Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Staatsanwältin fordert lange Haftstrafen
Nachrichten Der Norden Staatsanwältin fordert lange Haftstrafen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:14 04.03.2016
Die drei Angeklagten im Landgericht Hannover. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Erst hörten sie Rechtsrock, betranken sich und schimpften über "Scheiß-Asylanten", dann wollten sie ein Flüchtlingsheim brennen sehen: Im Prozess um den Brandanschlag von Salzhemmendorf hat die Staatsanwaltschaft am Freitag lange Freiheitsstrafen für zwei der drei Angeklagten gefordert. Für den 31 Jahre alten Werfer des Molotowcocktails verlangte Staatsanwältin Katharina Sprave am Freitag im Landgericht Hannover eine achtjährige Freiheitsstrafe wegen versuchten Mordes. Sein 25 Jahre alter Kumpel soll als Mittäter für sieben Jahre ins Gefängnis. Für die 24-jährige Frau, die beide Männer zum Tatort fuhr, hält Sprave vier Jahre und zwei Monate Haft wegen Beihilfe zum versuchten Mord für angemessen.

Der von den Männern in der Garage des 31-Jährigen gebaute Brandsatz flog in der Nacht zum 28. August 2015 durch ein geschlossenes Fenster und landete in der Wohnung einer Familie aus Simbabwe. Nur weil der Junge im Zimmer seiner Mutter schlief, wurde niemand verletzt. "Wir haben hier einen gezielten Angriff auf die Wohnung mit den dunkelhäutigen Personen", sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Dies belegten auch die auf der Rückfahrt im Auto gefallenen Sprüche wie "Wenn der Neger brennt, feiere ich richtig". Die Opfer litten psychisch schwer unter den Folgen der Tat.

Von dem Landgericht Hannover hat der Prozess um den Brandanschlag von Salzhemmendorf begonnen.

Die beiden Angeklagten hatten beim Prozessauftakt ein fremdenfeindliches Motiv abgestritten und die Tat darauf zurückgeführt, dass sie sturzbetrunken waren. Die Staatsanwaltschaft sieht dagegen wie der psychiatrische Gutachter zuvor keine erhebliche Einschränkung der Steuerungsfähigkeit. So habe der 25-Jährige, der bei der Freiwilligen Feuerwehr war, noch vor der Tat seinen Pieper geholt, damit seine jüngeren Geschwister nicht aufwachen und später bei den Löscharbeiten geholfen. Der 31-Jährige habe vor dem Haus die Anweisung seines Kumpels befolgt, nicht in das linke Fenster zu zielen, damit es "auch die Richtigen trifft".

In dem rund einstündigen Plädoyer zählte die Staatsanwältin zahlreiche Belege für die rechtsextreme Gesinnung der Männer auf, zum Beispiel Nachrichten aus dem Chat-Room "Garage Hakenkreuz". Bei der 24-Jährigen sei dagegen Fremdenfeindlichkeit nicht als treibendes Motiv festzustellen, sagte Sprave. Allerdings habe die nicht vorbestrafte Mutter von zwei kleinen Kindern den Mordversuch erst ermöglicht, indem sie ihre betrunkenen Freunde zum Tatort fuhr. "Wären Sie nicht gewesen, säßen wir heute nicht hier", sagte die Juristin. Die Plädoyers werden am 14. und 16. März fortgesetzt. Für den 17. März ist die Urteilsverkündung geplant.

dpa/epd

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Es ist früh, sehr früh, für die Spargelernte. Doch in Steimbke im Kreis Nienburg wurde am Freitagmorgen der erste Spargel gestochen. Möglich ist das durch eine besondere Bodenheizung und weitläufige Fliesabdeckungen.

04.03.2016

Für den Missbrauch von 21 Jungen halten die Verteidiger eines Kinderarztes eine Haftstrafe von maximal neun Jahren für angemessen. In dem Prozess vor dem Augsburger Landgericht verlangten die zwei Rechtsanwälte am Freitag, dass gegen den 41-Jährigen, der auch an der MHH tätig war, keine Sicherungsverwahrung verhängt wird.

04.03.2016

Das Bistum Hildesheim will den Missbrauchsvorwurf gegen den früheren Bischof Heinrich Maria Janssen nun umfangreich aufarbeiten lassen - durch einen unabhängigen Ermittler. Dies erklärte Bistumssprecher Volker Bauerfeld am Donnerstag.

Michael B. Berger 07.03.2016
Anzeige