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Der Norden Wirte rissen sich um den Wilddieb "Hasen-Ahlers"
Nachrichten Der Norden Wirte rissen sich um den Wilddieb "Hasen-Ahlers"
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15:35 03.06.2017
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Dötlingen

Ein Schlitzohr war er bestimmt. Aber auch ein genügsamer Mensch. Arbeitsam. Und ein guter Jäger. Jemand, der seinen eigenen Weg ging. Hart im Nehmen. Dazu eine wandelnde Selbstinszenierung.

Hinrich Ahlers hieß der Mann, geboren wurde er am 14. Oktober 1831 in Klattenhof, das zur Gemeinde Dötlingen im oldenburgischen Land gehört. „Hinnerk“ wurde er auf Platt gerufen, auch „iserner Hinnerk“, weil er so eine eiserne Gesundheit hatte. Allgemein bekannt wurde er unter dem Namen „Hasen-Ahlers“. Denn Hinrich Ahlers war ein leidenschaftlicher Hasen-Jäger, ohne die Erlaubnis dafür zu haben. Also war er ein Wilddieb. Und zwar ein unbelehrbarer. Er ging sogar ins Zuchthaus dafür, mehrfach. Und deswegen wurde er verehrt. Er war: ein Held.

Heimatforscher schreiben Buch

„Hier, das Geburtshaus“, sagt Gerold Spille und schiebt eine Klarsichtfolie mit einem Sepiafoto über die Tischdecke. Auch Hermann Speckmann beugt sich vor und wirft einen Blick auf die Aufnahme. Gerold Spille aus Dötlingen (der an diesem Vormittag noch manches Foto auf den Tisch legt) und Hermann Speckmann aus dem nahen Ganderkesee (der jedes Foto prüfend mustert) sind Heimatforscher.

Der eine, Spille, 86 Jahre alt, ist ein Sammler von Fakten und Bildern. Er war früher Geschäftsführer einer Raiffeisen-Genossenschaft und hatte schon immer gedacht, man müsse die alten Dokumente bewahren. Das hat er auch getan. Der andere, Speckmann, ist ein Geschichtenerzähler. Er ist 80, hat früher mit psychisch Kranken gearbeitet und ein Faible für alles, was neben dem Mainstream liegt. Nur konsequent, dass Spille und Speckmann zusammen ein Buch über den „Hasen-Ahlers“ verfasst haben.

Ahlers lebte im Wald

Der schmale Band („Hasen-Ahlers - Der Wilddieb vom Stühe“, Isensee-Verlag) zeichnet das Leben dieses seltsamen Mannes nach, der anfangs ein normaler Bauernjunge war, sogar ein guter Schüler. 1851 leistete er noch seinen Militärdienst, dann kam der Bruch in seinem Leben.

Was diesen Bruch verursachte, wissen weder Spille noch Speckmann. Aber sie wissen, was erzählt wurde. Eine Variante, die romantische, war die, dass Hinnerk Ahlers sich verliebt hatte, dass das Paar aber keine Gnade vor den Augen der Eltern fand. Die andere Variante, etwas nüchterner, besagt, dass Ahlers in der Erbfolge übergangen wurde.

Tatsache ist, dass er noch als junger Mann sein Elternhaus verließ und in den Stühe zog, einen Wald nördlich von Klattenhof, rund 300 Hektar groß. „Er war der erste Aussteiger“, sagt Hermann Speckmann und schaut recht schelmisch über den Tisch und die Fotos hinweg.

52-mal war der im Zuchthaus

Im Wald bezog der „Hasen-Ahlers“ einen leeren Schafkoben, einen kleinen Stall. Er half bei den Bauern, mähte Wiesen, baute Brunnen und brachte die Ernte mit ein. Er war eine beeindruckende Figur, fast zwei Meter groß, er konnte mit der Faust ein Pferd niederschlagen, erzählt man sich. „Er arbeitete für drei und aß für fünf“, erzählt Gerold Spille.

Aber immer wieder schoss er Hasen. Mit großer Könner- und Leidenschaft. Er verkaufte Fleisch und Fell bis nach Bremen. Mit 42 Jahren stand er das erste Mal deswegen vor Gericht.

