainiere, habe in großen Wettkämpfen keine Chance. „Es tut weh, aber es muss sein.“

Beim Sumo kommt es auf die richtige Mischung aus Kraft und Technik an. „Es kann jemand auch viel stärker sein als ich. Wenn ich die richtige Technik einsetze, werfe ich sie trotzdem um“, sagt Thienemann. Andersrum gelte dies genauso. Am Ende entschieden Kraft, Technik, Kondition und Konzentration über den Ausgang des Kampfes.

„Von den Jungs wird das trotz der Meisterschaften, an denen ich teilgenommen haben, aber nicht so ganz erst genommen“, sagt die Schülerin. Spätestens beim Armdrücken ändert sich das jedoch. „Die Jungs haben schon Respekt.“ Ihre Eltern unterstützen sie nach Kräften, finanzieren auch einen Teil der Japanreise, denn der Verband übernimmt nur die Hälfte der Kosten. „Jasmin ist impulsiv und zielstrebig“, sagt Mutter Karin.

In Japan hat es Thienemann mit zehn bis 15 Gegnerinnen zu tun. „Mein Trainer sagt, wir fahren dahin, um zu gewinnen, und nicht nur um dabei zu sein“, sagt sie. Auch Jenkel ist optimistisch: „Sie hat dort Chancen, eine Medaille zu holen.“

Von André Klohn, dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Der Norden Brand in Hamburger Hochbunker - Pyrotechnik erschwert Löscheinsatz

Wieder Großeinsatz für die Hamburger Feuerwehr - wieder Brand in einem Hochbunker. In dem Gebäude lagert Pyrotechnik. Es kommt zu mehreren Verpuffungen. Für die Feuerwehr ein extrem schwieriger Einsatz.

08.08.2015

Ein Vater und seine 13-jährige Tochter sind nach einem Sturz aus dem zehnten Stock eines Hauses in Hamburg gestorben. "Ihnen konnte im Krankenhaus nicht mehr geholfen werden", sagte ein Sprecher der Polizei am Samstagmorgen.

08.08.2015

In Osnabrück ist die systematische Suche nach Bombenblindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg vorerst beendet. Durch mehrere kostenintensive Räumungen in den vergangenen Monaten fehlt der Stadt nun das Geld, um bis zum Ende des Jahres aktiv nach nicht explodierten Bomben im Untergrund suchen zu lassen.

10.08.2015
Anzeige