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Wie geht’s weiter bei Wiesenhof?

Antworten auf die wichtigsten Fragen Wie geht’s weiter bei Wiesenhof?

Nach dem Großbrand in der Wiesenhof-Geflügelschlachterei in Lohne müssen Pläne her: Was wird aus den Leiharbeitern? Was aus dem Gelände? Die HAZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Auf dem Firmengelände des Geflügelproduzenten Wiesenhof in Lohne war ein Großfeuer ausgebrochen.

Quelle: Friso Gentsch

Lohne. Die Folgen des verheerenden Großbrands in der Wiesenhof-Geflügelschlachterei in Lohne sind noch nicht vollständig absehbar. Doch welche Möglichkeiten hat das Unternehmen in dieser Situation? Die HAZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie viele Mitarbeiter sind von den Folgen des verheerenden Feuers betroffen?

Das Unternehmen gibt die Zahl der Beschäftigten in dem abgebrannten Betrieb mit zuletzt 1200 an. Rund 450 davon sind Leih- und Werkvertragsarbeiter.

Kann das Unternehmen Kurzarbeit anmelden?

Wiesenhof könnte auf das Instrument der Kurzarbeit zurückgreifen, weil es zumindest auf den ersten Blick die Kriterien erfüllt: Kurzarbeit wird von der Arbeitsagentur anerkannt, wenn durch ein unabwendbares Ereignis Arbeit in erheblichem Umfang ausfällt. Außerdem muss absehbar sein, dass der Ausfall zeitlich begrenzt ist. In dieser Zeit zahlt das Unternehmen weniger oder keinen Lohn an seine Mitarbeiter. Von der Differenz übernimmt die Arbeitsagentur 60 Prozent. Die Kurzarbeit ist auf sechs Monate befristet, kann aber auf bis zu 24 Monate verlängert werden. Kurzarbeit ist als Instrument aber nur für fest angestellte Mitarbeiter, nicht für Werkvertragsnehmer und Leiharbeiter möglich.

Was passiert mit den Leiharbeitern und Werkvertragsnehmern?

Die Leih- und Werkvertragsarbeiter, die vorwiegend aus Osteuropa stammen, würden die Kündigungen besonders hart treffen, sagt der Cloppenburger Arbeitsrechtler Johannes Brinkhus. Der Rechtsanwalt berät seit Jahren ehrenamtlich Leih- und Werkvertragsarbeiter in der Fleischindustrie. Im Falle einer Kündigung erhielten die Arbeiter nur eine kleine Abfindung, die sich an der Dauer ihres Vertrages bemesse. Diese seien in der Regel auf zwei Jahre befristet.

Könnte Wiesenhof den Brand nutzen, um nach einem Wiederaufbau der Anlage in Lohne die Zahl der fest angestellten Beschäftigten zugunsten von Leiharbeitern zu reduzieren?

Bei der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) hat es diese Befürchtung zunächst gegeben - inzwischen glauben die Arbeitnehmervertreter nicht mehr daran. In einer Betriebsvereinbarung wurde vor zwei Jahren festgeschrieben, dass Leiharbeiter höchstens 40 Prozent der Belegschaft ausmachen dürfen. Zuletzt standen den 750 bei Wiesenhof fest angestellten Mitarbeitern 450 Beschäftigte gegenüber, die von zwei Zeitarbeitsfirmen gestellt werden. Diese Leiharbeiter seien für Wiesenhof nur unwesentlich billiger, heißt es bei der NGG. Denn seit Anfang 2015 gilt in der Zeitarbeitsbranche ein Mindestlohn von 8,50 Euro, der für allgemeinverbindlich erklärt worden ist.

Wiesenhof ist im Ausland stark gewachsen - die polnischen, bulgarischen und niederländischen Beteiligungen steuerten zuletzt rund 392 Millionen Euro zum Umsatz der PHW-Gruppe bei, der auf 2,38 Milliarden Euro stieg. Könnte der Konzern ein neues Werk statt in Lohne im Ausland aufbauen?

Im Prinzip sei das natürlich möglich, heißt es bei der Gewerkschaft. Allerdings fehle es dort an einer wichtigen Voraussetzung - den Mastanlagen. Eine solche Lieferkette lasse sich nicht von heute auf morgen aufbauen, ein Transport der Tiere über diese Entfernungen scheide aus.

Wo sollen die Millionen Tiere, die eigentlich in Lohne geschlachtet werden sollten, jetzt hingebracht werden?

Nach dem Großbrand in Lohne werden Schlachtungen teilweise in ein anderes Wiesenhof-Werk in Niederlehme (Brandenburg) verlegt. Auch weitere Betriebe in Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Bayern helfen aus. „Die Landwirte müssen keine Sorge haben, dass ihnen die Tiere nicht abgenommen werden“, sagte eine Wiesenhof-Sprecherin.

Gab es bei Wiesenhof in Lohne schon früher vergleichbare Zwischenfälle?

Einen ähnlich schweren Brand gab es noch nicht. Im Jahr 2008 waren bei einem Chemieunfall jedoch 37 Mitarbeiter verletzt worden. Bei Wartungsarbeiten an einer Kühlanlage beschädigten Arbeiter eine Ammoniakleitung. Es bildete sich eine giftige Ammoniakwolke, alle 430 Mitarbeiter der Frühschicht mussten den Betrieb verlassen. Im Jahr 2011 richtete ein Brand einen Schaden in sechsstelliger Höhe an. Zwei Tage vor dem jetzigen Großbrand war zudem erneut Ammoniakalarm ausgelöst worden.

Welche Erkenntnisse gibt es zur Brandursache?

Wenige. Die letzten Feuerwehrleute haben den Brandort inzwischen verlassen. Am Mittwoch haben Brandermittler, Gutachter und Sachverständige von Versicherungen die niedergebrannten Produktionshallen besichtigt. Man erwarte keine schnellen Ergebnisse, sagte die Polizeisprecherin.

Wie lange wird der Wiederaufbau dauern?

Einen Anhaltspunkt bietet die Entwicklung im bayerischen Bogen. Dort ist im Frühjahr 2015 ein Schlachthof von Wiesenhof abgebrannt. Die Bauarbeiten dort seien seit Mai vergangenen Jahres in vollem Gange, sagte eine Unternehmenssprecherin. Vor Kurzem hätten die Bauabnahmen für Brandschutz, Arbeitssicherheit und Elektroinstallation stattgefunden. Vor diesem Hintergrund rechne man damit, „dass voraussichtlich bis zum dritten Quartal dieses Jahres in Bogen nicht nur wieder geschlachtet, sondern auch die Weiterverarbeitung aufgenommen werden kann“. Wie in der alten Anlage sollen in Bogen künftig rund 200 000 Tiere pro Tag geschlachtet werden.

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