Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Braucht man einen Wolfsanhänger?
Nachrichten Der Norden Braucht man einen Wolfsanhänger?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:45 02.05.2017
Wolfsberater Helge Stummeyer steht am Transportwagen für verletzte Wildtiere in einem Wald bei Vesbeck (Neustadt). Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Der bundesweit erste Wolfsanhänger zum Transport verletzter Tiere ist stabil gebaut. Zur Ausstattung gehören bissfeste Handschuhe, ein Netz, Stabschlingen, ein patentierts Brett mit Fixiergurten und sogar eine Heizdecke.

Das Gefährt wurde von einer Firma in Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Wolfsberater der Region Hannover, Helge Stummeyer, entwickelt. Im Umkreis der Landeshauptstadt lebt noch kein Rudel, nur einzelne Tiere wurden gesichtet. "Aber man kauft ja auch nicht erst das Feuerwehrauto, wenn es brennt" sagt der Jäger, der zu den landesweit etwa 130 ehrenamtlichen Wolfsberatern zählt.

Ende Januar verkündete die Region Hannover stolz die Inbetriebnahme des 10.000 Euro teuren Spezialanhängers. Die Kommunalpolitiker von CDU, SPD und Grüne hatten sich einstimmig für die Anschaffung ausgesprochen. Wo genau der Rettungswagen stationiert ist, verrät Stummeyer nicht. Es ist ein sensibles Thema. "Der Wolf kriegt's nur aufs Fell", sagt er. Viehhalter haben Angst vor Schafs- oder Kälberrissen, die Landes-CDU fordert angesichts der wachsenden Zahl der Rudel eine von Jägern geregelte Obergrenze für Wölfe.

14 Wölfe starben im Straßenverkehr

Doch zurzeit ist der Abschuss der geschützten Raubtiere verboten. Anders als bei Rehen oder Wildschweinen darf kein Jäger oder Polizist ein angefahrenes Tier töten. Zur Unfallstelle muss laut Gesetz erst ein Amtstierarzt kommen, der den Wolf untersucht und entscheidet, ob er schmerzlos erlöst oder gesund gepflegt werden soll.

Vor diesem Hintergrund kam Stummeyer die Idee mit dem Rettungswagen. Der Anhänger aus Aluminium hat Scheinwerfer und eine gelbe Signalleuchte. Das Tier könne damit vom Unfallort in Sicherheit gebracht werden, um über das weitere Vorgehen in Ruhe zu entscheiden, meint der Wolfsberater. Der Wagen könne auch bei Entnahmen, also behördlich angeordneten Tötungen, zum Einsatz kommen - vor einem Jahr wurde ein von Tierschützern Kurti getaufter Rüde auf Anordnung des Umweltministeriums erschossen, weil er zu wenig Scheu vor Menschen zeigte.

Derzeit wartet der neue Wagen noch auf seinen ersten Einsatz. Dabei kann er auch von den Nachbarkreisen Celle, Nienburg und Heidekreis angefordert werden, in denen bereits Rudel leben. Die Zahl der in Niedersachsen verunglückten Tiere ist noch überschaubar. Seit Januar 2015 wurden 14 Wölfe im Straßenverkehr getötet, davon allerdings 4 seit November 2016, zuletzt bei Visbek im Landkreis Vechta.

Kritiker halten die Anfahrtswege für zu lang

Dem Leiter des Wolfcenters Dörverden, Frank Faß, ist ein Fall aus Sachsen bekannt, in dem ein angefahrener Wolf gesund gepflegt wurde. "Es soll auch einen zweiten Fall in Deutschland gegeben haben", sagt der Experte. Über den womöglich sogar weltweit ersten Wolfsanhänger will er sich kein Urteil erlauben. "Ich habe ihn noch nicht gesehen."

Der Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmut Dammann-Tamke, hält dagegen das als Krankenwagen für Wölfe verspottete Gefährt für Unsinn. Zum einen seien die Anfahrtswege zu lang, zum anderen werde er bald schon nicht mehr notwendig sein. "Der strenge artenschutzrechtliche Schutz des Wolfes wird in den nächsten Jahren erheblich relativiert", vermutet der CDU-Landtagsabgeordnete. "Die Wolfspopulation ist nicht mehr darauf angewiesen, dass wir um jedes einzelne Tier kämpfen." Außerdem sei Tierschutz nicht teilbar, meint Dammann-Tamke. Für angefahrene Feldhasen oder Rehe gebe es schließlich auch keine Rettungswagen.

Der für die Wölfe zuständige Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) findet die Initiative von Wolfsberater Stummeyer dagegen nicht schlecht. "Werden Tiere nicht jagdbarer Arten hilflos und fluchtunfähig aufgefunden, besteht eine aus dem Tierschutzrecht abgeleitete Verpflichtung, deren Leiden zu mildern oder zu beenden", sagt Behördensprecher Achim Stolz. "Dabei kann die Vorhaltung einer Transportmöglichkeit für verletzte Wölfe hilfreich sein."

lni

Das Hygienebarometer von Verbraucherschutzminister Christian Meyer stößt bei den Lebensmittelkontrolleuren in den Landkreisen auf Widerstand. „Wir erkennen den Nutzen nicht“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages, Hubert Meyer, der HAZ. Damit droht das Projekt zu scheitern.

Karl Doeleke 05.05.2017

Ein 86-Jähriger aus dem Landkreis Gotha ist nach einem Wendemanöver auf der A7 bei Göttingen rund fünf Kilometer als Geisterfahrer unterwegs gewesen: Erst als der Tank leer war, stoppte der Wagen, teilte die Polizei am Montag mit.

01.05.2017

In Eystrup haben die Freiwilligen der Interessengemeinschaft Industriedenkmal Senffabrik Leman die alte Dampfmaschine der Senffabrik Leman restauriert. Und gleich nebenan können die hochwertigen Senf- und Essigsorten sowie Speiseöle verköstigt werden.

04.05.2017
Anzeige