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Missbrauchsaffäre: Bistum setzt Ermittler ein

Hildesheim Missbrauchsaffäre: Bistum setzt Ermittler ein

Nach monatelanger Suche hat das Bistum Hildesheim jetzt unabhängige Ermittler gefunden, die zwei Missbrauchsaffären aufklären sollen. Die Vorwürfe belasten das Bistum seit knapp einem Jahr.

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Hildesheimer Dom (Symbolbild): Das Bistum sieht sich seit mehr als einem Jahr mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert.

Quelle: Holger Hollemann/Symbolbild

Hildesheim. Das Münchener Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) soll sowohl den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs gegen den verstorbenen Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen aufarbeiten als auch verschiedene Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen den pensionierten Priester Peter R..

Hildesheims Bischof Norbert Trelle hatte im März dieses Jahres angekündigt, einen Ermittler einzuschalten, um die Affären aufzuhellen, die bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückreichen. Das IPP hat nach Mitteilung des Bistums Erfahrungen in der Begutachtung von Missbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen. So hat es unter anderem Gewalttaten in der Benediktinerabtei Ettal begutachtet und ist jetzt mit den Vorgängen in der inzwischen geschlossenen Odenwaldschule beschäftigt.

Für das Bistum Hildesheim sollen die Mitarbeiter des IPP klären, ob es neben den bekannten Missbrauchsvorwürfen weitere Hinweise auf sexuelle Übergriffe durch die beiden Geistlichen gibt. Darüber hinaus sollen sie bewerten, wie die Entscheidungsträger des Bistums mit den Fällen umgegangen sind und ob es ein institutionelles Versagen gegeben hat, das die mutmaßlichen Missbrauchstaten erleichtert und deren Verfolgung erschwert hat.

Bischof Trelle: "Transparenz ist uns wichtig"

"Transparenz in der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch innerhalb der Kirche ist uns sehr wichtig. Deshalb ist es gut und richtig, die im Raum stehenden Vorwürfe von einer unabhängigen Institution möglichst umfassend beleuchten und würdigen zu lassen", sagte der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle am Dienstag.

Das Bistum sah sich bislang scharfer Kritik von zwei Seiten ausgesetzt. Opferverbände kritisierten das Bistum, die Missbrauchsaffären um den ehemaligen Priester Peter R. unter der Decke halten zu wollen, der noch als pensionierter Pfarrer 2008 gegenüber einer elfjährigen Schülerin aus Hildesheim übergriffig geworden sein soll. Peter R. gilt auch als zentrale Figur in den Missbrauchsaffären des Berliner Canisius-Kollegs. Er war 1982 ins Bistum Hildesheim geholt worden und arbeitete hier bis 2003.

Ergebnisse sollen 2017 vorliegen

Im Fall des früheren Bischof Heinrich Maria Janssen, der von 1957 bis 1982 an der Spitze des Hildesheimer Bistums stand, kritisierten Gläubige das Bistum von anderer Seite. So sei durch die Veröffentlichung der Vorwürfe gegen den früheren Bischof das Ansehen des einst populären Oberhirten besudelt worden. Im vergangenen Jahr hatte sich ein ehemaliger Messdiener beim Bistum gemeldet und erklärt, in den Jahren zwischen 1958 und 1963 mehrmals von dem Bischof missbraucht worden zu sein. Das Bistum hielt die nicht bewiesenen Vorwürfe des Mannes für „plausibel“ und zahlte dem Mann 10 000 Euro als sogenannte Anerkennungsleistung für die erlittene Pein. Das IPP soll nun prüfen, ob die Prüfung und Zahlung der Leistung in Anerkennung des Leids an das mutmaßliche Opfer von Bischof Janssen nach den bestehenden Vorschriften der Deutschen Bischofskonferenz erfolgt ist.

Die Ergebnisse der Untersuchungen sollen voraussichtlich Mitte 2017 vorliegen, erklärte Bistumssprecher Volker Bauerfeld gestern. Das Bistum und das Institut für Praxisforschung und Projektberatung werden diese dann gemeinsam vorstellen und veröffentlichen.

Von Michael B. Berger

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