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Aktivistin tritt gut gelaunt ihre Haftstrafe an

Landgericht Münster Aktivistin tritt gut gelaunt ihre Haftstrafe an

Statt eine Strafe über 1650 Euro zu zahlen, hat Hanna Podding eine Ersatzstrafe gewählt. Mit der Aktion will Podding auch auf "die Absurdität des Systems" aufmerksam machen. Schon nach zwei Wochen koste sie den Staat mehr als die Höhe der Geldstrafe.

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„Ich soll hier eingesperrt werden“: Hanna Poddig.

Quelle: Julia Moras

Hildesheim. Die junge Frau grinst ihre Begleiter noch einmal an, dann drückt sie den Klingelknopf am Tor des Frauengefängnisses in der Hildesheimer Innenstadt: „Poddig. Ich soll hier eingesperrt werden.“

Eine der bekanntesten Anti-Atom-Aktivistinnen Deutschlands hat gestern in Hildesheim eine mehrwöchige Ersatzhaftstrafe angetreten. Hanna Poddig war vom Landgericht Münster zu 110 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt worden, weil sie sich im Jahr 2012 nahe der Uran-Anreicherungsanlage in Gronau (Westfalen) an die Bahngleise gekettet hatte. Es war mit 1650 Euro die bislang höchste Geldstrafe für ein vergleichbares Delikt in Deutschland.

Gestern wurde die 31-Jährige aus Lüneburg - als Talkshow-Gast und Autorin eins der bekanntesten Gesichter der Szene - von rund 20 Mitstreitern zur Gefängnistür eskortiert. Sie verabschiedete sich mit dem Hinweis: „Wenn ich heute Nacht keine Beschallung kriege, bin ich beleidigt.“ Eine Anspielung darauf, dass einige ihrer Helfer auf der kleinen Wiese gegenüber dem Gefängnistor zelten wollten. Angemeldet hat die Kundgebung eine Frau, die sich mit Ersatzfreiheitsstrafen auskennt und im vergangenen Jahr ebenfalls in Hildesheim einsitzen sollte: Die Anti-Atom-Aktivistin Cécile Lecomte.

Hinter Gitter ging gestern aber Hanna Poddig, die eine Botschaft mitgebracht hatte: „Es geht darum, dass ich den Staat schon nach zwei Wochen mehr koste, als er bekommen hätte, wenn ich die Geldstrafe bezahlen würde.“ Damit wolle sie zugleich die „Absurdität des Systems“ aufzeigen.

Allerdings gab sie zu, recht leichten Herzens ins Gefängnis zu gehen. „Ich kann mich ja sozusagen jederzeit freikaufen, indem ich die noch ausstehenden Tagessätze bezahle.“ Tatsächlich hat sie genau das vor: Das gewünschte Zeichen habe sie mit dem gestrigen Auftritt bereits gesetzt. Zu einer Anti-Atom-Floßtour von Trier nach Köln im Juni wolle sie wieder auf freiem Fuß sein - und die Reststrafe spätestens dann bezahlen.

Diesmal zahlt niemand

Das „Schicksal“ ihrer Unterstützerin Cécile Lecomte aus dem Vorjahr blieb Poddig gestern erspart: Lecomte hatte eine Ersatzhaftstrafe von einem Tag absitzen sollen, weil sie ein Bußgeld von 20 Euro nicht bezahlt hatte. Der Gefängnisleiter bezahlte die Summe jedoch aus seiner Privatschatulle - vermutlich, um sich die rührige Aktivistin und ihre Unterstützer vom Leib zu halten. Hanna Poddig hingegen fand Aufnahme: „Mein Bußgeld ist dem Leiter wohl zu hoch.“

Von Tarek Abu Ajamieh

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