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Hengstparaden zeigen die besten Pferde im Land

Celler Hengstparaden Hengstparaden zeigen die besten Pferde im Land

Am Wochenende haben die Celler Pfingstparaden begonnen – während das Landgestüt um seine Zukunft kämpft. Man ächzt unter der Last der auferlegten Sparzwänge. Weil die anderen neun deutschen Landgestüte ähnliche Probleme haben, wollen alle enger zusammenarbeiten.

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Zwischen Imageträger und Kostenfaktor: Das Landgestüt ist eine Institution - seit 1735.

Quelle: Emily Wabitsch/dpa

Celle. Wenn es um Pferde geht, verstehen die meisten Niedersachsen keinen Spaß. Als das Landgestüt Celle im vergangenen Jahr ankündigte, wegen auferlegter Sparzwänge keine Hengstparaden mehr zu veranstalten, gab es einen Aufschrei der Empörung. Agrarminister Christian Meyer (Grüne) beeilte sich, den Fortbestand der Paraden anzuweisen - mit Erfolg: An diesem Wochenende beginnt in Celle die diesjährige Veranstaltungsreihe. Ab Sonnabend konnten die Besucher Hannoveraner, Oldenburger und andere Rassen bei der ersten von vier Hengstparaden bewundern. Das Landgestüt als eine der ältesten Institutionen des Landes sei Niedersachsen etwas wert, betont Meyer. Trotzdem muss das Gestüt wirtschaftlicher werden.

Weil die anderen neun deutschen Landgestüte ähnliche Probleme haben, wollen alle enger zusammenarbeiten. „Wir kaufen zum Beispiel gemeinsam Hengste an, um das Risiko zu minimieren“, sagte der niedersächsische Landesstallmeister Axel Brockmann. Zudem gibt es einen gemeinsamen Internetauftritt.

In Celle stehen seit Jahrhunderten edle Hengste für die Pferdezucht im Norden bereit. Sie sind inzwischen weltweit gefragt. Aber auch die Kosten sind hoch: Auf 7,3 Millionen Euro beliefen sich im vergangenen Jahr die Gesamtausgaben für das Gestüt, davon 3,4 Millionen Euro für Personal. Der Zuschussbedarf des Landes lag bei rund 2,4 Millionen Euro - im Jahr 2006 waren es nur 108 000 Euro. Deshalb mahnte der Landesrechnungshof schon 2014 an, das Gestüt müsse mehr auf die Wirtschaftlichkeit achten.

Seit drei Jahren seien die Ausgaben immerhin nicht weiter explodiert, sagt Brockmann. Hintergrund für die Finanzprobleme sind dem Stallmeister zufolge unter anderem die sinkende Zahl an Pferdezüchtern und damit auch gesunkene Einnahmen durch Besamungen. Hinzu kämen hohe Personal- und Gebäudeerhaltungskosten. „Außerdem tun wir heute mehr für das Tierwohl als früher“, betonte er.

Heute sei ein Landgestüt nicht mehr vollkommen kostendeckend zu betreiben, so Brockmann. „Wir müssen uns die Frage stellen: Wollen wir dieses Kulturgut erhalten?“, sagt er. Immer wichtiger werde die Aufgabe der Bildung und Wissensvermittlung, vor allem an Kinder.

In Celle sind rund 80 wertvolle Deckhengste untergebracht, zudem wachsen in Hunnesrück im Kreis Northeim jeweils 50 ein- und zweijährige Tiere auf. Insgesamt 80 Mitarbeiter und 13 Auszubildende kümmern sich um die edlen Vierbeiner. „Das Pferd ist ein wichtiger Imageträger für das Land und unverzichtbar“, sagte Minister Meyer. Selbst Queen Elizabeth II. ließ vor Kurzem eine ihrer Stuten ins Landgestüt Celle bringen, um sie vom schwarzen Hengst Viscount decken zu lassen.

Um die hannoversche Pferdezucht zu fördern, gründete König Georg II. 1735 das Gestüt. Es ist nach Marbach in Baden-Württemberg das zweitälteste Landgestüt in Deutschland. „Wir haben alle Sparauflagen und jeden Tag Kostendruck“, sagt auch die Marbacher Gestütschefin Astrid von Velsen-Zerweck. Die Gestüte erhoffen sich eine Anerkennung als Unesco-Weltkulturerbe und einen besseren Schutz. In Frankreich seien innerhalb von kurzer Zeit über ein Dutzend staatliche Gestüte abgewickelt worden, sagt von Velsen-Zerweck, die auch Chefin des europäischen Verbandes ESSA ist. „Alle Hengste und ein Großteil der Liegenschaften wurden verkauft.“ Sie warnt davor, auch in Deutschland leichtfertig mit dem Erbe umzugehen. „Wir sind lebendiges Kulturgut. Das kann man nicht durch ein Museum mit ein paar Holzpferden ersetzen.“

Von Christina Sticht und Karl Doeleke

Hengstparaden widmen sich der Geschichte

In Celle stehen die Vorführungen der Hengstparaden an diesem und am kommenden Wochenende (1. und 2. Oktober) erstmals unter einem Motto: „Eine Reise durch die Zeit“. Dabei soll die Geschichte des Landgestüts von seiner Gründung im Jahr 1735 bis heute nachgezeichnet werden. In dem gut dreistündigen Programm sollen Fragen beantwortet werden: Wofür wurde das Landgestüt errichtet, wie sahen die ersten Hengste aus, wie haben sich die Anforderungen an die Tiere verändert? Ein großes Thema soll die Pferdezucht im 20. Jahrhundert sein: Die Entwicklung vom Arbeitspferd zum modernen Reitpferd wird durch die verschiedenen Rassen und ihre Einsatzmöglichkeiten präsentiert. Karten kosten zwischen 14,20 Euro und 39,50 Euro. Es gibt sie an der Tageskasse, im Internet bei Eventim oder unter der Telefonnummer (0 51 41) 92 94 15. Beginn ist jeweils um 13 Uhr, Einlass ab 10 Uhr.

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