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Ist der Zebrastreifen ein Auslaufmodell?

Sicherheit Ist der Zebrastreifen ein Auslaufmodell?

Ist der Zebrastreifen sicher genug? Das Ammerland hat sich gerade von dieser Form der Straßenquerungshilfe für Fußgänger für Fußgänger komplett verabschiedet. Einer der Gründe: Zu viele Autofahrer halten sich nicht daran. Der Interessenverband „Fußverkehr“ ist alarmiert.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Bad Zwischenahn. Noch gehören Zebrastreifen fast überall in Niedersachsen zum Stadtbild. Doch das könnte sich ändern. Das Ammerland hat sich gerade von dieser Form der Straßenquerungshilfe für Fußgänger komplett verabschiedet. „Nicht sicher genug“, heißt es in dem Kreis im Nordwesten des Landes. Den Kommunen steht eine solche Entscheidung nach Angaben des Städte- und Gemeindebundes in Hannover frei.

Farbe und Pinsel waren früher das Wichtigste, wenn ein Zebrastreifen angelegt werden sollte. Seit 2001 macht eine R-FGÜ genannte Verordnung des Bundes Zebrastreifen zu ausgeklügelten Systemen - mit Mindest-Streifenbreite, Schildern über der Fahrbahn, abgesenktem Bürgersteig für Rollstuhlfahrer, Auffindstreifen für Blinde und ausreichend Beleuchtung - all dies natürlich aus gutem Grund im Dienste der Sicherheit. Doch nicht alle Städte rüsten die Zebrastreifen entsprechend nach. Manche überpinseln sie lieber, wie jetzt im Ammerland.

Der Interessenverband „Fußverkehr“ in Berlin zeigt sich bereits alarmiert: „Unsere Angst ist, dass die Kommunen sagen: Brauchen wir den Zebrastreifen wirklich, oder können wir das Geld lieber für etwas anderes verwenden?“, sagt Sprecher Stefan Lieb. Die Verwaltungsvorschrift, die Lage und Ausstattung von Zebrastreifen regelt, sei zwar schon ein paar Jahre alt. Aber erst jetzt überprüften die Kommunen, ob sie die Normen wirklich einhalten. Für den Fachverband ist klar: Je mehr Zebrastreifen, desto besser. Dieser Aussage widerspricht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der eine Untersuchung zur Sicherheit von Zebrastreifen erstellt hat. „Wenn die Vorgaben nicht eingehalten werden, vermittelt ein Zebrastreifen nur eine Scheinsicherheit“, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung bei der GDV. Richtig geplante und gut ausgestattete Zebrastreifen seien hingegen so sicher wie Ampeln.

Tempo-30-Zonen und Fahrbahnteiler als Alternative

Daran wiederum glaubt man im Ammerland nicht. Im ganzen Landkreis sind die Zebrastreifen entfernt worden. „Wir hatten viele Unfälle oder Fast-Unfälle, weil die Autofahrer sich nicht darauf eingelassen haben, dass die Fußgänger Vorrang haben“, sagt Landrat Jörg Bensberg. Er meint: „Zebrastreifen sind eher ein städtisches Mittel. Wir sind ein ländlicher Landkreis.“ Dabei hat auch das Ammerland Städte, zum Beispiel Bad Zwischenahn. „Dort müssen die Leute russisches Roulette spielen, wenn sie am Rathaus über die Hauptstraße wollen“, sagt Volkmar Siems, Ratsherr im benachbarten Apen. Im Ammerland gibt es nun oft Fahrbahnteiler, auf denen sich Fußgänger ausruhen können, ehe sie die zweite Fahrbahn in Angriff nehmen. Andere Kommunen führten Tempo-30-Zonen ein; dort sind Überwege laut Verwaltungsvorschrift nicht nötig.

„Es gilt, auf den konkreten Bedarf zu reagieren“, meint Thorsten Bullerdiek vom Städte- und Gemeindebund. Vom Einzelfall macht auch Hannover nach Angaben eines Stadtsprechers die Entscheidung abhängig: „Zu beachten ist etwa, ob die Straße viel befahren ist und die Sichtbeziehungen gut sind.“ Das Landesverkehrsministerium hält den Ammerländer Vorstoß für fragwürdig, wie Sprecherin Lotta Cordes sagte: „Schließlich schaffen wir auch Ampeln nicht mit der Begründung ab, dass es Autofahrer gibt, die sich nicht an Lichtsignalanlagen halten.“

Von Doreen Fiedler und Gabriele Schulte

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