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Der Norden Viel Lärm um die Saatkrähen
Nachrichten Der Norden Viel Lärm um die Saatkrähen
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00:17 03.12.2015
Von Karl Doeleke
„Die Natur muss ihren Platz haben, die Menschen auch“: Die Saatkrähen nerven. Quelle: Ulrich Perrey
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Achim

Klaus Barfuß hat in den vergangenen Jahren schon viel gegen die Vögel unternommen. Mit Knallkörpern hat er versucht, die vielen Saatkrähen vor seinem Haus in Achim im Kreis Verden zu vertreiben, er hat die Jagdschreie eines Falken vom Band abgespielt, um die Tiere zu vergrämen. Auch mit einer sogenannten Krähenklappe, die Lärm macht, wenn man zwei Hölzer aufeinanderschlägt, ist er ihnen zu Leibe gerückt und war damit sogar einigermaßen erfolgreich. Zwischenzeitlich hatte er die nervende Saatkrähenkolonie vor seinem Haus in der Achimer Innenstadt stark dezimiert. Die lärmenden Vögel mögen selbst keinen Krach. Die Nachbarn waren ihm dankbar.

Doch Ruhe hat der Rentner immer noch nicht. Denn daraufhin ist der Landkreis Verden vor drei Jahren dazwischen gegangen und hat ihm unter Androhung eines Zwangsgeldes untersagt, die Krähen weiter zu bekämpfen. Das Bundesnaturschutzgesetz verbiete das. Die Vögel stehen unter Artenschutz.

Am Dienstag treffen sich die Parteien nun in Lüneburg wieder. Das Oberverwaltungsgericht soll endgültig entscheiden, ob Klaus Barfuß weiter Lärm machen darf. Eine Klage gegen das Verbot durch den Landkreis blieb vor dem Verwaltungsgericht Stade ohne Erfolg. Eine unzumutbare Belästigung des Rentners durch die Krähen konnten die Richter im vergangenen Jahr nicht feststellen. Also legte Barfuß Berufung in Lüneburg ein. Er will endlich Ruhe.

Barfuß hat nichts gegen Krähen. „Im Gegenteil“, sagt der Mann. Er sei sogar Mitglied im Naturschutzbund Nabu.

18 Kolonien mit vielen Hundert Saatkrähen

Er will sie nur nicht in seinem Wohngebiet. Aber immer, wenn die Saatkrähen im Frühjahr ihre Nester bauen, geht der Krach wieder los. Saatkrähen leben in Kolonien und haben sich Barfuß’ Nachbarschaft als Brutstätte ausgesucht. Allein 18 Kolonien mit vielen Hundert Tieren gibt es in Achim, aber in der Nachbarschaft des Rentners, am Rande eines bewaldeten Gebietes, leben mit 250 Brutpaaren besonders viele - zu viele, findet Barfuß: „Die Natur muss ihren Platz haben, aber die Menschen im Wohngebiet auch.“

Die Krähen krächzen nicht nur fürchterlich, sobald die Sonne aufgeht. Das Oberverwaltungsgericht spricht in einem Terminhinweis auf den Prozess am Dienstag auch von „Verschmutzung durch Vogelkot“. Barfuß und seine Nachbarn können nicht im Garten sitzen, ihre Wäsche aufhängen oder das Auto abstellen. Der ätzende Kot greift den Lack an. Trotzdem will der Landkreis dem Rentner keine Ausnahme von dem Vergrämungsverbot erteilen.

Die Entscheidung liegt nun beim Oberverwaltungsgericht. Barfuß hofft auf „einen guten Kompromiss zwischen Natur und Menschen“. Auf 70 Brutpaare will er mit dem Lärm der Krähenklappe die Kolonie reduzieren. „Die Vögel sollen zurück in die freie Landschaft gehen“, findet der Rentner.

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