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Der Norden In die Heide ohne Hindernisse
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00:17 17.08.2015
Martina Klein schiebt Sonja Schade im Rolli durch den Heidegarten, Hilke Feddersen (hinten) und Marianne Draeger (vorne) sorgen bei Frank Schade mit der Joelette für eine angenehme Tour durch die Heide. Quelle: Carolin George
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Schneverdingen

Mit dem Kinderwagen über Stock und Stein, mit dem Rollstuhl über sandige Wege - wer mit Buggy oder Rolli schon einmal in der Natur unterwegs war, weiß, wie mühsam für junge Familien oder Menschen mit Behinderung der Ausflug ins Grüne sein kann. Der Naturpark Lüneburger Heide stellt sich nun darauf ein und präsentiert sich zu Beginn der Heideblüte barrierefrei - zumindest teilweise. Bequem waren die meisten Pfade durch die lila Landschaft bisher nämlich nicht. Daher sind diverse Wege eigens eingeebnet worden.

„Wir arbeiten seit Jahren an unserer Infrastruktur“, sagt Hilke Feddersen, Geschäftsführerin des Naturparks Lüneburger Heide. Er erstreckt sich über mehr als 100.000 Hektar zwischen Buchholz, Soltau, Lüneburg und Schneverdingen. Ziel sei es, auch Menschen einen Besuch in der Lüneburger Heide zu ermöglichen, die nicht ohne Einschränkungen unterwegs sein können.

So gibt es fünf Wege innerhalb des Naturparks, die speziell für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen angelegt worden sind: den Uferwanderweg am Lopausee in Amelinghausen, den Weg an der Seeve in Jesteburg, den Planetenlehrpfad in Handeloh, die Naturwaldzelle im Hambörn in Südergellersen sowie die Rundwege durch das Tal der Haverbeeke bei Niederhaverbeck.

Wem das nicht reicht und wer die „ganz normalen“ Wege der Heide erleben will oder wer eigentlich noch gut zu Fuß ist, aber wackelige kleine Leitern scheut, der kann auf barrierefreien Kutschen mit Lift oder Rampe durch das Naturschutzgebiet zuckeln, Startpunkt ist der Undeloher Hof in Undeloh.

Wer unabhängiger sein möchte bei seiner Tour durch die Heide, kann sich einen Cross-Country-Rollstuhl ausleihen: Das geländegängige Gefährt stammt aus Frankreich und nennt sich Joelette. Zwei Menschen braucht es, um einen dritten bequem über unebene Pfade zu führen. Das Gewicht des Sitzenden liegt auf dem Reifen des Rollis, die beiden Führenden müssen das Gefährt bloß ausbalancieren und ihm eine Richtung geben.

„Damit kommt man auch den Pferdekopf oder den Brunsberg hinauf und durch die Höllenschlucht“, sagt Marianne Draeger, beim Naturpark für das Projekt Joelette verantwortlich. 10 Euro für einen ganzen und 5 Euro für einen halben Tag kostet der Country-Rolli, auszuleihen im Heide-Landhaus Döhle. Zusammengeklappt passt er übrigens ins Auto, und wer ihn an einem anderen Ort wieder abgeben möchte, als er ihn ausgeliehen hat, kann auch das tun: Interessant ist das zum Beispiel für Wanderer und Pilger, die durch die Heide gehen.

„Total klasse“, lautet das Urteil von Rollifahrerin Sonja Schade aus Lüneburg, 51, die am Freitag zum ersten Mal die Joelette ausprobiert hat. „Neulich waren mein Mann und ich in den Herrenhäuser Gärten in Hannover - selbst dort war es mit Rollstuhl und Rollator mitunter schwierig. Unser Sohn sagt immer, er möchte mit uns irgendwo hinfahren. Hier geht das jetzt.“

Auch auf die Bedürfnisse junger Familien hat sich der Naturpark eingestellt. Sandra Groß, 41, ist seit knapp einem Jahr Mutter eines kleinen Sohnes und hat erst mit den ersten eigenen Erfahrungen gemerkt, was es heißt, mit einem Kinderwagen unterwegs zu sein. „Mir ist erst klar geworden, wie eingeschränkt man ist, als ich es selbst war. Das war mir vorher nie bewusst. Sie genießt die Pause im Strandkorb am Heidegarten Schneverdingen, der auch Platz für Kinderwagen oder Rollstuhl bietet.

Er dient als Botschafter für die Barrierefreiheit der Heide. Der Naturpark Lüneburger Heide gehört zu den fünf Orten in Niedersachsen, in denen die Tourismusmarketinggesellschaft Niedersachsen für einen „Urlaub für alle“ wirbt. Barrierefreiheit ist das Thema, und fünf Strandkörbe sollen dafür Symbol stehen. In der Kunsthalle Emden, im Erlebnis-Zoo Hannover, im Erzbergwerk Rammelsberg in Goslar, im phaeno in Wolfsburg und in einem Modehaus in Osnabrück stehen die großen weiß-rot-gestreiften Körbe, die neben einer normalen Sitzbank auch Platz für einen Kinderwagen oder Rollstuhl bieten.

Von Carolin George

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