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22 Windenergieanlagen auf 112 Menschen

Bäntorf 22 Windenergieanlagen auf 112 Menschen

Die Einwohner des 112-Seelen-Dorfs Bäntorf leiden unter den Geräuschen und Blinklichtern. Doch weder Behörde noch Anwohner konnten sich gegen den Bau wehren, nachdem der Landkreis 2008 einen entscheidenden Prozess verloren hatte.

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Windräder, wohin man in Bäntorf auch schaut: Die Gemeinde konnte die vielen Anlagen nicht verhindern. 

Quelle: Samantha Franson

Bäntorf/Hannover. Es ist gerade mal ein paar Jahre her, da war die Windkraft für Wilhelm Meyer eher eine entfernte Angelegenheit. Blickte er damals von seinem Haus in Bäntorf (Kreis Hameln-Pyrmont) Richtung Osten, dann drehten sich dort zwei Windräder. Nun stehen dort acht. Und acht weitere auf der anderen Seite des Hauses, das nächste gerade mal 700 Meter entfernt. Nicht nur auf Besucher wirkt diese Menge an Anlagen bedrückend. „Aus Sicht der betroffenen Bürger ist das alles zu nah an der Wohnbebauung. Das ist zuviel für diese Gegend hier“, sagt Meyer.

Windkraft als saubere Energie ist längst nicht mehr unumstritten. Wo die „Spargel“ stehen, gibt es in der Regel auch Protest von Anwohnern. Doch Bäntorf ist eine besondere Situation: Laut Bauamt der Gemeinde stehen 22 Anlagen rund um das 112-Seelen-Dorf - doppelt so viele, wie man ursprünglich genehmigen wollte. Doch weder Behörde noch Anwohner konnten sich gegen den Wildwuchs wehren, nachdem der Landkreis 2008 einen entscheidenden Prozess verloren hatte.

Gemeinde verliert vor Gericht

Damals hatte eine Windenergiegesellschaft gegen den Bebauungsplan in der Gemeinde geklagt. Dieser Plan legt fest, wo Windkraftanlagen stehen können und wo nicht. Das Unternehmen gewann das Verfahren, die Beschränkung auf die zugewiesenen Flächen entfiel.Nun musste die Gemeinde mehr Anlagen genehmigen als gewollt - auch da, wo eigentlich keine hin sollten.

Ein Grund dafür ist eine Besonderheit im Baurecht: Windkraftanlagen sind privilegiert, was bedeutet, dass sie genehmigt werden müssen, wenn bestimmte Mindestbedingungen etwa an Geräuschentwicklung und Abstand zur Bebauung eingehalten werden. Es bedeutet auch, dass die Öffentlichkeit vor dem Bau nicht beteiligt wird. Eine Regel, die die FDP im Landtag für antiquiert hält und daher ihre Abschaffung fordert.

„Viele Landkreise erzeugen bereits jetzt ein Vielfaches dessen an erneuerbarer Energie, was sie im Jahr 2050 erzeugen wollten“, sagte FDP-Umweltexperte Gero Hocker. „Menschen leiden massiv unter dieser Entwicklung.“

Das Problem sei nicht der Anblick der Windkraftanlagen, sagt Meyer in Bäntorf. Schwierig seien die Geräusche, der wiederkehrende, schlagende Ton, wenn der Flügel am Mast vorbeiziehe. Und wenn die Sonne tief stehe, dann falle Schlagschatten in die Zimmer. Einige Bäntorfer würden auch unter den Positionslichtern der 200 Meter hohen Windenergieanlagen leiden. „Vor allem nachts, wenn das Licht in die Schlafzimmerfenster fällt“, so Meyer. Einer aus dem Dorf habe gesagt, er fühle sich bei dem roten Geblinke wie in einem billigen Motel.

Für die hannoversche Firma Windwärts, die einige der Masten in Bäntorf aufgebaut hat, sind das beherrschbare Probleme, über die man mit den Bewohnern reden wolle. „Es gibt keine unzumutbaren Belästigungen“, sagt Windwärts-Sprecher Stefan Dietrich.

Diskussion um Sonderstellung

Der grüne Landtagsabgeordnete Volker Bajus will die Sonderstellung für die Windkraftanlagen unter keinen Umständen abschaffen. „Die Privilegierung abzuschaffen hieße, die Windkraft zu beerdigen“, so Bajus. Er räumte ein, dass etwa in Ostfriesland das Soll an Anlagen übererfüllt sei, aber „andere Regionen haben noch Luft, und einige haben sich noch gar nicht auf den Weg gemacht.“

Bauministerin Cornelia Rundt (SPD) lehnt die Abschaffung des Bauprivilegs ebenfalls ab. Dies würde nicht nur dazu führen, dass der Ausbau der Windkraft in Niedersachsen gebremst würde, sondern es würde sogar das Ersetzen alter Anlagen durch neue, leistungsfähigere und leisere Maschinen (Repowering) verhindern. „Es müsste dann mit einem Rückgang der Windenergieerzeugung gerechnet werden“, warnt die Ministerin.

Einen Abschied von den erneuerbaren Energien will Wilhelm Meyer auch nicht. „Wir sind keine Windkraftgegner, bestimmt nicht. Wir heizen mit Holz und haben eine Photovoltaikanlage“, sagt der 53-jährige Polizeibeamte. Vielleicht, meint er, würde schon eine Gegenleistung für mehr Verständnis sorgen. „Warum geben die den Anwohnern nicht 1000 Kilowattstunden pro Jahr umsonst? Damit man das Gefühl hat, man trägt nicht nur die Last für alle anderen, sondern hat auch was davon, dass die Anlagen vor einem stehen.“

Nabu und Greenpeace-Firma streiten um Windanlage in Rinteln

Umweltschutzverband gegen Umweltschutzverband: In Rinteln (Kreis Schaumburg) protestiert der Nabu gegen zwei geplante Windkraftanlagen der Firma Greenpeace Energy. Die Windräder könnten eine Gefahr für ein in der Nähe brütendes Seeadlerpärchen sein, meint der Nabu.

Greenpeace Energy, eine Tochterfirma der Umweltschutzorganisation Greenpeace, hat die beiden einzeln stehenden Anlagen bereits vom Landkreis genehmigt bekommen. Dafür hatte die Firma ein Gutachten anfertigen lassen. Das kam zu dem Ergebnis, dass für die Seeadler durch die Windräder „keine signifikante Erhöhung des Tötungsrisikos“ bestehen würde.

Den stellvertretenden Landeschef des Nabu, Nick Büscher, kann das jedoch nicht überzeugen: Greenpeace habe nur die Sommermonate geprüft, auf eine Winterkartierung des Jagdverhaltens aber verzichtet. Doch genau das Gebiet der Windkraftanlagen sei potenzielles Jagdgebiet für die Adler. Die Stadt Rinteln habe deshalb ebenfalls Protest gegen die Windräder eingelegt.

Die Vorwürfe wies Michael Friedrich von Greenpeace Energy zurück: Man habe insgesamt zwei Jahre untersucht, auch die Wintermonate, und keine erhöhte Gefahr ausmachen können. Nun müsse gebaut werden, meint Friedrich: „Wenn man nicht mal Anlagen bauen kann, die so genau geprüft sind, wie will man dann die Energiewende schaffen?“

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