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Der Norden 80-Jährige sagt gegen Vergewaltiger aus
Nachrichten Der Norden 80-Jährige sagt gegen Vergewaltiger aus
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00:16 12.12.2015
Quelle: Symbolbild
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Göttingen

Fast eine Stunde lang schildert die 80-Jährige, was damals passiert ist. Nicht nur die Richter sind von ihrer Beherztheit beeindruckt: „Sie sind eine taffe Frau“, sagt der Vorsitzende Richter August-Wilhelm Marahrens zum Abschluss ihrer Zeugenvernehmung.

Der Mann, der sie überfallen und misshandelt hat, soll ein vielfach vorbestrafter 24-jähriger Mann aus Herzberg gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft hat ihn unter anderem wegen Vergewaltigung, versuchten Raubes und diverser weiterer Einbrüche angeklagt. Er hatte am ersten Verhandlungstag die Taten weitgehend gestanden.

Die 80-Jährige, die seit ihrem 34. Lebensjahr an Multipler Sklerose (MS) leidet und am Dienstag im Rollstuhl in den Gerichtssaal kam, hatte in der Tatnacht ein verdächtiges Knarren gehört. Sie habe hinter der Glastür zum Flur einen Schatten gesehen, berichtete sie. Sie sei dann mit dem Telefon in der Hand zur Tür gegangen und habe gesagt: „Was wollen Sie? Ich rufe die Polizei!“ Unmittelbar danach habe sie einen so heftigen Schlag erhalten, dass sie bäuchlings zu Boden gefallen sei. Der maskierte Mann habe sich auf ihren Rücken gesetzt und sie so stark gewürgt, dass ihr das Blut aus den Augen gelaufen sei. „Ich habe gedacht, noch ein Druck an die Ader, dann bist du tot.“ Je mehr sie geschrien habe, desto mehr habe er sie gewürgt. „Das war wirklich Lebensgefahr“, sagte sie.

Am Boden liegend habe sie gesehen, dass der Mann das Schlaf- und das Wohnzimmer durchsucht habe. „Was suchen Sie denn?“, habe sie gefragt. „Geld und Schmuck“, habe er gesagt. Der Mann habe ihr Portemonnaie und mehrere hundert Euro mitgenommen. Als er das Haus verlassen wollte, habe sie ihn aufgefordert: „Helfen Sie mir wenigstens hoch.“ Bevor er durch den Keller verschwunden sei, habe er sie auf einen Stuhl gesetzt und ihr gesagt: „Rufen Sie den Notarzt.“ Dies sei aber nicht möglich gewesen, weil er das Kabel durchtrennt habe. Sie habe dann draußen einen Nachbarn verständigt, der gerade von der Nachtschicht kam.

Die 80-Jährige kam zunächst für vier Tage in ein Krankenhaus und anschließend noch vier Wochen in ein Pflegeheim, wo sie eine weitere unschöne Erfahrung machte: „Ich musste 966 Euro dazuzahlen“, berichtete sie.

Der Rechtsmediziner, der sie damals untersuchte, stellte diverse massive Stauungsblutungen im Gesichts- und Augenbereich fest - Symptome einer „lebensgefährlichen Behandlung“, wie er es nannte, die auf die Gewaltausübung gegen den Hals zurückzuführen seien. Außerdem habe die 80-Jährige an zahlreichen Körperteilen Hämatome gehabt. Der Prozess wird fortgesetzt.

pid

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