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Der Norden So schön ist der Mittellandkanal
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00:16 17.03.2016
Kanal im Nebel: Für dieses Foto musste Fotograf Bernd Ellerbrock mehrere Stunden „ansitzen“ – bis das passende Schiff erschien. Quelle: Bernd Ellerbrock
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Hannover

Sein Bau war anfangs umstritten. Ostelbische Agrarier kämpften im Kaiserreich heftig gegen den Kanal, weil sie den Import billiger westlicher Produkte im Osten fürchteten. Doch der Widerstand der sogenannten Kanalrebellen ist Geschichte. Heute ist der Mittellandkanal mit 325,3 Kilometern die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands und zieht sich in West-Ost-Richtung allein 210 Kilometer durch Niedersachsen.

Umfassendes Buch über den Mittellandkanal

Ein umfassendes Buch über den Kanal, der im vorigen Jahrhundert als der „ewig Unvollendete“ galt, gab es bislang nicht. Bis sich der Hannoveraner Bernd Ellerbrock daran machte, den Kanal gründlich zu erkunden - auf dem Rad, auf dem Schiff, im Archiv und in Interviews mit Schiffersleuten, Fabrikbesitzererben, Heimatforschern, Fachleuten der Wasser- und Schifffahrtsdirektion. Herausgekommen ist ein 240 Seiten starkes Werk, das mit aktuellen Fotos, historischen Aufnahmen und alten Karten besticht und Ende April im Verlag der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte (DGEG) zum Preis von 29,80 Euro erscheinen wird.

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Heute ist der Mittellandkanal mit 325,3 Kilometer Länge die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands. Hannoveraner Bernd Ellerbrock hat den Kanal gründlich erkundt - und ein 240 Seiten starkes Werk mit bestechend aktuellen Fotos, historischen Aufnahmen und alten Karten verfasst, das Ende April erscheinen wird.

Ein Jahr lang hat Ellerbrock geforscht und fotografiert, um die über 150 Jahre reichende, wechselvolle Geschichte dieses Bauwerks zu erkunden, die vom wilhelminischen Kaiserreich bis ins Deutschland nach der Wiedervereinigung reicht. Nicht nur seine Vorliebe für Schiffe und Maritimes trieb ihn dabei an. „Ich wollte auch eine echte Informationslücke füllen“, sagt der Autor, dessen Reportage-Bildband über Containerschiffe nicht nur Fachkreise beeindruckte.

Von A wie "Abgaben" bis Z wie "Zwangsarbeit"

Das könnte mit dem Mittellandkanal-Buch auch geschehen, denn Ellerbrock ist mit Akribie vorgegangen, ohne sich aber in Details zu verlieren. Dabei hilft die Gliederung des Buches, die alles Wissenswerte über den Kanal in 81 Stichworten zusammenträgt - von A wie „Abgaben“ bis Z wie „Zwangsarbeit“. Dass er es mit den Abgaben ganz genau nimmt, ist kein Zufall - Ellerbrock arbeitete 16 Jahre lang unter verschiedenen niedersächsischen Finanzministern als Leiter der Haushaltsabteilung. Bis er von der Finanzpolitik die Nase voll hatte.

Zur Person: Bernd Ellerbrock

Bernd Ellerbrock arbeitete dreißig Jahre in der Politik und der öffentlichen Verwaltung, bis er mit Ende 50 sein Talent als Fotograf und Journalist wiederentdeckte. Mit einem Buch über das „Kleine Fest im Großen Garten“ fing der 1955 geborene Finanzfuchs an.

Seine Nachforschungen förderten auch Kurioses zutage, wie den „Eisenbetonkahn“, der Anfang der Zwanzigerjahre entwickelt und gebaut wurde, als der Stahl knapp und den Deutschen viel zu teuer war. Eine auf diese kuriose Art des Schiffbaus versierte Werft in Minden hatte keine große Zukunft, nachdem der erste Kahn aus Stahlbeton schon bei der ersten Reise löchrig wurde.

Historische Fotos der Jahrhundertwerks

Immerhin existieren noch historische Fotos - wie auch von Badeanstalten, Fischzügen oder den unheimlich aufwendigen Arbeiten zum Bau des Jahrhundertwerks, viele von ihnen bislang unveröffentlicht. Ellerbrock ist bei seinen Recherchen jedenfalls zum Fan deutscher Ingenieurskunst geworden - und eines Kanals, der für ihn alles Andere als langweilig ist.

Michael B. Berger

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