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Der Norden Beim Shopping bedrängt? Wirbel um Vorfall in Kiel
Nachrichten Der Norden Beim Shopping bedrängt? Wirbel um Vorfall in Kiel
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18:14 26.02.2016
Drei Mädchen sollen in der Nähe des Kieler Hauptbahnhofs im Einkaufszentrum "Sophienhof" belästig worden sein. Quelle: dpa
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Kiel

Mehr als 20 Männer mit Migrationshintergrund sollen in einem Kieler Einkaufszentrum drei Mädchen belästigt und verfolgt haben - gewalttätige Übergriffe oder sexuelle Belästigung habe es nicht gegeben. Der Vorfall habe sich am frühen Donnerstagabend in der Nähe des Hauptbahnhofs im "Sophienhof" ereignet, teilte die Polizei am Freitag mit. Zunächst hätten zwei Männer aus Afghanistan die Mädchen im Alter von 15, 16 und 17 Jahren beobachtet, verfolgt und mit Mobiltelefonen gefilmt und fotografiert. Nach und nach sei die Zahl der Männer, die die Mädchen belästigt haben sollen, auf 20 bis 30 gestiegen.

Fotos und Videos über soziale Netzwerke weitergeleitet?

Zuvor hatten die beiden Afghanen nach Polizeiangaben offenkundig ihre Videos und Fotos weitergeleitet, möglicherweise über soziale Netzwerke. Nach erstem Ermittlungsstand sei es im Gegensatz zu den Silvesterattacken in Hamburg und Köln zu keinen sexuellen Übergriffen, hieß es. Die beiden 19 und 26 Jahre alten Afghanen und zwei weitere Verdächtige wurden vorläufig festgenommen, nachdem sie gegen Polizisten Widerstand geleistet hatten. Zu Nationalitäten der anderen Beteiligten machte die Polizei zunächst keine Angaben. Alle vier vorläufig Festgenommenen sind wieder auf freiem Fuß.

Innenminister Stefan Studt zeigte sich betroffen. Es sei nicht hinnehmbar, an einem öffentlichen Ort so belästigt zu werden, sagte der SPD-Politiker. Sein ganzes Mitgefühl gelte den Mädchen. "Das ist schon wirklich ein wahnsinniger Eingriff, eine wahnsinnige Belastung für die Mädchen, eine wahnsinnige Belastung für die Familien." Der Vorfall müsse mit aller Kraft des Rechtsstaates aufgeklärt werden, sagte Studt. Die Polizei habe gut und richtig reagiert.

"Ich bin froh, dass wir sofort mit entsprechender polizeilicher und psychologischer Hilfe haben helfen können", sagte Studt. Es müsse dabei bleiben, dass die Menschen sich in diesem Land weiter im öffentlichen Raum frei verhalten und frei fühlen können. "Dafür müssen wir als Gesellschaft, dafür müssen wir als Staat, dafür muss unsere Landespolizei Sorge tragen. Da sehe ich meine Verantwortung, an der Stelle dann auch aus den Dingen, aus den Situationen zu lernen." Die Polizei kündigte an, ihre Präsenz am "Sophienhof" zu verstärken.

Beleidigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen gegen Polizisten

In dem Einkaufszentrum und auf dem Weg ins Polizeirevier wehrten sich die Festgenommenen nach Angaben der Polizei vehement gegen die Beamten. Es gab demnach massive Beleidigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen. Die Beamten blieben aber dienstfähig. Die als Haupttäter geltenden beiden Afghanen wohnen in Kiel. Sie waren zunächst in Polizeigewahrsam gekommen. Die anderen beiden Festgenommenen wurden nach Feststellung ihrer Identität wieder entlassen. Bei der medizinischen Untersuchung soll auch der Polizeiarzt bedroht und beleidigt worden sein.

Den Angaben zufolge begannen die Übergriffe auf die Mädchen gegen 17.30 Uhr. Demnach beobachteten die beiden Männer zunächst die Jugendlichen und verfolgten sie. In einem Restaurant sollen sie die Mädchen mit dem Handy fotografiert und gefilmt haben. Nachdem sie die Aufnahmen verbreitet haben sollen, sollen 20 bis 30 weitere Verfolger hinzugekommen sein.

Zwei Mädchen flohen nach Angaben der Polizei aus Angst, schüttelten rund zehn Verfolger ab, kehrten dann aber aus Sorge um ihre Freundin zurück. Die beiden Haupttäter sollen wieder hinzugestoßen sein und ihr Treiben fortgesetzt haben. Passanten alarmierten den Sicherheitsdienst, der die Polizei hinzuzog. Bei ihren Ermittlungen wertet die Polizei auch Video-Aufnahmen aus dem "Sophienhof" und die Handys der Festgenommenen aus.

"Vorfall wird nicht in die Rubrik 'Köln' eingeordnet"

Der Kieler Vorfall sollte nicht in die Rubrik der Übergriffe von Köln oder Hamburg in der Silvesternacht eingeordnet werden, sagte Studt. Dennoch: "Man merkt, auch Schleswig-Holstein ist nicht so weit weg von den Orten, die wir bisher im Blick gehabt haben - diese Dinge passieren auch in Schleswig-Holstein." Darauf müsse angemessen reagiert werden, sagte der Minister in seinem Statement. Studt wollte sich ursprünglich am Ort des Hubschrauber-Absturzes in Bimöhlen ein Bild von der dortigen Lage machen, verzichtete dann aber darauf wegen der mutmaßlichen Übergriffe in Kiel.

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