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Schweinefleisch ist gestrichen
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Aufnahmelager Friedland Schweinefleisch ist gestrichen

Das ehemalige Aussiedlerlager Friedland beherbergt viele islamische Menschen aus aller Welt. Die größten Gruppen kommen aus Afghanistan, der russischen Föderation (hauptsächlich Tschetschenien) und Pakistan.

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Statt Mittagessen: Eine libanesische Familie erhält Zutaten für das Fastenbrechen.

Quelle: pid

Friedland. „Bitte zeigen Sie bei jeder Mahlzeit Ihre Essenkarte vor“, steht in fünf Sprachen über der Essensausgabe im Speisesaal des Lagers Friedland zu lesen. Die Schilder mit den unterschiedlichen Schriftzeichen – unter anderem in Arabisch, Farsi und Kyrillisch – dokumentieren den Wandel, der sich in den vergangenen Monaten in dem Lager bei Göttingen vollzogen hat. Während vor drei Jahren noch hauptsächlich Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion nach Friedland kamen, ist die Belegschaft jetzt viel internationaler geworden. Seit 2011 nimmt das „Tor zur Freiheit“ auch Asylbewerber auf. Viele von ihnen kommen aus islamischen Ländern. Dies prägt inzwischen auch den Alltag in der Aufnahmeeinrichtung: „Bei uns steht kein Schweinefleisch mehr auf dem Speiseplan“, sagt Lagerleiter Heinrich Hörnschemeyer.

Derzeit sind in Friedland 440 Asylbewerber aus neun Ländern untergebracht. Die größten Gruppen kommen aus Afghanistan, der russischen Föderation (hauptsächlich Tschetschenien) und Pakistan. Andere Herkunftsländer sind Vietnam, die Türkei, der Irak, Georgien und der Libanon. In den vergangenen zwei Wochen waren hier außerdem knapp 100 irakische Flüchtlinge untergebracht, die Deutschland im Rahmen des Programms zur Neuansiedlung aufnimmt. Sie wurden am Dienstagmorgen mit Bussen abgeholt und zu ihren künftigen Wohnorten gebracht. Sieben von ihnen bleiben in Niedersachsen, die übrigen werden nach einem festgelegten Schlüssel auf die Bundesländer verteilt. 

Damit die muslimischen Asylbewerber und Flüchtlinge den Ramadan begehen können, gibt es in diesen Wochen eine Sonderregelung: Weil Muslime während des Fastenmonats tagsüber nichts essen dürfen, können sie statt des Mittagessens ein Lebensmittelpaket mit Gemüse, Tomaten, Linsen, Bohnen, Reis und anderen Zutaten bekommen, die sie dann abends zum Fastenbrechen in ihrer Unterkunft zubereiten können. „Außerdem stellen wir ihnen abends einen Raum zum Beten zur Verfügung“, sagt Hörnschemeyer.

Wo viele Menschen auf engem Raum leben, kann es auch schnell zu Aggressionen kommen. „Die meisten Bewohner sind aber ruhig, friedlich und umgänglich“, betont der Lagerleiter. Wenn es mal Probleme gebe, dann meist mit jungen Männern, die allein nach Deutschland gekommen sind. So war es auch am vergangenen Wochenende, als ein 22-jähriger Asylbewerber aus Afghanistan in betrunkenem Zustand ausrastete und eine Schlägerei auslöste. Der Anlass des Streits sei unklar, sagt Hörnschemeyer. Eine Version lautet, dass sich der 22-Jährige über einen Mann aus Pakistan aufgeregt habe, weil dieser einer afghanischen Frau beim Koffertragen behilflich gewesen sei. 

Vor zwei Monaten waren 20 Asylbewerber aus Georgien und Pakistan mit Fäusten und Besenstielen aufeinander losgegangen. Den Grund habe man nicht klären können, sagt Hörnschemeyer. Die Verwaltung versuche durch organisatorische Maßnahmen, das Konfliktpotenzial so gering wie möglich zu halten. So werden beispielsweise alleinstehende junge Männer in anderen Unterkünften untergebracht als Familien mit Kindern. 

Deutlich ruhiger geworden ist es um die Gruppe der Georgier. Im vergangenen Jahr hatten georgische Asylbewerber zahlreiche Ladendiebstähle und Wohnungseinbrüche in Friedland, Göttingen und Umgebung begangen. Offenbar hat das offensive Vorgehen der Polizei Wirkung gezeigt, in jüngster Zeit sind keine solchen Vorfälle bekannt geworden. Außer für Asylbewerber ist Friedland weiterhin die erste Adresse für neu ankommende Spätaussiedler aus Osteuropa. Derzeit sind 30 im Lager, insgesamt waren es im ersten Halbjahr etwa 800. Dies entspricht den Zahlen des Vorjahres.

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Niedersachsen in Zahlen

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  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche: 47.634,90 km²
  • Einwohner: 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte: 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl: 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl: 2018
  • Wirtschaft: Firmendatenbank
  • Geographie: Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen: Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
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