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Wo Max und Moritz wohnten

Buch ist 150 Jahre alt Wo Max und Moritz wohnten

Vor 150 Jahren erschien Wilhelm Buschs Klassiker "Max und Moritz". Inspiration fand der Autor in der historischen Mühle in Ebergötzen. Dort hatte er fünf prägende Jahre in seiner Kindheit erlebt.

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Heute Museum: Die Mühle in Ebergötzen.

Ebergötzen. „Ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen!“ - so beginnt eines der bekanntesten Bücher der Welt. Vor 150 Jahren, im Oktober 1865, erschienen im Münchner Verlag Braun & Wagner die Geschichten über die Streiche von „Max und Moritz“. Ihr Ursprung liegt in Ebergötzen, einem Dorf im Landkreis Göttingen. Hier verbrachte Wilhelm Busch, der Schöpfer der bösen Buben, die fünf prägendsten Jahre seiner Kindheit. Gleich am ersten Tag fand er in dem gleichaltrigen Müllerssohn Erich Bachmann einen Freund fürs Leben. Ihr einstiger Abenteuerspielplatz, die Ebergötzer Herrenmühle, ist heute ein Museum. 20.000 Besucher aus aller Welt kommen jährlich hierher, um sich den Schauplatz anzusehen, der Wilhelm Busch zu den Geschichten inspiriert hat.

Die Mühle ist der Ort, an dem die Geschichte von „Max und Moritz“ ihr grausames Ende nimmt: Meister Müller stopft die bösen Jungs kopfüber in den Getreide­trichter und lässt sie zu Schrot zermahlen.

Die Mühle funktioniert auch heute noch. Als Museumsleiterin Marianne Tillmanns das tonnenschwere Mahlwerk in Bewegung setzt, ertönt das „Rickeracke! Rickeracke!“, das Wilhelm Busch so trefflich beschrieben hat.

Das Rattern der Mühle ist der Höhepunkt der Führung durch das 300 Jahre alte Fachwerk-Denkmal. Dass die Mühle heute noch existiert, ist dem Engagement einiger Bürger zu verdanken. 1972 hatte der Ortsrat den Abriss des heruntergekommenen Gebäudes beschlossen. Die Wilhelm-Busch-Fans gründeten einen Förderverein, der die Mühle übernahm und Schritt für Schritt restaurierte. 1976 wurde das Museum eröffnet.

Wilhelm Busch war 1841 im Alter von neun Jahren zu seinem Onkel Georg Kleine nach Ebergötzen gezogen. Der Pastor sollte dem Jungen zu einer guten Schulbildung verhelfen. „Ein Gymnasium war zu teuer“, erklärt Marianne Tillmann. Nach dem gemeinsamen Privatunterricht beim Pastor durchstreiften Wilhelm Busch und sein Freund Erich Bachmann die Natur oder spielten in der Mühle. Vieles von dem, was sie damals erlebten und anstellten, ist in die Geschichten von „Max und Moritz“ eingeflossen, zum Beispiel diese Episode aus Buschs Erinnerungen: „Wir gingen ins Dorf hinaus, um zu baden. Wir machten eine Mudde aus Erde und Wasser (…), überkleisterten uns damit von oben bis unten, legten uns in die Sonne, bis wir verkrustet waren wie Pasteten.“ Sofort kommen einem die Bilder von den völlig zugekleisterten Buben in den Sinn, nachdem diese in den Brezelteig gefallen waren.

Wilhelm Busch ist auch später immer wieder nach Ebergötzen gekommen, um seinen Freund Erich Bachmann zu besuchen, der inzwischen die Mühle übernommen hatte. In dessen Arbeitszimmer, in dem noch die Möbel von damals und sogar eine Flasche Wein auf dem Tisch stehen, verbrachten sie „grausam gemütliche Abende“, wie Wilhelm Busch schrieb. Neben dem Zimmer befindet sich die kleine Kammer, in der Busch übernachtete. „Da schlief sich’s gut. Das Bett wackelt noch wie früher beim Getriebe der Räder, und das herabstürzende Wasser rauschte durch meine Träume“, schrieb er 1875 nach einem seiner 40 Besuche in der alten Mühle.

Auch andere Motive aus „Max und Moritz“ sind noch in Ebergötzen zu finden. Die Holzbrücke über dem Bach erinnert an den Steg, den Max und Moritz ansägen, um Schneider Böck ins Wasser plumpsen zu lassen. Auch für Witwe Bolte gab es ein reales Vorbild, sie wohnte gleich nebenan. Heute ist „Max und Moritz“ das meist übersetzte Kinderbuch der Welt.

Von Heidi Niemann

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