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Der Norden Fröhliche Endzeitstimmung auf dem „M'era Luna“
Nachrichten Der Norden Fröhliche Endzeitstimmung auf dem „M'era Luna“
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00:21 11.08.2015
Auf dem M'era Luna treffen sich 25.000 Gothic-Fans. Quelle: dpa
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Hildesheim

Sie meiden nicht das Sonnenlicht, das Sonnenlicht meidet sie.“ Autor Christian von Aster, der sich bevorzugt über seine eigene Leserschaft lustig macht, beschreibt die schwarze Szene humorvoll und ehrlich. Was er an den Grufties am meisten schätzt: ihren Sinn für Ästhetik. Auf dem 15. M’era Luna Festival in Hildesheim, das Sonntagabend zu Ende ging, wurde der Flugplatz zum Laufsteg und der Laufsteg bei der Gothic Modenschau zur Theaterbühne. Denn hier geht man nicht stumpf geradeaus und zurück, sondern setzt die Kleidung und sich selbst in Szene.

Keine Angst vor Gruftieklischees

Wie im vergangenen Jahr sind bunte Federn, echte Hörner, Metall und Edelsteine beliebt sowie militärische Kleider aus Lack, Leder und Latex, aber auch opulente Roben, Masken und Kronen, die an Märchen und den venezianischen Karneval erinnern. Riesenroboter staksen über das Festivalgelände; es herrscht fröhliche Endzeitstimmung. Rockstar Rob Zombie, Nebenjob Horrorfilmregisseur, startet pünktlich zum Sonnenuntergang mit einer effektvollen Show. „Der Zombie ist nicht hergekommen, um traurig rumzustehen“, brüllt er mit seiner Reibeisenstimme, beginnt in die Luft zu kicken und tanzt zu einer Cover-Version von „Sex Machine“.

Marilyn Manson, der bei der vorigen Ausgabe des M’era Luna auftrat, wirkte im Vergleich zum älteren Rob Zombie träge wie eine übergewichtige Fledermaus. Schon beim markanten Intro von „Living Dead Girl“ flippt die Menge aus. Die eher zartbesaiteten Goths kommen bei Blutengel auf ihre Kosten: Wie der Name schon andeutet, scheut die Band keine Gruftieklischees und hat trotzdem – oder gerade deshalb – Erfolg.     

Die Bandmitglieder bezeichnen ihren Stil als Dark Pop, für Freunde der härteren Musik sind sie eher so etwas wie Helene Fischer mit Kunstblut. Nightwish, eine der Headliner-Bands, hat mit ihrem symphonischen Metal die Szene stark geprägt. Die Musiker verzichten auf unverständliches Gebrüll, ihre Konzerte sind Opern. Phillip Boa and the Voodooclub laden mit alten Hits und Newwave-Einflüssen zur Zeitreise in die Achtzigerjahre, ebenso die Einstürzenden Neubauten, um die es lange ruhig war, bis sie im vergangenen Jahr mit einem neuen Album zurückkamen. Noch weiter in die Vergangenheit tragen Saltatio Mortis und Tanzwut. Die Mittelalter-Folkbands haben schon mehrfach auf dem M’era Luna gespielt und werden immer wieder eingeladen, weil ihre Musik so tanzbar ist.

Alle Jahre wieder schlendern die Festivalbesucher über den Mittelaltermarkt, wo Bruder Ignatius Ablassbriefe für Sünden wie Faulheit verkauft, man sich im Axtwurf und Bogenschießen üben, Kräuter, Schaffelle und Vogelschädel kaufen kann.

Die Mischung macht's

Es ist die Stilmischung, die das M’era Luna trotz ewig beliebter schwarzer Kleidung so bunt und vielseitig macht: Von Ritterrüstungen bis Roboteroutfits und von Popmusik bis Metal ist alles dabei. 25.000 Menschen sind zum 15. M’era Luna angereist, teilweise von weit her. Manche haben viel investiert, um von Brasilien oder den USA nach Deutschland zu kommen, denn mit Festivals wie dem M’era Luna, dem Wave Gothic Treffen und dem Wacken Open Air ist die schwarze Szene hier stark wie sonst nirgendwo.

Vom Geheimtipp zum beliebten Festivalstarter sind die Lesungen am Freitag avanciert: Am Vortag des Festivals sind noch mehr Besucher erschienen als im letzten Jahr. Autor David Grashoff, dessen Auftritte stets eine gute Mischung aus Poetryslam und Stand-up-Comedy sind, verbrennt in einer seiner Geschichten einen Haufen Jack-Wolf-skin-Jacken, das Symbol des gutbürgerlichen Spießers. Schwarzes Wachs tropft von den Kerzenleuchtern auf der Bühne, die Umgebung ist düster, doch die Goths lachen laut über Grashoffs Geschichten.

Dsytopische Utopie

Bestsellerautor Markus Heitz liest unter anderem aus „Aera“, und der Plot ist witzig: Alle Götter, zu denen jemals gebetet wurde, tauchen eines Tages auf der Erde auf. Außer: Gott, Allah und Jahwe. In seiner Geschichte hat Heitz nicht nur die durch den IS zerstörten Städte wieder aufbauen lassen, sondern auch Sodom und Gomorrha, „für die Partyfraktion“, wie er sagt.

Damit fühlt sich offenbar der Großteil des Publikums angesprochen, denn im überfüllten Hangar bricht Jubel aus. Heitz grinst. „Ich wusste, dass euch das gefällt.“     

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Von Mirjam Kay Kruecken

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