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60 Fälle von Menschenhandel in Niedersachsen

KFN-Studie 60 Fälle von Menschenhandel in Niedersachsen

Zwar ist die Vorstellung von Frauen, die in Häusern an Ketten gelegt werden, völlig überholt. Dennoch blüht der Menschenhandel - auch in Niedersachsen. Das haben jüngste Studien des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) ergeben.

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Menschenhandel: Oft sind die Täter Familienangehörige oder ferne Verwandte.

Quelle: dpa

Hannover. KFN-Mitarbeiterin Bettina Zietlow ist in Gesprächen mit Opfern, Tätern wie auch Strafermittlungsbehörden „modernen“ Formen des Menschenhandels nachgegangen, der mit Zwangsprostitution einhergeht. „Das vom Bundestag beschlossene Prostituiertenschutzgesetz, das im kommenden Jahr in Kraft treten soll, ist nach unserer Ansicht überfällig“, sagt Zietlow. Die Anfang 2000 von der damaligen Bundesregierung beschlossene Liberalisierung ziehe Menschenhändler aus anderen Ländern manchmal geradezu an.

Zietlow hat sich mehr als 500 Akten aus fünf Jahren angeschaut, um einen Überblick über Täter- wie auch Opfer­typen zu bekommen. In Deutschland sind etwa 600 Fälle von Menschenhandel aktenkundig, in Niedersachsen etwa 60. „Niedersachsen hat relativ viele Fälle, weil es etwa in Hannover ein großes Rotlichtmilieu gibt, aber auch eine große Fachdienststelle der Ermittler.“ Nur dort, wo Ermittler genau hinschauten, würden auch viele Fälle von Menschenhandel zur Anzeige gebracht. „Niedersachsen ist in dieser Hinsicht extrem gut aufgestellt“, sagt die KFN-Forscherin, denn Menschenhandel sei ein sogenanntes Kontrolldelikt.

Die Täter kämen meist aus Osteuropa, vor allem aus armen Ländern wie Rumänien oder Bulgarien. Auch Sinti- und-Roma-Familien tauchten in den Akten auf. Oft seien die Täter Familienangehörige oder ferne Verwandte. Nicht selten gingen die Frauen erst freiwillig „auf den Strich“, würden dann aber mehr und mehr zur Prostitution gezwungen, meist mit Gewalt oder Androhung von Gewalt an Angehörigen. In einem Fall hätte eine Zwangsprostituierte bis zu 40 Freier täglich „bedienen“ müssen. Opfer aus Nigeria oder anderen afrikanischen Staaten würden oft durch Voodoo-Zauber in Schach gehalten, manchmal auch von Zuhälterinnen - „afrikanischen Madams“. Tatorte seien häufig angemietete Wohnungen seltener Bordelle. Die Aufklärungsquote sei mit 6 Prozent sehr gering, berichtet Bettina Zietlow.

Das KFN gibt in der Reihe „November der Wissenschaft“ am heutigen Donnerstag in der Üstra-Remise in Hannover Einblick in seine Arbeit. Die Veranstaltung (Goethestraße 19) beginnt um 18.30 Uhr.

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