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Der Norden Ab jetzt bleiben die Ringelschwänze dran
Nachrichten Der Norden Ab jetzt bleiben die Ringelschwänze dran
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00:15 07.12.2015
„Es gibt keine Patentrezepte“: Die ersten Schweinehalter erproben, wie den Tieren das Abschneiden des Schwanzes erspart werden kann. Quelle: dpa
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Hannover

108 Schweinehalter mit 112 000 Tieren machen in dem Projekt mit. Schweinen werden in den meisten Mastbetrieben die Ringelschwänze gekürzt, um zu verhindern, dass die Tiere sich gegenseitig dort beißen. Das kann zu blutigen Verletzungen und schließlich sogar zu Kannibalismus unter den Schweinen führen.

Derzeit könne man in den meisten Schweinehaltungen nicht auf das sogenannte Kupieren der Ringelschwänze verzichten, sagte Heinrich Dierkes, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft der Schweinehalter (ISN). „Wir brauchen Lösungen, denn wir haben sie heute noch nicht.“ Das Schwanzkürzen einfach zu verbieten wäre kontraproduktiv, das hätten Erfahrungen etwa in Schweden gezeigt: „Dort haben innerhalb kürzester Zeit 50 Prozent der Betriebe aufgeben müssen“, so Dierkes.

Um Beißereien zu verhindern, bräuchten die Schweine mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten, so die Meinung von Experten. Doch das kostet Geld, das die Schweinehalter bei den derzeitigen Fleischpreisen kaum erwirtschaften können. Deshalb zahlt das Land die Ringelschwanzprämie.

Experte: "Es gibt kein Patentrezept"

Doch einfach mit mehr Platz und Spielzeug ist es nicht getan, weiß Professor Thomas Blaha, Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz. Er leitet die sechsköpfige Expertenkommission, die nun das Projekt begleiten soll. „Da es keine Patentrezepte gibt und jeder Tierbestand ganz eigene Risikofaktoren für das Auftreten des Schwanzbeißens hat, müssen je Betrieb ganz unterschiedliche Maßnahmen greifen.“ Man werde im Laufe des Projekts Schritte anpassen müssen, Fehler analysieren und den Landwirten Tipps geben, so Blaha. Er geht davon aus, dass man in den nächsten fünf Jahren ausreichend Kenntnisse gewinnt, um das Kupierverbot flächendeckend durchsetzen zu können.

Die Schweinehalter hoffen, dass die besseren Haltungsbedingungen, die jetzt noch vom Staat erkauft werden, letztlich mit höheren Preisen belohnt werden. Eins müsse klar sein, so Dierkes: „Wenn wir langfristig kein Geld über den Handel bekommen, wird kein Tierwohl in Deutschland stattfinden“, so Dierkes. Tierschutz zu verbessern sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, so Blaha. Da sei auch der Konsument gefragt.

Die Landwirte, die sich den Regeln der Ringelschwanzprämie verpflichtet hätten, seien Vorreiter der Landwirtschaft, lobte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer. „Ihr Engagement und ihre Weitsicht werden den Tierschutz nicht nur in Niedersachsen, sondern bundesweit voranbringen.“ Alle Halter wurden vorab geschult, sowohl die Schweinemäster als auch die Ferkelerzeuger.     

16,50 Euro für ein 
Ringelschwänzchen

Geld für Tierwohl: Um einen Anreiz für bessere Haltungsbedingungen mit mehr Platz und Spielzeug für Schweine zu setzen, hat das Land die Ringelschwanzprämie ausgelobt. Pro Tier bekommt der Halter 16,50 Euro, wenn mindestens 70 Prozent des Bestands gesund sind. Am Ende haben sich 108 Halter mit 112 000 Tieren gemeldet, danach war das Kontingent von 1,8 Millionen Euro ausgeschöpft. Insgesamt gibt es in Niedersachsen 8,5 Millionen Schweine.

Zwei Drittel der gemeldeten Betriebe seien konventionelle Halter, ein Drittel habe als Neuland- oder Biobetrieb bereits vorher auf das Kupieren der Schwänze verzichtet, räumt Landwirtschaftsminister Christian Meyer ein. Man könne aber niemandem die Prämie vorenthalten, bloß weil es ihm leicht falle, die Bedingungen dafür zu erfüllen. Heinrich Dierkes, Vorsitzender des Schweinehalterverbands ISN, begrüßt die Teilnahme der Bio-Bauern: Von der Erfahrung dieser Betriebe könne die ganze Gruppe profitieren.

Neben Schweinehaltern können auch Geflügelmäster eine Prämie bekommen, wenn sie auf das Kürzen von Schnäbeln verzichten.

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