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Der Norden Schafböcke gehen vom Deich in den Kibbuz
Nachrichten Der Norden Schafböcke gehen vom Deich in den Kibbuz
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06:39 03.11.2017
Von Gabriele Schulte
„Frühreif, fruchtbar, frohwüchsig“: Ostfriesische Milchschafe sind besonders.
Oldenburg

Das Ostfriesische Milchschaf, darauf sind die Züchter stolz, ist eine besondere Rasse. Seine speziellen Vorteile fassen sie mit „drei F“ zusammen: frühreif, fruchtbar, frohwüchsig. Davon wollen nun auch Landwirte in Israel profitieren. Sie haben sich aus verschiedenen Regionen Niedersachsens 41 starke Böcke ausgesucht und in ihre Kibbuzim liefern lassen. So etwas habe es seit 50 Jahren nicht gegeben, sagt Klaus Gerdes vom Schafzuchtverband Weser-Ems in Oldenburg. „In den nächsten Jahren sind weitere Importe geplant.“

Per Luftfracht nach Tel Aviv

Der Zuchtleiter erläutert, was es mit den „drei F“ genau auf sich hat: „Frühreif“ sind die Ostfriesen, weil die Jungschafe schon im Alter von sechs bis sieben Monaten ihre Zuchtreife erreicht haben und mit einem Jahr ihre ersten Lämmer zur Welt bringen können. „Fruchtbar“ misst sich an der Lämmerzahl von im Schnitt mehr als zwei im Jahr; Zwillings- und Drillingsgeburten sind häufig. Mit „frohwüchsig“ meinen die Züchter, dass die Tiere schnell zu stattlicher Größe heranwachsen.

Alle Vorteile wollen die israelischen Kunden nutzen, die die Schafböcke bei einer Auktion in Cloppenburg von zwölf Züchtern erstanden haben. Sie haben die Tiere über Frankfurt in mit Stroh eingestreuten Luftfrachtkisten nach Tel Aviv bringen lassen und dort erst einmal für eine Woche in die übliche Quarantäne genommen. Die offenbar recht zahmen Böcke hätten die weite Reise gut überstanden und seien auf Milchbetriebe im Norden des Landes verteilt worden, sagt Haim Leibovich, Zuchtberater der Landwirte in Israel: „Schafmilch wird bei uns zu Joghurt und zu verschiedenen Käsesorten verarbeitet, zum Beispiel nach Feta-Art.“

Schafmilch hier weniger begehrt

In Palästina waren Ostfriesische Milchschafe erstmals vor rund 100 Jahren mit einer noch robusteren einheimischen Rasse zum „Assaf-Schaf“ vereinigt worden. Mit der Neulieferung aus Weser-Ems solle der Genpool nun weiter verbessert werden, sagt Leibovich.

Auch andere Länder zeigten wachsendes Interesse an den niedersächsischen Tieren, berichtet Züchter Gerdes. Erst kürzlich hätten Kunden aus England, Slowenien und den Niederlanden Ostfriesische Milchschafe mit nach Hause genommen. In den Ställen dort würden Milchschafe - wie in Israel - so eingesetzt, wie es ihr Name nahelegt: „Sie werden gemolken.“

Hierzulande dagegen liefere die einzige heimische Milchschafrasse im Wesentlichen Fleisch. In ganz Niedersachsen nämlich fänden Landwirte bisher keine Molkerei, die Schafmilch abnimmt und etwa zum durchaus beliebten Schafskäse verarbeitet. „Das läuft zurzeit bloß über Direktvermarktung in kleinen Hofmolkereien“, bestätigt Christine Licher von der Landesvereinigung Milchwirtschaft in Hannover. Die Schafmilchmengen seien „zu gering, um in den niedersächsischen Molkereien, die zum Großteil über 20 Millionen Liter Kuhmilch im Jahr verarbeiten, dafür wirtschaftlich eine Verarbeitungslinie einzurichten“.

Die Landwirtschaftskammer bemüht sich dennoch, Molkereien von dem Zusatzgeschäft zu überzeugen. Dann könnte das Potenzial des Ostfriesischen Milchschafs auch in seiner eigentlichen Heimat voll ausgeschöpft werden. Interesse der Bauern, sagt Gerdes, gebe es längst.

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