Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Schriftliches Urteil gegen Gröning veröffentlicht
Nachrichten Der Norden Schriftliches Urteil gegen Gröning veröffentlicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:38 21.09.2015
Oskar Gröning hatte im Prozess seine Beteiligung und moralische Mitschuld am Holocaust eingeräumt. Quelle: dpa
Anzeige
Lüneburg

Die Anwälte von Holocaust-Opfern haben für die wenigen noch möglichen Prozesse gegen SS-Angehörige in Konzentrationslagern ähnlich klare Urteile wie gegen Oskar Gröning in Lüneburg gefordert. Nach der Vorlage der schriftlichen Urteilsbegründung gegen den 94-Jährigen erklärten die Nebenklägervertreter am Montag, dass die Taten von SS-Angehörigen, die irgendwo den fabrikmäßig organisierten Massenmord unterstützt haben, wegen Beihilfe zum Mord verurteilt werden sollten.

Das Landgericht Lüneburg war in seinem Urteil gegen Gröning Mitte Juli von der jahrzehntelangen Praxis abgewichen, dass SS-Angehörigen für eine Verurteilung ein einzelnes Verbrechen in einem Vernichtungslager konkret nachgewiesen werden muss. Vielmehr hatte es die Vernichtung von 300.000 ungarischen Juden in Auschwitz als eine rechtlich zusammenhängende Tat gewertet, die Gröning durch seinen Dienst in dem KZ unterstützt habe. Dafür verurteilte ihn das Gericht wegen Beihilfe zum Massenmord zu vier Jahren Gefängnis.

Das Urteil zum Herunterladen

Urteil Groening (2,7 MB)

„Die gesamte Tätigkeit des Angeklagten in Auschwitz war dadurch geprägt, dass sie eine Vielzahl von Morden förderte, ohne dabei auf die Förderung bestimmter einzelner Taten gerichtet zu sein“, heißt es in der schriftlichen Urteilsbegründung. Wie die Nebenklägeranwälte sagten, sei bereits die Anwesenheit von Gröning und aller anderen SS-Männer an der Rampe eine Beihilfehandlung gewesen, weil dadurch für die ankommenden Juden eine Drohkulisse aufgebaut wurde. Durch das bloße Bewachen des Gepäcks der Juden, wie es Gröning übernommen hatte, seien diese über ihr wahres Schicksal getäuscht worden, da sie dachten, es bald wieder ausgehändigt zu bekommen.

Wie das Landgericht Lüneburg am Montag mitteilte, haben Verteidigung und Nebenklagevertreter, die Revision eingelegt hatten, nach dem Vorliegen der schriftlichen Urteilsbegründung nun einen Monat Zeit zur Begründung. Falls das Urteil nach anschließender Prüfung durch den Bundesgerichtshof (BGH) rechtskräftig wird, entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob Gröning haftfähig ist. Schon vor Gericht war er gesundheitlich sehr angeschlagen, einige Verhandlungstage fielen deswegen aus. Wenn der BGH der Revision stattgibt, wird das Landgericht Lüneburg erneut in dem Fall verhandeln. Bis zu einer Entscheidung des BGH werden erfahrungsgemäß einige Monate vergehen.

Gröning hatte im Prozess seine Beteiligung und moralische Mitschuld am Holocaust eingeräumt. Er hatte gestanden, Geld von Verschleppten gezählt und zur SS nach Berlin weitergeleitet zu haben. Dies brachte ihm später den Beinamen „Buchhalter von Auschwitz“ ein. Er sagte aus, zwei- bis dreimal vertretungsweise Dienst an der Rampe getan zu haben, wo deportierte Juden zur Ermordung selektiert wurden.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Der Norden Angriff auf Flüchtlinge im Kreis Harburg - Betrunkener verletzt vier Asylbewerber

Ein Betrunkener hat im Landkreis Harburg vier Asylbewerber angegriffen. Die aus dem Sudan, Eritrea, Somalia und Libyen stammenden Männer wurden dabei leicht verletzt und noch am Tatort medizinisch versorgt.

21.09.2015

Eine seit mehreren Tagen vermisste junge Frau aus dem Landkreis Nienburg ist das Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Die Polizei teilte mit, dass die Leiche der 23-Jährigen Judith T. am Sonntagnachmittag in einem Wald in der Nähe des Klosters Loccum gefunden wurde.

21.09.2015

Die Zahl der Hochschulabsolventen in Niedersachsen ist erneut gestiegen. Im Jahr 2014 haben landesweit 34 261 Frauen und Männer ein Studium erfolgreich abgeschlossen.

21.09.2015
Anzeige