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Bleibt ICE-Strecke offen für Messegäste?

Geplante Sperrung Bleibt ICE-Strecke offen für Messegäste?

Mit ihrer kurzfristig angekündigten Totalsperrung der ICE-Schnellfahrstrecke Hannover-Kassel während der Hannover Messe hat die Bahn eine Welle der Empörung ausgelöst. Die niedersächsische Landesregierung versucht jetzt, mit dem Konzern einen Kompromiss für die Zeit der Hannover Messe auszuhandeln.

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Ein ICE auf der Strecke Göttingen-Hannover.

Quelle: dpa

Hannover. Wirtschaftsminister Olaf Lies hat Bahn-Chef Rüdiger Grube in einem Telefonat vorgeschlagen, morgens und abends zur Hauptreisezeit die Sanierungsarbeiten an den Schienen für jeweils zwei Stunden zu unterbrechen, um eine reibungslose Anreise zur weltgrößten Industrieschau Hannover Messe (24. bis 29. April) zu ermöglichen. „Herr Grube und der Bahn-Vorstand Herr Kefer haben mir zugesagt, diese Idee zu prüfen“, sagte Lies. Während der Industriemesse kämen etwa 15 000 Besucher aus den südlichen Bundesländern und weitere 10 000 aus dem Ausland mit der Bahn nach Hannover. In seinem Telefonat mit Bahn-Chef Grube hatte Wirtschaftsminister Lies zunächst darauf gedrungen, die Arbeiten an der Schienentrasse um ein paar Wochen zu verschieben. Das habe Grube abgelehnt, weil ansonsten die Bauarbeiten im Pfingstverkehr stattfinden müssten, berichtete Lies.

Auf der wichtigen ICE-Strecke müssen vom 23. April bis 8. Mai wegen Bauarbeiten täglich 160 Züge umgeleitet werden. Die Bahn hatte zwar versprochen, den Messebahnhof Laatzen offen zu halten und 90 Prozent aller Züge auch fahren zu lassen. Genaue Auskünfte über Umleitungsstrecken und entsprechende Fahrzeitverlängerungen konnte sie aber gestern noch nicht geben. „Wir arbeiten noch daran“, teilte ein Sprecher mit.

Viele Unternehmer haben auf die Ankündigung offenbar mit Unverständnis reagiert. „Wir werden mit Mails und Anrufen der Aussteller überschwemmt“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), Volker Müller, am Freitag. Müller, der im Ausstellerbeirat der Messe sitzt, warnte vor einem enormen Imageschaden für den Standort Deutschland und hielt der Bahn eine „dramatische Fehlentscheidung“ vor. „Es ist undenkbar, dass der US-Präsident am fraglichen Wochenende in Hannover ist, und Hannover auf dem Schienenweg nicht mehr vernünftig erreichbar ist“, sagte er. Während die ganze Welt dort zu Gast sei, um dem Aufbruch der Wirtschaft in die digitale Welt von morgen nachzuspüren, setze die Bahn Signale, die an längst vergangene Zeiten erinnerten.

Die Bahn hatte die für Ende April geplanten Bauarbeiten am Donnerstagabend angekündigt. Zwischen Göttingen und Hannover müssen rund 130 000 Tonnen Schotter im Gleisbett ausgetauscht werden. Ursprünglich hatte die Bahn geglaubt, diese Arbeiten erst im Jahr 2019 machen zu müssen, nun sollen sie aus Sicherheitsgründen vorgezogen werden.

Als Umleitung für den Abschnitt Hannover–Göttingen käme die Strecke durch das Leinetal infrage, auf der die Züge dann 25 Minuten länger unterwegs sind als auf der Schnellstrecke. Wird zwischen Kassel und Göttingen gebaut, könnte für den Personenverkehr die zweigleisige Trasse über Eichenberg und Hannoversch Münden Ausweichstrecke sein. Auch hier dauert es dann knapp 30 Minuten länger. Beim Güterverkehr geht dies nach Angaben von Experten nicht. Dieser müsste weite Umwege Richtung Westen fahren – möglicherweise bis Hamm.

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Die Bahn will betroffenen Reisenden zusätzlich zu den gesetzlichen Fahrgastrechten Kulanzregelungen anbieten. Kunden mit ICE- oder IC-Zeitkarte würden angesprochen und erhalten eine Teilerstattung. Besitzer einer Bahncard100 werden gebeten, sich für die Kulanzregelung beim Bahncard-Service zu melden. Erworbene Flex- und Sparpreistickets will das Unternehmen ebenso wie die damit verbundenen Reservierungen erstatten. Für alle bisher gekauften Sparpreistickets wird die Zugbindung aufgehoben; Inhaber können die für sie passende Verbindung dann wählen.

Von Heiko Randermann und Bernd Haase

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Die Streckensperrung auf der Verbindung Hannover–Kassel ist ärgerlich für alle Fahrgäste. Noch ärgerlicher aber ist die Informationspolitik der Bahn. Denn das dicke Ende kommt noch, meint Bernd Haase.

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