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Der Norden Hasswelle gegen Wolfsgegner bleibt ungebremst
Nachrichten Der Norden Hasswelle gegen Wolfsgegner bleibt ungebremst
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00:16 26.05.2016
„Einzelne Zuschriften sind mehr als grenzwertig in Bezug auf den Umgangston“: Die Wutwelle von Wolfsfreunden richtet sich unter anderem gegen Umweltminister Stefan Wenzel. Quelle: Holger Hollemann/dpa
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Hannover

Früher hat sich die Familie in ihrem Haus sicher gefühlt. Jetzt ist alles anders. Schließlich hat es den Drohbrief gegeben. Und die Anrufe. Und die zahllosen Hass-Kommentare in den sozialen Netzwerken. „Der Shitstorm ist schon brutal“, sagt der Mann, der seinen Namen einmal öffentlich genannt hat, ihn jetzt aber nicht mehr in der Zeitung lesen will. „Dabei haben wir doch nichts verbrochen.“ Sie hätten doch nur ehrlich erzählt, was am 24. April geschehen sei: Damals habe der Wolf MT6, auch Kurti genannt, ihren Hund bei einem Waldspaziergang angegriffen und in den Hintern gebissen. Das niedersächsische Umweltministerium entschied daraufhin, dass MT6 ein Sicherheitsrisiko sei und ordnete schließlich seinen Abschuss an – die erste staatlich angeordnete Tötung eines Wolfs in der Bundesrepublik.

Ein Schritt, der viel Kritik hervorrief und für den viele die Familie verantwortlich machen. Im Internet wurden Name und Telefonnummer der Familie veröffentlicht, zusammen mit dem Aufruf, man möge ihnen gehörig die Meinung sagen. Ein Sonderfall, aber dennoch symptomatisch: Nach dem Abschuss von MT6 sind die Angriffe einiger Wolfsfreunde schriller und lauter geworden, auch gegen Institutionen, die eben noch als Partner galten. Die Fronten in der Wolfsdebatte verhärten sich, denn auch bei den Wolfsskeptikern nimmt die Gesprächsbereitschaft ab.

Vor allem Kontakte mit Kurti hatten für die Betroffenen oft harte Nachwirkungen. Im Januar biss der Wolf einer Mischlingshündin in den Hals. Die Besitzerin, die MT6 damals noch fotografieren konnte, will jetzt nicht mehr mit den Medien sprechen. Denn als der Vorfall im Januar bekannt wurde, musste auch sie mit Anfeindungen leben.

Wüste Beschimpfungen gegen Institutionen

Die Wutwelle der Wolfsfreunde hat auch die beteiligten Institutionen erfasst. Nach dem vom Umweltministerium angeordneten Abschuss von MT6, der von Umweltschutzverbänden wie Landesjägerschaft aus Tierschutzgründen befürwortet wurde, wurden die Institutionen ins Visier genommen. Die Jäger wurden als „Mörderpack“ und „Sadisten“ beschimpft. Der Naturschutzverband Nabu wiederum musste sich von enttäuschten Wolfsfreunden als Mittäter bei einem Verbrechen, als Versager und korrupt bezeichnen lassen. Gegenüber der HAZ verurteilte der Nabu die „Mobbing-Aufrufe“ von „sogenannten Wolfsfreunden und -schützern“: „Der Nabu und seine mehr als 400 ehrenamtlichen Nabu-Wolfsbotschafter verurteilen diese emotional geprägten Hetzkampagnen ganz entschieden und werden sich nicht daran beteiligen.“ Das gelte auch für die Anzeigen gegen den Umweltminister.

Und das sind nicht wenige. „Wir haben 101 Anzeigen vorliegen, vor allem gegen Umweltminister Stefan Wenzel“, sagte Olaf Rothardt von der Polizeiinspektion Heidekreis. Dem Minister oder in der kleineren Zahl der Fälle dem unbekannten Scharfschützen der Polizei werden Verstöße gegen das Natur- und Tierschutzgesetz vorgeworfen. Manche wenden sich mit ihrer Wut auch direkt ans Ministerium. Dort seien sowohl positive als auch kritische Rückmeldungen zum Thema Wolf eingegangen, sagte Ministeriumssprecher Rudi Zimmeck. „Einzelne Zuschriften sind mehr als grenzwertig in Bezug auf den Umgangston.“

Neben den Wolfsfreunden gibt es in Niedersachsen auch Wolfsskeptiker. Sie sind weniger laut, aber ihre Diskussionsbereitschaft nimmt ab. „Auf dem Land sind 99 Prozent gegen den Wolf“, schätzt Celles Kreisjägermeister Hans Knoop. Die Wölfe würden an die Ortschaften herankommen und sogar an Sandkisten urinieren - das Verständnis für die Anwesenheit des Wolfes schrumpfe.