Gerold Spille sucht das Ahlers’sche Strafregister raus und liest vor: „1871, unbefugtes Jagen, 14 Tage Gefängnis. 1873, drei Monate Gefängnis und 30 Taler Geldstrafe. 1874, zwei Monate - und so weiter.“ „Insgesamt 52-mal“, sagt Hermann Speckmann. „Und das war Zuchthaus. Also mit körperlicher Züchtigung. Hat ihn nicht abgehalten.“

Bald war er ein Star

1898 erreichte Ahlers‘ Karriere eine neue Dimension. Damals wurde die Bahnstrecke Delmenhorst-Vechta fertig, samt einer Station nahe am Stüher Forst, und dorthin kamen am Wochenende die Sommerfrischler zwecks Erholung. Aber bald kamen sie vor allem, um den „Hasen-Ahlers“ zu bewundern.

Er zeigte sich in seiner ganzen Kraft und Wildheit. Er behängte sich mit Fell und Würsten, er führte sein Haustier vor, einen Ziegenbock. Er demonstrierte seine Armut mithilfe eines Topfs, aus dem die Beine einer Krähe guckten. Nicht alles war echt, manches war gepflegte Legende. Richtig berühmt machte ihn sein „Hasen-Ahlers-Lied“, das er für ein paar Münzen sang: „Ich hab’ schon manchem Hasen, / nein, das ist keine Mär, / das Lebenslicht ausgeblasen / mit meinem Mordgewehr.“

Die Wirte rissen sich um ihn

Die Leute gruselten sich und freuten sich und wollten mehr und gaben ihm Geld und Schnaps. Er wurde auch dafür gefeiert, dass er immer und immer wieder der Obrigkeit trotzte. Die Wirte der Gegend rissen sich darum, dass der „Hasen-Ahlers“ bei ihnen die Gäste unterhielt. Als der Schafkoben abbrannte, baute die Gemeinde ein Häuschen für Ahlers, damit der Touristenstrom nicht versiegte. „Das war der erste soziale Wohnungsbau hier“, sagte Hermann Speckmann.

Hinrich Ahlers starb am 26. Juni 1913 in seiner Hütte an Altersschwäche. „Man erzählte sich zwar, dass er ins Krankenhaus musste und dort gewaschen wurde und seine Haut die ungewohnte Seife und das Wasser nicht vertragen hätten und er dann daran gestorben sei“, sagt Gerold Spille. „Aber das ist dann wohl wirklich eine Legende.“

Ein Denkmal für den Wilderer

In Klattenhof erinnert ein Gedenkstein an der Bassumer Straße (nahe der Kreuzung Stedinger Weg) an den Hasen-Ahlers. Es ist nicht das einzige Denkmal für Wilddiebe in Deutschland: Wilderer wie Johann Adam Hasenstab aus dem Spessart, der Bayer Georg Jennerwein oder Hans Eidig aus der Lüneburger Heide wurden oft von der Bevölkerung als Gegenspieler der ungeliebten Herrschenden verehrt.

Ursprünglich durfte jeder Germane jagen, dann nahm der Adel für sich das Recht exklusiv in Anspruch, was oft auf Missfallen traf, vor allem in Zeiten der Armut. Mit dem Wohlstand in Deutschland ist die Zahl der strafrechtlichen Verstöße gegen das Jagdrecht kontinuierlich gesunken, das hat sich auch in den vergangenen 20 Jahren so fortgesetzt: 1996 gab es 1500 polizeilich erfasste Fälle von Wilderei, zuletzt waren es um die 1000.

Allerdings beklagen Jagdpächter zunehmend Fälle von Wilderei aus Spaß – die Tiere werden getötet und liegen gelassen – oder für die Trophäenjagd. Im Ausland bekommt man 3000 Euro für ein kapitales Hirschgeweih.

Er kam nicht weit: Ein bei einem begleiteten Ausgang in Bremen geflüchteter Häftling ist von der Polizei wieder eingefangen worden. Der 65 Jahre alte Mann sei am Freitagabend in Hildesheim festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Polizei.

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