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Braucht man einen Wolfsanhänger?

Diskussion Braucht man einen Wolfsanhänger?

Seit drei Monaten gibt es den bundesweit ersten Wolfshänger zur Rettung verletzter Tiere. Doch das 10.000 Euro teure Gefährt ist in Niedersachsen noch kein einziges Mal im Einsatz gewesen.

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Wolfsberater Helge Stummeyer steht am Transportwagen für verletzte Wildtiere in einem Wald bei Vesbeck (Neustadt).

Quelle: dpa

Hannover. Der bundesweit erste Wolfsanhänger zum Transport verletzter Tiere ist stabil gebaut. Zur Ausstattung gehören bissfeste Handschuhe, ein Netz, Stabschlingen, ein patentierts Brett mit Fixiergurten und sogar eine Heizdecke.

Das Gefährt wurde von einer Firma in Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Wolfsberater der Region Hannover, Helge Stummeyer, entwickelt. Im Umkreis der Landeshauptstadt lebt noch kein Rudel, nur einzelne Tiere wurden gesichtet. "Aber man kauft ja auch nicht erst das Feuerwehrauto, wenn es brennt" sagt der Jäger, der zu den landesweit etwa 130 ehrenamtlichen Wolfsberatern zählt.

Ende Januar verkündete die Region Hannover stolz die Inbetriebnahme des 10.000 Euro teuren Spezialanhängers. Die Kommunalpolitiker von CDU, SPD und Grüne hatten sich einstimmig für die Anschaffung ausgesprochen. Wo genau der Rettungswagen stationiert ist, verrät Stummeyer nicht. Es ist ein sensibles Thema. "Der Wolf kriegt's nur aufs Fell", sagt er. Viehhalter haben Angst vor Schafs- oder Kälberrissen, die Landes-CDU fordert angesichts der wachsenden Zahl der Rudel eine von Jägern geregelte Obergrenze für Wölfe.

14 Wölfe starben im Straßenverkehr

Doch zurzeit ist der Abschuss der geschützten Raubtiere verboten. Anders als bei Rehen oder Wildschweinen darf kein Jäger oder Polizist ein angefahrenes Tier töten. Zur Unfallstelle muss laut Gesetz erst ein Amtstierarzt kommen, der den Wolf untersucht und entscheidet, ob er schmerzlos erlöst oder gesund gepflegt werden soll.

Vor diesem Hintergrund kam Stummeyer die Idee mit dem Rettungswagen. Der Anhänger aus Aluminium hat Scheinwerfer und eine gelbe Signalleuchte. Das Tier könne damit vom Unfallort in Sicherheit gebracht werden, um über das weitere Vorgehen in Ruhe zu entscheiden, meint der Wolfsberater. Der Wagen könne auch bei Entnahmen, also behördlich angeordneten Tötungen, zum Einsatz kommen - vor einem Jahr wurde ein von Tierschützern Kurti getaufter Rüde auf Anordnung des Umweltministeriums erschossen, weil er zu wenig Scheu vor Menschen zeigte.

Derzeit wartet der neue Wagen noch auf seinen ersten Einsatz. Dabei kann er auch von den Nachbarkreisen Celle, Nienburg und Heidekreis angefordert werden, in denen bereits Rudel leben. Die Zahl der in Niedersachsen verunglückten Tiere ist noch überschaubar. Seit Januar 2015 wurden 14 Wölfe im Straßenverkehr getötet, davon allerdings 4 seit November 2016, zuletzt bei Visbek im Landkreis Vechta.

Kritiker halten die Anfahrtswege für zu lang

Dem Leiter des Wolfcenters Dörverden, Frank Faß, ist ein Fall aus Sachsen bekannt, in dem ein angefahrener Wolf gesund gepflegt wurde. "Es soll auch einen zweiten Fall in Deutschland gegeben haben", sagt der Experte. Über den womöglich sogar weltweit ersten Wolfsanhänger will er sich kein Urteil erlauben. "Ich habe ihn noch nicht gesehen."

Der Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmut Dammann-Tamke, hält dagegen das als Krankenwagen für Wölfe verspottete Gefährt für Unsinn. Zum einen seien die Anfahrtswege zu lang, zum anderen werde er bald schon nicht mehr notwendig sein. "Der strenge artenschutzrechtliche Schutz des Wolfes wird in den nächsten Jahren erheblich relativiert", vermutet der CDU-Landtagsabgeordnete. "Die Wolfspopulation ist nicht mehr darauf angewiesen, dass wir um jedes einzelne Tier kämpfen." Außerdem sei Tierschutz nicht teilbar, meint Dammann-Tamke. Für angefahrene Feldhasen oder Rehe gebe es schließlich auch keine Rettungswagen.

Der für die Wölfe zuständige Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) findet die Initiative von Wolfsberater Stummeyer dagegen nicht schlecht. "Werden Tiere nicht jagdbarer Arten hilflos und fluchtunfähig aufgefunden, besteht eine aus dem Tierschutzrecht abgeleitete Verpflichtung, deren Leiden zu mildern oder zu beenden", sagt Behördensprecher Achim Stolz. "Dabei kann die Vorhaltung einer Transportmöglichkeit für verletzte Wölfe hilfreich sein."

lni

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Niedersachsen in Zahlen
  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 15. Oktober 2017
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
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