Christian Berge wirbt dagegen für mehr Verständnis für das Tier. Der Anwalt lebt mit mehreren Hybriden-Züchtungen aus Wolf und Hund in der Lüneburger Heide und zählt zu den schärfsten Kritikern des Abschusses von MT6. Berge hat auf seiner Facebook-Seite Namen und Telefonnummer der Familie veröffentlicht, die er für Kurtis Tod mitverantwortlich macht. Den Vorwurf, er habe damit eine Grenze überschritten, weist er zurück: „In dem Moment, wo der Name in der Zeitung steht, habe ich damit kein Problem.“ Und: „Das Ganze muss als Präzedenzfall gesehen werden, um Signale zu setzen, damit andere mitkriegen und sehen, was die Folge ist, wenn man solche Sachen erfindet.“ Berge wirft der Familie vor, gelogen zu haben, als sie angegeben habe, ihr Hund sei bei Kurtis Biss angeleint gewesen. Das wiederum weist der betroffene Familienvater zurück.

Ein Wolf wird zum Politikum

Er sei radikaler geworden, räumt Berge ein und rechtfertigt das mit dem Verhalten derer, die er als Gegenseite sieht: „In Niedersachsen ist der spezielle Fall eingetreten, dass der Wolf zum Politikum geworden ist“, sagt Berge. Schuld daran seien Abgeordnete von CDU und FDP. „Denen geht es dabei nicht um den Wolf, die wollen eigentlich den Umweltminister abschießen.“ Auf den Minister ist Berge allerdings auch nicht gut zu sprechen: Er will ebenfalls wegen des Abschusses von MT6 Anzeige gegen ihn erstatten.

Wer zwischen die Fronten der Diskussion gerät, braucht zumindest ein dickes Fell. Manchmal vielleicht auch mehr, so wie der unbekannte Präzisionsschütze der Polizei, der MT6 erschoss, und dessen mögliche Identität im Internet diskutiert wird. „Wenn der Name des Schützen in die Öffentlichkeit gerät, dann muss der Angst um Leib und Leben haben“, fürchtet Florian Rölfing, Sprecher der Landesjägerschaft.

Seltener Goldschakal in Norddeutschland

Bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern ist ein Goldschakal in eine Fotofalle getappt. Die Tiere sind eigentlich in Südosteuropa heimisch, das Tier ist aber nicht das erste seiner Art in Norddeutschland.

Verschiedene Spezialisten hätten Bilder von dem Tier ausgewertet und seien sich sicher, sagte Kristin Zscheile vom Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie (LUNG). Sie bestätigte einen Bericht der „Ostsee-Zeitung“ vom Wochenende. Das Tier war vor acht Wochen im Greifswalder Stadtwald von einer Fotofalle abgelichtet worden, die ein Stadtförster installiert hatte. Zunächst war der Mann von einem Wolf ausgegangen, da bereits entsprechende Fährten entdeckt worden waren.

Nach Angaben des Landesamtes ist ein Goldschakal äußerst selten. Im Herbst 2014 war auf der A24 bei Stolpe ein Tier totgefahren worden, wie Zscheile sagte. Im Winter 2013/2014 erschoss ein Jäger im Raum Anklam einen Goldschakal in der Annahme, es sei ein Fuchs.

Goldschakale stammen ursprünglich aus Afrika und Asien und sind in Europa vorrangig in Rumänien, Bulgarien, Kroatien und Serbien beheimatet. Warum der Goldschakal sich nach Westen und Norden ausbreitet, sei bislang unklar. Experten halten den Klimawandel als Ursache für möglich. „Es kann sein, dass sich der Goldschakal durch die wärmeren Winter nach Norden orientiert“, sagte der Wildtier-Experte Andreas Kinser von der Deutschen Wildtierstiftung.

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