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Der Norden Wolf ist verliebt - und jetzt wieder scheu
Nachrichten Der Norden Wolf ist verliebt - und jetzt wieder scheu
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00:16 10.03.2016
Der Problemwolf aus dem  Munsteraner Rudel ist nicht mehr  allein - und jetzt auf einmal scheu. Quelle: Symbolbild (dpa)
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Schneverdingen

Drei Tage lang wurde der Problemwolf in der Lüneburger Heide gesucht, und auch immer wieder gefunden. Achtmal sogar bekam der Wolfsexperte Jens Karlsson, der von der niedersächsischen Landesregierung extra aus Schweden geholt worden war, den auffälligen Munsteraner Wolf zu Gesicht, der zuletzt so wenig Scheu war, dass er sich Menschen sogar bis auf zwei Meter näherte. Karlssons Aufgabe war, dem Wolf wieder Respekt einzuimpfen. Doch das war offenbar gar nicht nötig.

"Wenn der Wolf nicht flieht, wenn ich mich ihm auf weniger  als 30 Meter nähere, muss er vergrämt werden", erklärt Karlsson. Doch das sei gar nicht nötig gewesen. Jedesmal, wenn er den mit einem Sender versehenen Wolf gesehen habe, dessen Position unter anderem mithilfe eines Flugzeugs angepeilt wurde, sei das Tier schnurstracks wieder geflohen. Manchmal kam er noch dazu, zu sprechen oder ein wenig zu rufen. Doch mit Gummischrot geschossen habe er nie auf das Tier. 

Verhalten ändert sich bei Paarbildung

Allerdings war der Wolf nicht allein: Er hatte einen zweiten Wolf bei sich - und das könnte auch das Geheimnis seiner neu gewonnenen Scheu sein. "Bei Paarbildung färbt das Verhalten des einen Tieres unter Umständen auf das andere ab", sagt Umweltminister Stefan Wenzel.

Karlsson scheint über diese Entwicklung nicht unglücklich zu sein. Der dunkelhaarige Schwede ist kein Rambo-Typ, er spricht langsam und lächelt viel, wenn es um Wölfe geht. "Wir haben in Schweden einen Standardablauf, den wir bei aufälligen Wölfen anwenden", erklärt er seinen Job. Das wichtigste sei das Dokumentieren: Wann und wo und wie genau wird ein Wolf auffällig? "Darauf verwenden wir 80 Prozent unserer Zeit." Dann geht es darum, die Ursache für die Annäherung zu finden: Sind es Mülltonnen, die den Wolf interessieren? Ein Kadaver in der Nähe einer Siedlung? "Wenn man die Ursache für die Neugier des Wolfes beseitigt, hat man das Problem fast immer gelöst", sagt Karlsson.

Keine Sorgen um Problemwolf

Erst, wenn das alles nicht greift, kommt es zum Vergrämen: Dem Schreien, den Lichtblitzen, auch dem Schießen von Gummischrot oder (nur in Schweden) Feuerwerksraketen in Richtung des Tiers. Auf dieses Spektakel solle man aber  nicht zuviel setzen, meint Karlsson: "Diese Maßnahmen haben eine Erfolgsquote von weniger als 30 Prozent. Wenn man aber die Ursache für die Neugier entfernt und sie zusammen damit anwendet, können sie einen großen Effekt haben." Bei diesem Wolf allerdings wurde eben nicht geschossen, sondern nur gerufen.

Und hat er beim Munsteraner Wolf mit seinen Maßnahmen Erfolg gehabt? Das müsse man sehen, meint Wenzel. "Wir werden den Wolf in den nächsten Tagen beobachten, ob sich sein Verhalten stabilisiert", sagt der Minister. So sei eben nicht klar, ob die Ursache für seine fehlende Scheu behoben sei. Sollte das Tier nicht stabil werden, müsse man vielleich noch mal neu vergrämen. Und auch eine Entnahme, also ein Einfangen oder Erschießen des Wolfs, sind für Wenzel noch nicht ausgeschlossen.

Für Karlsson allerdings ist der Job zunächst erledigt, er fuhr noch am Montagabend wieder zurück nach Schweden. Große Sorgen macht er sich nicht um den Wolf. Es gebe weltweit Berichte von Puma-Angriffen auf Menschen, von Bären oder Tigern oder Leoparden, so Karlsson, "aber das Risiko, dass ein Wolf einen Menschen verletzt, ist extrem gering." Und der Munsteraner Wolf im Besonderen mache ihm gar keine Sorgen.

Von Heiko Randermann

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