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Der Norden Der 97-Jährige, der jede Woche im Stadion läuft
Nachrichten Der Norden Der 97-Jährige, der jede Woche im Stadion läuft
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00:16 11.07.2016
Von Gabriele Schulte
Beim Aufwärmen vorneweg, wenn auch langsam: Im Celler Stadion trainiert Wolfgang Kromrey erneut für das Sportabzeichen. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Celle

Mit zwei Dutzend Sportfreunden wärmt sich Wolfgang Kromrey im Celler Otto-Schade-Stadion auf. Er übt Ballwurf und Sprint – bloß langsamer als die anderen, so wie es ihm möglich ist. Der pensionierte Chemiker ist am Freitag 97 Jahre alt geworden und nach Angaben des Landessportbunds der älteste Niedersachse, der derzeit die Prüfungen für das Sportabzeichen ablegt. 52 der Nadeln besitzt er schon, die letzte davon – in Silber – hat er vergangenen Sommer erhalten. Um fit zu bleiben, raffe er sich stets wieder auf, sagt der Senior. Zwei- bis dreimal die Woche gehe er zum Sport, zusätzlich zu täglicher Gymnastik in der eigenen Wohnung: „Solange es geht, wird es gemacht.“

Der frühere Berliner ist offenbar jemand, den so schnell nichts aus der Bahn wirft. Kromrey hat Kriegsverwundungen, schwere Operationen und Schicksalsschläge überstanden und sich den Willen bewahrt, so lange wie möglich beweglich zu bleiben. Gelegentlich musste er mit dem Training aussetzen, etwa nach den beiden Hüftoperationen und nach dem Herzklappen-Eingriff. Die künstlichen Hüften zwingen den lange Zeit beim örtlichen Wasa-Lauf sehr erfolgreichen Langstreckenläufer inzwischen, für die 4000-Meter-Strecke „Stützen“ zu Hilfe zu nehmen – das Wort Krücken mag der Pensionär nicht. Sprintstrecken funktionieren auch ohne. „In meinem Fall ist das schnelles Gehen“, sagt Kromrey. Für ihn gelten wegen seiner altersbedingten Behinderungen abgemilderte Vorgaben des Deutschen Sportbundes.

Den Zwei-Kilogramm-Medizinball etwa muss er mindestens 3,50 Meter weit werfen. Das hat er in diesem Jahr mit 3,90 Meter wieder problemlos geschafft, ebenso wie die 30-Meter-Kurzstrecke und die Konzentrationsübung. Ein wenig wurmt ihn, dass die Vorgaben ab 90 Jahren unverändert fortgelten. Anscheinend seien so wenige über 95-Jährige beim Sportabzeichen dabei, dass für sie nicht die übliche Fünfjahres-Abstufung gemacht werde: „Dabei lässt ab 93 die Kraft merklich nach.“ Als nächstes will Kromrey die Schwimmprüfung ablegen, dafür übt er nach operationsbedingter Pause im Hallenbad. Gewicht halten ist so kein Problem: Bei – noch – 1,66 Metern wiegt der „Schrumpf-Germane“, wie er verschmitzt von sich sagt, nur 58 Kilogramm.

Anzunehmen, dass seine Schlagfertigkeit und geistige Fitness nicht nur einer ständigen Lektüre von Wissenschaftszeitschriften, sondern auch dem Sport zu verdanken ist. „Drei mal drei ergibt irgendwas zwischen acht und neun“, scherzt der Celler, der 1953 über Fleisch zersetzende Bakterien promoviert hat. Im Alltag kommt der Witwer noch so gut zurecht, dass er sich bis auf eine Putzhilfe in seiner Drei-Zimmer-Wohnung selbst versorgt. Seine Tochter arbeitet als Ärztin in Hessen, zu ihr hält er regelmäßig Kontakt über sein Smartphone.

In der Sportabzeichen-Gruppe des Kreissportbundes ist er als ältester Teilnehmer gern gesehen. Zwar wäre es schön, wenn mehr Kinder und Jugendliche zum Training kämen, meint Prüferin Sabine Strackharn. Doch Kromrey sei ein Vorbild – und beliebt. „Er spendiert beim Sommerfest immer das Grillgut.“ Bevor der 97-Jährige vom Sportplatz nach Hause radelt, stupst ein Sportsfreund ihn an und fragt, ob er mit der Reporterin „wieder mal geflirtet“ habe. „Den jungen Frauen gucke ich immer noch gerne hinterher“, antwortet Kromrey. „Ich weiß nur nicht mehr, warum.“

Hobbysportler haben die Wahl

Bei der Zahl der Teilnehmer am Deutschen Sportabzeichen liegt Niedersachsen bezogen auf die Einwohnerzahl nach Angaben des Landessportbundes auf dem ersten Platz. Nach einigen Jahren sinkenden Interesses hat sich die Zahl bei knapp 130.000 Hobbysportlern stabilisiert. Während sich Ältere zunehmend auf diese Weise fit halten, fehlt vielerorts auf den Sportplätzen der Nachwuchs. Abhilfe soll ein neu aufgelegter Sportabzeichen-Schulwettbewerb schaffen. Der jeweilige Kreissportbund informiert darüber, welche Vereine – auch in den Ferien – Übungstreffen und Prüfungsabnahme anbieten. Im Land engagieren sich mehr als 10?200 ehrenamtliche Prüfer.

Die Wahlmöglichkeiten für Hobbysportler sind größer geworden. Außer den klassischen Lauf-, Sprung- und Wurfdisziplinen ist etwa auch Seilspringen möglich; Schwimmen ist nicht mehr Pflicht. Seit 2013 werden die Nadeln in Gold, Silber oder Bronze nicht mehr basierend auf der Zahl der persönlich in den vergangenen Jahren absolvierten Sportabzeichen vergeben, sondern nach Leistungsstufen. Die Vorgaben für die Altersklassen finden sich im Internet unter deutsches-sportabzeichen.de. gs

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