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Anis Amri lieferte in Hildesheim Pizza aus

Berlin-Attentäter Anis Amri lieferte in Hildesheim Pizza aus

Der Mann vor der Tür, der die Pizza bringt und vielleicht auf ein Trinkgeld hofft – er wird gut ein Jahr später einen Terroranschlag verüben: Berlin-Attentäter Anis Amri hat offenbar im Sommer und Herbst 2015 als Fahrer eines Pizza-Bringdienstes in der Hildesheimer Neustadt gejobbt.

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Am 19. Dezember 2016 steuerte Amri einen Lastwagen in die Menschenmenge auf einem Berliner Weihnachtsmarkt und tötete zwölf Menschen.

Quelle: Omer Messinger/dpa

Hildesheim. Das haben Recherchen der Wochenzeitung „Die Zeit“ ergeben. Ein Mitarbeiter des Schnellimbisses bestätigte auf Nachfrage der HAZ, dass der Tunesier dort gearbeitet hat – allerdings unter anderem Namen. Die Erkenntnisse untermauern die Vermutung, dass Amri enge Kontakte nach Hildesheim, besonders zum inzwischen verbotenen Deutschsprachigen Islamkreis (DIK) und dessen radikalen Prediger Abu Walaa, pflegte. 

Offenbar gab es sich als ägyptischer Student an der Fachhochschule HAWK aus. Und zwar mit der dritten von insgesamt 14 Identitäten, mit denen er sich nach seiner Einreise am 6. Juli 2015 bei verschiedenen Ausländerbehörden in ganz Deutschland meldete. Seine Hildesheimer Kollegen lernten ihn als Mohamed Hassa kennen. „Er sagte, er sei Student aus Ägypten und wolle ein wenig Geld verdienen“, erinnert sich einer von ihnen. „Er hat Essen ausgeliefert, aber auch für den Imbiss eingekauft und hier geputzt.“ Details wisse er aber nicht: „Er war ja nur kurz hier.“

Der Imbiss-Betreiber ist derzeit im Urlaub und nicht erreichbar, gegenüber der „Zeit“ schilderte er Amri als „nicht besonders nett“, zudem sei er eines Tages einfach nicht mehr zur Arbeit gekommen. Am 19. Dezember 2016 steuerte Amri dann einen Lastwagen in die Menschenmenge auf einem Berliner Weihnachtsmarkt und tötete zwölf Menschen.

Amris Anlaufpunkt in Hildesheim war aber wohl schon damals die DIK-Moschee. Offenbar traf sich Amri mehrmals mit Abu Walaa. Der galt bis zu seiner Verhaftung im November als Kopf der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) in Deutschland, soll Anschlagspläne gesteuert haben. Auch den von Anis Amri? Der reiste offenbar vor allem an Wochenenden aus dem Rheinland an, besuchte die Moschee, jobbte ein bisschen - möglicherweise, um sich das Geld für die Fahrten zu verdienen – und fuhr wieder zurück.

Die Bundestagsabgeordnete Irene Mihalic (Grüne) ging kürzlich im Gespräch mit der „Hildesheimer Allgemeinen Zeitung“ davon aus, die Sicherheitsbehörden hätten den kriminellen Amri gewähren lassen, weil er ihnen unwissentlich über einen V-Mann Informationen über Abu Walaas Netzwerk lieferte. Die „Zeit“ zeichnet eher das Bild parallel arbeitender Sicherheitsbehörden von Bund, Berlin und Nordrhein-Westfalen, die sich über Zuständigkeiten nicht einigen konnten.

Von Tarek Abu Ajamieh

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