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Giftige Hinterlassenschaften im Harz

Chemieabfälle bei Liebenburg Giftige Hinterlassenschaften im Harz

In den Schächten der ehemaligen Grube Morgenstern bei Liebenburg lagern hochgiftige Substanzen. Wie groß das Ausmaß der aus den 60er Jahren stammenden Altlasten ist, bleibt jedoch - trotz einer Vielzahl von Untersuchungen - unklar.

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Quelle: Landkreis Goslar

Goslar/Liebenburg. Wie viel Giftmüll lagert in den Schächten der ehemaligen Grube Morgenstern bei Liebenburg? Seit fünf Jahren versucht eine eigens eingerichtete Projektgruppe beim Landkreis Goslar, genaue Erkenntnisse über das Ausmaß einer der größten Altlasten im Harz zu gewinnen.

Vor zwei Jahren hatte eine Probebohrung ergeben, dass unter dem Gelände eine hochgiftige Schicht auf dem Grundwasser schwimmt. Noch immer aber ist unklar, wie groß das Ausmaß der Schadstoffbelastung ist. Deshalb wollten die Behörden weitere Bohrungen vornehmen lassen, berichtet Landkreissprecher Dirk Lienkamp.

Viele offene Fragen

Der unterirdische Giftcocktail aus Dioxinen, Furanen und anderen Schadstoffen stammt aus den Sechzigerjahren. Anstatt die Giftstoffe fachgerecht zu entsorgen, hatte eine auf dem Gelände ansässige Firma für die Aufbereitung derartiger Abfälle diese damals lediglich gelagert und flüssige Chemikalien tankwagenweise in den Bergwerksschacht gekippt. Auch nachdem das Betreiber-Ehepaar 1968 vermutlich durch Suizid ums Leben gekommen war, kümmerten die Behörden sich nicht weiter um die giftigen Hinterlassenschaften.

In den Neuzigerjahren begann der Landkreis Goslar, regelmäßige Messungen vorzunehmen. Damals seien keine erhöhten Schadstoffwerte festgestellt worden, sagt Verwaltungssprecher Lienkamp. Wie brisant die Altlastenproblematik ist, wurde erst vor einigen Jahren bekannt. Der Landkreis reagierte darauf mit einem Sanierungsprogramm und einer Informationsoffensive. Seitdem lädt die Verwaltung regelmäßig zu Veranstaltungen ein, um die Bürger über den aktuellen Stand auf dem Laufenden zu halten.

Der Landkreis hat bereits eine Vielzahl an Untersuchungen in Auftrag gegeben. Ständig sind auf dem Gelände Arbeiter unter besonderen Arbeitsschutzbedingungen im Einsatz, um Messungen und andere Arbeiten vorzunehmen. Trotz dieser Aktivitäten gibt es immer noch keinen genauen Überblick über die Altlastensituation: Welche Giftstoffe befinden sich in dem Schacht? Wie groß sind die Schadstoffmengen? Wohin fließen sie in den Stollen? Die Behörden hoffen, mit den Tiefenbohrungen mehr Klarheit über die Verhältnisse im Untergrund gewinnen zu können.

Millionenschwere Sanierung

Die Bohrungen sollen rund 500.000 Euro kosten. Wie teuer die Arbeiten auf dem Gelände insgesamt werden, lässt sich noch nicht absehen. Seit Beginn der Maßnahmen mussten die Behörden die Zahlen bereits mehrfach nach oben korrigieren. Aktuell gehe man von 25 Millionen Euro aus, sagt Verwaltungssprecher Lienkamp.

Neben der flüssigen Giftfracht unter Tage gibt es auch noch weitere Rückstände. Die damalige vermeintliche Entsorgungsfirma hatte jede Menge Fässer mit Chemikalien in den Tagebau gekippt. Zwei Jahre nach dem Tod des Betreiberehepaars kam es 1970 in dem Fasslager zu einem Großbrand, der erst Monate später gelöscht werden konnte. Der Krater wurde später mit einer Bodenabdichtung versehen und vom Landkreis Goslar als Hausmülldeponie genutzt.

Diese muss jetzt mit einem Millionenaufwand saniert werden, weil die Gefahr besteht, dass durch Sickerwasser Schadstoffe in das Grundwasser gelangen. Der marode Sickerwasserschacht wurde bereits erneuert, derzeit wird eine neue Drainage gelegt. Bis zum Jahr 2017 soll auch die neue Oberflächenabdichtung fertig sein.

Wie viele Jahre es dauern wird, bis auch das unterirdische Giftmüllproblem beseitigt ist, vermag indes noch niemand zu sagen.

Von Heidi Niemann

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