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38 Menschen sterben beim Baden in Niedersachsen

Sommer-Bilanz der DLRG 38 Menschen sterben beim Baden in Niedersachsen

Mindestens 425 Menschen sind seit Januar in deutschen Gewässern ertrunken. Leichtsinn und Selbstüberschätzung führen oft zu den Unglücken. Eine besondere Risikogruppe stellen Flüchtlinge dar. In Niedersachsen kamen in diesem Sommer bisher 38 Menschen bei Badeunfällen ums Leben.

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Quelle: dpa

Bad Nenndorf. In niedersächsischen Gewässern sind in diesem Jahr bislang 38 Menschen ertrunken. Die Zahl der Badetoten im Land sei damit exakt so hoch wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres und weiter „sehr bedrohlich“, sagte Achim Wiese, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), am Donnerstag in Bad Nenndorf. Im Vergleich der Bundesländer liegt Niedersachsen in der Statistik der Badetoten auf Platz vier. In ganz Deutschland sind seit Jahresbeginn mindestens 425  Menschen ertrunken, 46 mehr als in den ersten acht Monaten 2015. Das ist die höchste Zahl seit acht Jahren.

Niemand halte sich an Badeverbote 

Besonders alarmierend ist die Situation an Badeseen. Nur zwei der tödlichen Unfälle in Niedersachsen trugen sich an den Küsten zu, an denen im Sommer flächendeckend Rettungsschwimmer im Einsatz sind. Alle anderen Todesfälle gab es an Binnengewässern. Dort gebe es zwar oft Badeverbote, aber niemand halte sich daran, sagte Wiese. So werde das Baden am Ende oft geduldet.

DLRG bietet kostenpflichtige Gefahrenanalysen an

Vor den Gefahren warnt die DLRG seit Jahren und bietet den Städten und Gemeinden Hilfe in Form von Gefahrenanalysen an. „Wir ermitteln dann vor Ort, welche Gefahrenstellen das Gewässer aufweist“, erklärte Wiese. Anschließend wird ausgewertet, wie viel Personal und Material notwendig sind, um den Badesee so zu überwachen, damit es nicht zu tödlichen Unfällen kommen kann. Doch bislang nehmen die Kommunen dieses Angebot – das pro Gewässer rund 1000 Euro kostet – aus Sicht der DLRG viel zu selten in Anspruch. „Die Verantwortlichen ignorieren unsere Warnungen“, sagte Wiese.

Zwei Tote in der vergangenen Tagen

Allein in den vergangenen Tagen gab es in Niedersachsen zwei neue Badetote. Ein 80-jähriger Mann ertrank im Hämelsee im Landkreis Nienburg, und ein fünfjähriges Mädchen wurde leblos im Nichtschwimmerbereich eines Badesees in Ihlowerfehn (Landkreis Aurich) entdeckt. Trotz Wiederbelebungsversuchen von anderen Badegästen konnte ein Notarzt nur noch den Tod des Kindes feststellen. Aufgrund des anhaltend warmen Wetters rechnen die Rettungsschwimmer damit, dass es zu weiteren Todesfällen kommt.

Unfälle meist in unbewachten Binnengewässern    

Die Unfälle passierten auch deutschlandweit meist in unbewachten Binnengewässern: 187 Menschen ertranken, 140 in Seen und Teichen und 22 in Kanälen. Demgegenüber sind die Küsten von Nord- und Ostsee laut DLRG relativ sicher, weil die Badestellen von Mitte Mai bis Mitte September von Rettungsschwimmern bewacht werden. Im Meer starben bis Ende August 17 Menschen. Als besondere Risikogruppe sehen die Lebensretter Flüchtlinge. Seit Januar ertranken 56 Asylsuchende, mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2015. Die DLRG habe bereits reagiert, sagte Präsident Hans-Hubert Hatje: "In diesem Sommer haben wir kurzfristig Baderegeln als Piktogramme erstellt und den Kommunen wie Städten kostenlos zur Verfügung gestellt."

Vermutlich, weil die Monate Juni bis August diesmal nicht so heiß waren wie 2015, sank in dieser Zeit die Zahl der Todesfälle bundesweit im Vergleich zum vorigen Sommer. "Der durchwachsene August hat verhindert, dass noch mehr Menschen ertranken", sagte Hatje. Die Zahl der tödlichen Unfälle in Schwimmbädern stieg um 7 auf nun 17 Fälle. In Hafenbecken, Gräben und sonstigen Orten kamen 42 Menschen ums Leben. In privaten Swimmingpools gab es laut DLRG keine Todesfälle.

Mehr männliche Ertrunkene

Bei der Geschlechterverteilung zeigte sich ein bekanntes Bild: 76 Prozent der Opfer waren männlich. Bei ihnen seien häufig Selbstüberschätzung, Leichtsinn und oft auch Alkohol die Gründe für das Ertrinken, hieß es. Erstmals seit Jahren kamen wieder mehr Vorschulkinder ums Leben. In dieser Altersgruppe starben 15 Jungen und Mädchen, sechs mehr als im Vorjahr. Bei den Grundschulkindern stieg die Zahl der Opfer um 4 auf 12. In der Gruppe der 11- bis 14-Jährigen ertranken neun Jugendliche mehr als im Vorjahreszeitraum. DLRG-Präsident Hatje kritisierte: "Diese Zahlen sind das Ergebnis der Bäderschließungen und damit verbundenen Ausfällen von Schwimmunterricht an den Schulen."

Badetote nach Bundesländern

Bislang sind in diesem Jahr mindestens 425 Menschen bei Badeunfällen in deutschen Gewässern ums Leben gekommen. Die Opfer verteilen sich nach DLRG-Angaben wie folgt auf die Bundesländer (im Klammern Vergleichszahlen der Sommerbilanz 2015):

  • Bayern: 73 (90)
  • Nordrhein-Westfalen: 62 (47)
  • Baden-Württemberg: 47 (45)
  • Niedersachsen: 38 (38)
  • Hessen: 30 (22)
  • Brandenburg: 26 (27)
  • Sachsen: 21 (13)
  • Sachsen-Anhalt: 21 (13)
  • Schleswig-Holstein: 20 (13)
  • Mecklenburg-Vorpommern: 19 (16)
  • Thüringen: 18 (7)
  • Hamburg: 16 (8)
  • Rheinland-Pfalz: 13 (16)
  • Saarland: 2 (4)
  • Berlin: 11 (10)
  • Bremen: 8 (6)

Hinzu kamen 2015 vier Todesfälle ohne Angabe eines Bundeslandes.

dpa

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Niedersachsen in Zahlen
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