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Darum wird dieser Bahnübergang überwacht

Lampen defekt Darum wird dieser Bahnübergang überwacht

Rund 17.000 Bahnübergänge gibt es in Deutschland. 61 Prozent davon sind technisch gesichert - also mit Lampen und/oder Schranken versehen. Seit Monaten bewachen im niedersächsischen Dorf Holtgast Sicherheitsleute einen Bahnübergang mit defektem Licht – ein einsamer Job. 

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Im Ammerland ist ein Licht kaputt. Nun stehen seit mehreren Monaten rund um die Uhr sogenannte Bahnübergangsposten Spalier und sichern einen Bahnübergang im Nirgendwo mit rot-weißen Girlanden. 

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Holtgast. Es ist ein strahlender Herbsttag im Ammerland, der Mais steht kurz vor der Ernte, ein Greifvogel kreist über dem Feldweg. Alles hier sieht nach norddeutschem Idyll aus, doch der Schein trügt: Auf dem Weg mit dem klingenden Namen Hinterm Busch, gleich neben dem Biker-Hotel Zur Schanze, lauert die Gefahr. Züge donnern mit rasender Geschwindigkeit vorbei, tagsüber, nachts, immer wieder. Die Bahnstrecke Oldenburg-Leer kreuzt den Weg - aber die Lichtzeichenanlage am Bahnübergang funktioniert schon seit Monaten nicht mehr. Tiere haben die Kabel angenagt, und weil eine Reparatur nicht ohne Weiteres möglich ist, hat der Bahnübergang in Holtgast, einem Ortsteil von Apen, wieder einen Schrankenwärter.

Rund 17 000 Bahnübergänge gibt es in Deutschland. 61 Prozent davon sind technisch gesichert - also mit Lampen und/oder Schranken versehen. Seit Monaten bewachen im niedersächsischen Holtgast Sicherheitsleute einen Bahnübergang mit defektem Licht – ein einsamer Job. 

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Eine Schranke freilich gibt es nicht, der Übergang ist lediglich mit zwei rot-weißen Girlanden abgesperrt. Wollen Autos passieren, nimmt der „Bahnübergangsposten“, wie er im Fachjargon heißt, die Girlanden ab, lässt die Fahrzeuge durch und hängt anschließend die Girlanden wieder vor. Allzu oft muss er nicht aktiv werden, der Verkehr auf dem Weg hält sich in Grenzen. Im Wesentlichen wird der Übergang nur von wenigen Landwirten passiert. Trotzdem muss er 24 Stunden lang bewacht werden. Der Bahnwärter, der sich den Job mit zwei Kollegen teilt, kommt in einem Wohnwagen unter, an den Gleisen steht ein Dixi-Klo.

Im Halbstundentakt kommen Züge

„Wollt ihr rüber?“, fragt der Mann in Neonorange. Über seinen Job darf er nichts sagen. Im Halbstundentakt kommen die Züge, der „Bahnübergangsposten“ steht dann an der Girlande und schaut zu, wie Regionalexpress, Intercity und Güterwagen vorbeirattern. An einem sonnigen Herbsttag nicht der schlechteste Arbeitsplatz, im Winter kann es schon unangenehmer werden. Oder in der Nacht, wenn man gegen Langeweile und Müdigkeit ankämpfen muss.

Direkt am Naturschutzgebiet

Auf der anderen Seite des Bahnübergangs führt rechtsherum ein sandiger Weg entlang der Schienen zu einem Backsteinhaus mit lindgrünem Anbau. Einige Zeit stand es leer, es gibt kein Namensschild, keine Klingel, die neuen Bewohner renovieren gerade noch. Es ist das frühere Schrankenwärterhaus - bis in die Sechzigerjahre wurde der Verkehr von hier aus geregelt. Damals führte der Weg noch an einer anderen Stelle über die Schiene. Hinter dem Haus beginnt ein Naturschutzgebiet, Fuchs und Hase sagen sich hier Gute Nacht. Viel zu regeln ist da nicht mehr.

Wohnwagen am Übergang

Jetzt aber rollt von der anderen Seite ein Trecker mit Anhänger heran, es ist kurz vor 11 Uhr, schlechtes Timing, bald kommt ein Zug. Der Bahnwärter wartet ihn vorsichtshalber erst ab. Dann: Girlande auf, Girlande zu. „Irgendwie bekommen die das hier nicht in den Griff“, sagt Landwirt Rainer Bruns, nachdem er den Übergang passiert hat. Er bewirtschaftet eine Grünfläche jenseits der Bahnschienen. Seit April seien die Bahnwärter da. Zunächst hätten sie nur vom Auto aus Wache geschoben, seit etwa einem Monat stehe nun der Wohnwagen da, sagt Bruns. Dass es so umständlich am Übergang zugeht, mache ihm eigentlich nichts weiter aus. Aber wenn die Maisernte starte, dann könne das zu einem Problem werden. Und ab Oktober steht dann ja auch die Holzernte an.

"Wir dürfen die Anlage nicht umbauen"

Der Wohnwagen wird dann wohl noch immer da sein. Die Technik am Andreaskreuz sei nicht so einfach zu reparieren, heißt es bei der Bahn. „Da es sich um eine ältere Anlage handelt, dürfen wir sie nicht mehr umbauen“, sagt ein Sprecher. Es muss also etwas Neues her. Und das dauert. Die Kosten, die damit verbunden sind, will Apens Bürgermeister Matthias Huber (SPD) von seinem Etat möglichst fernhalten. Nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz werden die Kommunen an solchen Kosten beteiligt, wie es im benachbarten Detern (Landkreis Leer) erst vor zwei Jahren der Fall war. Der Weg Hinterm Busch ist allerdings nicht dem öffentlichen Verkehr gewidmet - ein Rettungsanker für Huber. „Wir wollen überhaupt nicht auf die Bahn schimpfen, aber wir werden als Gemeinde versuchen, nicht an den Kosten beteiligt zu werden.“

Bis geklärt ist, wie es weitergeht, was das alles kostet und wer zahlt, dürfte im Ammerland noch einige Zeit vergehen. Zwei bis drei Jahre dauere ein solches Verfahren, aber das will auch die Bahn nicht. Man werde versuchen, es zu verkürzen, sagt der Sprecher. Alle sollen dafür an einem Strang ziehen. Bis es so weit ist, muss die Girlande weiter herhalten - und der Bahnwärter im Nirgendwo.

Von Celia Borm

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