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Bodenfelde rückt näher an Hessen heran

Gemeindefusion Bodenfelde rückt näher an Hessen heran

Der Flecken Bodenfelde im Kreis Northeim will enger mit den hessischen Nachbargemeinden zusammenarbeiten. Gedacht ist an eine Fusion über Ländergrenzen hinweg.

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Der Flecken Bodenfelde an der Weser denkt über eine Fusion mit hessischen Nachbargemeinden nach.

Quelle: Photographer: Gerd Wiechers

Bodenfelde. Wo die noch schmale Weser sich idyllisch durch Wiesen schlängelt, verbindet sie Hessen mit einem Zipfel von Niedersachsen. Der Flecken Bodenfelde schmiegt sich ans rechte Ufer. Einschließlich aller Ortsteile leben hier gerade mal 3100 Menschen, und Jahr für Jahr werden es weniger. Die südlich angrenzenden Gemeinden Wahlsburg und Oberweser, die zum Kreis Kassel gehören, sind von vergleichbarer Größe - und stehen vor demselben Problem. ,,Der demografische Wandel trifft das ländliche Nordhessen genauso wie uns in Südniedersachsen", sagt Bodenfeldes Bürgermeister Mirko von Pietrowski (parteilos). Er hat eine Vision, die ihresgleichen sucht: Gemeinsam könnten die drei Gemeinden ihre Attraktivität deutlich erhöhen - durch eine Fusion über die Ländergrenzen hinweg.

Jetzt hat der Bürgermeister, gebürtiger Bodenfelder, viel Rückendeckung erhalten: Einstimmig sprach sich der Rat in dieser Woche dafür aus, die Fusionsidee zu verfolgen. Auf diese Weise könnten vielleicht die Einnahmen erhöht, Leerstand verringert und Leistungsangebote verbessert werden. Üblicherweise winkt zudem eine Fusionsbeihilfe vom Land. Eine solche Prämie ist zwar bisher stets auf kommunale Verschmelzungen innerhalb Niedersachsens beschränkt gewesen, doch in diesem Fall wäre so etwas schwierig: Von der am ehesten in Frage kommenden zehn Kilometer entfernten Stadt Uslar ist Bodenfelde durch das gemeindefreie Waldgebiet Solling getrennt.

Die drei kleinen Wesergemeinden haben schon jetzt eine gemeinsame Postleitzahl, und sie kooperieren in vielen Bereichen seit Langem. Die Feuerwehren löschen grenzübergreifend; Handball, Fußball und Tischtennis wird im Verein zusammen gespielt. Seit 1972 bereits schicken die Bodenfelder ihre Grundschüler hinüber nach Hessen, von dort fahren im Gegenzug die Jugendlichen zur Gesamtschule nach Bodenfelde. Basis ist eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung. Die seit 1990 von Bodenfelde organisierte Wasserversorgung regelt ein Staatsvertrag.

Störende Sprachbarrieren gibt es nicht: Der Dialekt, der weiter südlich in Hessen gesprochen wird, ist auch den Bewohnern des Kreises Kassel fremd. ,,So extrem ist das hier in der Gegend nicht", sagt Ralf Fischer vom Café ,,Ambiente" in Bodenfelde. Der 54-Jährige ist im Ort aufgewachsen und hat dort 2010 das alte Fachwerk-Rathaus mit Blick auf die Weserschleife in Handarbeit restauriert und für Gäste hergerichtet. Seine inzwischen erwachsenen drei Kinder seien in Hessen zur Grundschule gegangen, erzählt der Gastronom. ,,Das lief reibungslos." Den Jüngeren im Dorf würde es wohl nichts ausmachen, wenn die Bodenfelder zu Hessen würden, meint Fischer. Er selbst hänge an Niedersachsen. ,,Ich züchte Hannoveraner", sagt er und lacht. ,,Das kann ich doch schlecht in Hessen machen."

Bei der Ratssitzung zeigten sich die Bewohner der Gemeinde, mit den Ortsteilen Nienover und Wahmbeck, offen für eine Fusion. Noch stecke hinter dem Fusionsvorhaben keine Not, erläuterte Bürgermeister von Pietrowski, die Haushalte seien ausgeglichen. Größter Arbeitgeber in Bodenfelde ist eine Holzkohlefabrik. Auch die beiden hessischen Kommunen, deren Vertreter an der Sitzung teilnahmen, haben offenbar keine Berührungsängste. Astrid Klinkert-Kittel, Landrätin in Northeim, hörte dort ebenfalls zu, will sich aber nicht festlegen. ,,Ich verfolge die Debatte sehr aufmerksam", sagte sie der HAZ. ,,Als Landrätin liegt mir die Situation der Menschen in Bodenfelde am Herzen."

Bürgermeister von Pietrowski hat sich auch an Landes- und Bundespolitiker sowie an die Landesregierung gewandt. Das Innenministerium in Hannover wies auf die ,,besondere Herausforderung der Landesgrenze" hin. Im vergangenen Jahr war bereits kurzzeitig über eine mögliche Fusion des niedersächsischen Wendlands mit dem Altmarkkreis in Sachsen-Anhalt diskutiert worden. ,,Bei einer solchen Fusion müssten die Landesgrenzen geändert werden", sagte ein Sprecher von Innenminister Boris Pistorius dazu.

Welchen Namen die mögliche neue Gemeinde an der Weser erhielte, wo der Verwaltungssitz wäre und ob sie zu Hessen oder zu Niedersachsen gehören soll, das ist alles noch offen. Die Beteiligten haben bei den Vorgesprächen im Übrigen festgestellt, dass es schon in Zeiten der Herzogtümer Braunschweig und Sachsen mit den Grenzen hin und her ging.

,,Wenn inmitten eines zusammenwachsenden Europas allein Gebietshoheiten und vermeintlich unverrückbare Grenzen die Diskussion beherrschen, ist es um die Entwicklungsmöglichkeiten der hier lebenden Menschen schlecht bestellt", schreibt der Bürgermeister in einem offenen Brief. Das letzte Wort, verspricht er, sollen die Bewohner bekommen. Sobald die Pläne spruchreif seien, werde es einen Bürgerentscheid geben.

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Bodenfeldes Bürgermeister Mirko von Pietrowski fördert die Fusion mit den hessischen Nachbarn.

Quelle: Gemeinde Bodenfelde

Von Gabriele Schulte

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