Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Bundeswehr räumt nach Tod eines Soldaten Fehler ein
Nachrichten Der Norden Bundeswehr räumt nach Tod eines Soldaten Fehler ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:55 01.09.2017
Quelle: dpa
Anzeige
Munster

Nach dem Tod eines Soldaten bei einem Übungsmarsch im niedersächsischen Munster hat die Bundeswehr Fehler eingeräumt. Mehrere Fehlentscheidungen der Führungskräfte, darunter eine vorschriftswidrige Handlung, hätten zu dem Kollaps von vier Soldaten beigetragen, teilte die Bundeswehr am Donnerstag mit. Einer von ihnen war am 29. Juli - zehn Tage nach dem Fußmarsch - gestorben. Ein zweiter Soldat „befindet sich weiterhin im kritischen Zustand“, heißt es in dem Bericht einer internen Untersuchungsgruppe.

Die vier Soldaten hatten bei dem Marsch einen Hitzschlag erlitten. Zwei weitere Soldaten waren an dem Tag den Angaben zufolge „kurzzeitig nicht ansprechbar“. Eine „eindeutige Ursache“ für diese Häufung könne nicht benannt werden, teilte die Bundeswehr mit. „Vielmehr verdichtet sich das Gesamtbild, dass in jedem Einzelfall eine ungünstige Verkettung von Umständen und Faktoren vorgelegen hat.“ Die Fehler von Führungskräften seien „nicht ursächlich für einen Wärmestau als Ursache für einen Hitzeschlag“ gewesen, hätten sich jedoch „vermutlich nachteilig“ ausgewirkt.

„Vakuum in der Dienstaufsicht“ 

Den Angaben zufolge fehlten am Tag des Marsches durch Urlaub und eine Dienstreise mehrere Führungskräfte. Dadurch sei ein „Vakuum in der Dienstaufsicht“ entstanden. Die Bundeswehr führte mehrere „nicht sachgerechte Führungsentscheidungen“ auf, dazu zählt auch, welche Kleidung die Offiziersanwärter an dem heißen Julitag zu tragen hatten. „Der am Ausbildungstag getragene Anzug mit der Feldjacke über der Splitterschutzweste war an Leistungsstand und Witterung nicht angepasst, jedoch durch die übergeordnete Befehlsgebung vorgegeben“, stellte die Bundeswehr fest. „Das Tragen des Gefechtshelms entsprach nicht dem im Dienstplan befohlenen Anzug und ist damit befehlswidrig“, heißt es in dem Untersuchungsbericht.

Unmittelbar vor dem Kollaps waren die Soldaten noch auf einen Zusatzmarsch geschickt worden, wie es bereits Mitte August in einem Zwischenbericht des Verteidigungsministeriums geheißen hatte. Mehr als 25 Soldaten hätten dabei „eine Strecke von insgesamt ca. sechseinhalb Kilometern, streckenweise im Laufschritt“ absolvieren müssen.

Truppenarzt kümmerte sich um Soldaten

Nach Aussage der Zeugen empfahl der Truppenarzt, der sich um den kollabierten Soldaten gekümmert hatte, dem Zugführer am Mittag telefonisch, die Offiziersanwärter bei dem für den Nachmittag geplanten Marsch ohne Splitterschutzweste marschieren zu lassen.

Der später verstorbene Soldat hatte bei einem „Basis-Fitness-Test“ laut Untersuchungsbericht deutlich schlechter abgeschnitten als der Gruppendurchschnitt. Während des Marsches benutzte er demnach ein Asthmaspray. Der Zugführer habe dies bemerkt und ihn gefragt, ob alles in Ordnung sei und ob er weiter marschieren könne. Dies habe der Soldat mit „Ja“ beantwortet.

Interne Ermittlungen laufen

Abgeschlossen sind die disziplinarischen Ermittlungen in dem Fall noch nicht. In dem Untersuchungsbericht heißt es, „die bestehenden Diskrepanzen und widersprüchlichen Aussagen zwischen internen und externen Ermittlungen sowie Einlassungen Dritter“ müssten noch geklärt werden.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitag), für die gesamte Bundeswehr sei es wichtig, „dass wir die Ursachen genau analysieren und die richtigen Schlussfolgerungen ziehen, um das Risiko einer Wiederholung des tragischen Geschehens in Zukunft zu vermindern“.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Unternehmerehepaar aus Lauenstein bringt sich in Schwierigkeiten – und bekommt keinerlei Ausweg angeboten. Nun stehen Ute B. und ihr Mann vor dem Nichts. Die Schulen häufen sich, gleichzeitig gibt es keine neuen Aufträge. Ihr größter Ärger: Eigentlich wollen sie ja bezahlen, aber das Finanzamt lässt sie nicht. 

31.08.2017

Nur zwei Tage nach der Tat hat eine Frau in Melle ihr gestohlenes Fahrrad entdeckt. Der Dieb war damit in der Kleinstadt unterwegs. Daraufhin entschuldigte sich der 46-Jährige und gab ihr das Fahrrad zurück. 

31.08.2017

In Niedersachsen haben Wölfe bisher mehrer Hundert Schafe, Ziegen und Rinder gerissen. Seit etwa 17 Jahren gibt es wieder wilde Wölfe in Deutschland. Laut dem Bundesamt für Naturschutz leben zurzeit etwa 70 Rudel und Paare sowie mehrere Einzeltiere in freier Wildbahn. 

31.08.2017
Anzeige