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Der Norden Anwohner wollen Wölfe aus Dörfern vertreiben
Nachrichten Der Norden Anwohner wollen Wölfe aus Dörfern vertreiben
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00:18 21.05.2018
Anne Friesenborg hat die „Bürgerinitiative für wolfsfreie Dörfer". in der Gemeinde Winsen/Aller mit gegründet. In ihrem Wohnort Bannetze weist ein Schaukasten auf die Sichtungen von Wölfen in den Ortschaften hin. Quelle: Villegas
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Winsen (Aller)

Dorfspaziergang mit Pfefferspray und langem Messer. Anne Friesenborg bewaffnet sich neuerdings am hellichten Tag bei den Runden mit Golden Retriever Emma – zum Schutz vor dem Wolf. In ihrem 300-Einwohner-Dorf Bannetze (Kreis Celle) sind die Raubtiere in diesem Jahr schon mehrmals aufgetaucht, haben sich kleinen Kindern genähert, einen Hund angeknurrt und die Menschen in der Gemeinde Winsen (Aller) gründlich verunsichert. Auch in den Nachbarorten wurden neben Wohnhäusern Wölfe beobachtet, in Winsen trottete ein Exemplar tagsüber am Zaun einer Kita entlang. Friesenborg hat da nicht mehr hilflos zusehen wollen. „Unsere Idylle hier“, sagt sie und zeigt auf Fachwerkhäuser, Holzglockenturm, Eichen- und Kastanienwäldchen: „Unser Lebensraum wird uns genommen, wenn wir dem Wolf keinen Riegel vorschieben.“

Die Naturfotografin hat die „Bürgerinitiative (BI) für wolfsfreie Dörfer“ mit ins Leben gerufen, die kurz nach der Gründung 50 Mitglieder zählt – vor allem in den besonders betroffenen Dörfern Bannetze, Meißendorf und Thören. Die Orte liegen dicht am Truppenübungsplatz Bergen, wo sich seit dem Nachweis des ersten  wieder von Osten eingewanderten Paares im Jahr 2012 mindestens zwei Rudel eingelebt haben. Auch anderswo in der dünn besiedelten Heide fühlen Wölfe sich wohl, jagen Hirsche, Rehe und Schafe und nähern sich Pferdewiesen. Rund um Celle leben sieben bis acht Rudel. Auch bei Uelzen und Lüneburg haben sich Initiativen gebildet, die sich mit der Ausbreitung der unter Naturschutz stehenden Beutegreifer und deren abnehmender Scheu nicht abfinden mögen. 

Landbewohnern eine Stimme geben

Diese anderen Gruppen allerdings hätten besonders ihre wirtschaftlichen Interessen im Blick, meint Hermann Leymers, Mitbegründer der Winsener BI – zum Beispiel als Halter von Schafen oder Damwild oder als Ferienhausvermieter, die das Fernbleiben verängstigter Urlauber fürchten. Leymers ist Ortsbürgermeister in Bannetzes Nachbardorf Thören und hat dort selbst schon Wölfe gesehen. Als Bauer macht auch er sich Sorgen um seine Ammenkühe, als Jäger beobachtet er, dass das Schalenwild scheuer wird.

Der „Bürgerinitiative für wolfsfreie Dörfer“ aber gehe es darum, der um ihre Sicherheit besorgten Landbevölkerung eine Stimme zu geben, sagt der 62-Jährige. Bisher seien die Einzelnen, die sich entsprechend geäußert hätten, im Internet schwer beschimpft und bedroht worden. „Der Wolf ist ein Prestigeobjekt der angeblichen Naturschützer und Städter“, meint Leymers. „Sie wollen uns vorschreiben, wie wir hier zu leben haben.“

„Der Wolf“, wie sie die Rudeltiere insgesamt respektvoll nennen, schränke das Leben erheblich ein, schildern BI-Mitglieder: Schulen verzichteten auf Waldtage, Spaziergänger und Jogger mieden viele Gebiete, Nordic Walker gäben ihr Hobby auf, um nicht als „Vierbeiner“ ins Beuteschema zu passen. Man könne nicht wissen, wann ein Tier, das sich in die Enge gedrängt sieht oder verletzt ist, gefährlich wird. Tischler Wilhelm Redeker, vor Jahren aus Hannover nach Thören gezogen, bedauert vor allem die Kinder: „Draußen Verstecken spielen und im Wald Buden bauen, das ist vorbei.“

Keine „Wolfshasser“

Wolfshasser seien sie nicht, betonen die Dorfbewohner. „Dem Wolf machen wir keinen Vorwurf, er muss fressen“, sagt Friesenborg. Die  Ortschaften aber müssten wolfsfrei werden. Vielleicht könnten Jäger von den Ansitzen rundum aus die Raubtiere mit Gummigeschossen vergrämen. Und wenn es einen Wolf zu nah zu den Menschen ziehe, dürfe auch der Abschuss kein Tabu sein.

Die BI hat sich schon an einem Landvolk-Mahnfeuer gegen die Ausbreitung der Raubtiere beteiligt. Sie baut in der Region Informationsstände auf und wirbt über persönliche und Internet-Kontakte bundesweit und bis in die Schweiz. „Wolfsfreie Dörfer“ wünschten sich Landbewohner nicht nur in der Heide, meint Leymers, der Ortsvorsteher: „Wir wollen, dass sie sich trauen, das offen zu sagen.“

Von Gabriele Schulte

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