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Der Norden BKA-Experte gibt Einblicke in die Russen-Mafia
Nachrichten Der Norden BKA-Experte gibt Einblicke in die Russen-Mafia
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00:25 26.09.2015
„Abschottung nach außen und innen“: Einer der mutmaßlichen russischen Mafiosi. Quelle: Philipp Schulze
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Lüneburg

Die Mitglieder dürften nicht aussagen und keiner geregelten Tätigkeit nachgehen, auch nicht in den Gefängnissen. Entsprechend schwer fällt es der Justiz, Licht in das Verfahren um Betrügereien mit wertvollen Fahrzeugen und Maschinen zu bringen. Der Prozess läuft unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Bereits seit Februar verhandelt das Gericht. Zunächst sollten es rund 80 Verhandlungstage vor der Staatsschutzkammer werden, mittlerweile sind mehrere Dutzend weitere bis Ende 2016 dazugekommen. Die Staatsanwaltschaft Hannover war den Männern vor mehr als sieben Jahren nach einer Schießerei am Maschsee auf die Spur gekommen. Sie wirft ihnen die Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung sowie banden- und gewerbsmäßiger Betrug vor. Die Osteuropäer sollen zwischen 2009 und 2014 über eine Tarnfirma in Hannover teure Fahrzeuge und Maschinen geleast und anschließend weiterverkauft haben, ohne die Raten zu bezahlen. Es soll ein Schaden von mindestens 450.000  Euro entstanden sein. Einer der angeklagten Männer soll einer der Bosse der bundesweit operierenden Mafiagruppe sein und die Organisation in Hannover geleitet haben.

Weltweit 670 "Diebe im Gesetz"

Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion Ende der Neunzigerjahre sei auch in Westeuropa eine „massive Ausbreitung“ der Organisation zu beobachten, berichtete der Kriminalhauptkommissar aus dem BKA-Referat für schwere und organisierte Kriminalität am Mittwoch. Er sprach von einer Globalisierung der „Diebe im Gesetz“ und ihrer Ideologie. Weltweit seien 670 Personen der Interpol als „Diebe im Gesetz“ namentlich bekannt, so der Sachverständige. Unter den Mitgliedern seien traditionell viele Georgier. Die Anführer seien für die Einhaltung der Regeln, die Koordinierung von Zahlungen und die Schlichtung von Streitereien zuständig.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts seien die „Diebe im Gesetz“ geradezu „zum Prototypen der russischen organisierten Kriminalität“ geworden, erklärte der Sachverständige. Dabei sei meist ein „Dieb im Gesetz“ als Anführer – oder sein Statthalter – in einem bestimmten Gebiet für die Verwaltung einer Obschak genannten Gemeinschaftskasse zuständig. Das gelte auch innerhalb von Justizvollzugsanstalten, auch in Deutschland. Die Bundesrepublik ist nach Angaben des BKA in 22 Regionen aufgeteilt.

Neben strengen Strafen, Regeln und Verboten seien auch eine eigene Sprache und bestimmte Tätowierungen Teil des Systems. Typisch sei die „Abschottung nach außen und nach innen“, betonte der BKA-Experte. Meist würden die Gruppen aus dem Ausland gesteuert. Absprachen mit der italienischen organisierten Kriminalität über Gebiete oder bestimmte Deliktsfelder seien aber bekannt.     

von Peer Körner

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