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Schmerzensgeld nach Prothesen-Pfusch?

Klinikum Leer Schmerzensgeld nach Prothesen-Pfusch?

Das Klinikum Leer hat etlichen Patienten schadhafte Bandscheibenprothesen eines britischen Herstellers eingesetzt. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob sie Ermittlungen gegen die Klinkt einleitet. Die Betroffenen bemühen sich um Schmerzensgeld.

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Bei 80 Patienten des Klinikums Leer wird noch geprüft, ob sie jetzt erneut unters Messer müssen.Foto: Klinikum Leer

Hannover. Das Klinikum Leer hat etlichen Patienten schadhafte Bandscheibenprothesen eingesetzt, die im Körper „wanderten“ - diese Nachricht beschäftigte am Donnerstag verunsicherte Patienten, die Krankenkassen und das Sozialministerium. „Uns ist wichtig, dass die betroffenen Patienten mit fehlerhaften Implantaten von ihren Kliniken schnell informiert und untersucht werden“, sagte ein Ministeriumssprecher in Hannover. Wenn es medizinisch geboten sei, müssten diese Bandscheibenprothesen gegen fehlerfreie Exemplare ausgetauscht werden.

Haben Patienten auch außerhalb Ostfrieslands defekte Prothesen erhalten? „Bisher sind sogenannte Vorkommnismeldungen bei uns nur aus Leer eingegangen“, sagte der Sprecher. Dort waren von 2010 bis 2014 schadhafte Ersatzbandscheiben des britischen Herstellers Ranier eingesetzt worden, die nicht anwuchsen, sondern sich frei im Körper bewegten. Bereits 20 Patienten mussten deshalb ein zweites Mal operiert werden, bei rund 80 anderen wird vorsorglich geprüft, ob sie erneut unters Messer müssen. Das Implantieren einer Bandscheibenprothese kostet nach Angaben der Ersatzkassen zwischen 7100 und 10 300 Euro. In der Regel ist eine anschließende Reha-Behandlung nötig.

Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen

Ein Sprecher des Klinikums Leer wies darauf hin, einem Teil der angeschriebenen Patienten sei lediglich empfohlen worden, die Implantate häufiger kontrollieren zu lassen - ihre Prothesen stammten nicht aus der offensichtlich schadhaften Charge des Unternehmens. Da es frühzeitig eine Sicherheitswarnung des Herstellers gegeben haben soll, prüft die Staatsanwaltschaft Aurich, ob sie Ermittlungen gegen die Klinik einleitet. Betroffene bemühen sich unterdessen um Schmerzensgeld - zum Teil über einen Rechtsanwalt, zum Teil über ihre Krankenkasse. Der Hersteller ist inzwischen insolvent, ob er versichert war, ist noch unklar. „Wir setzen uns schon länger für eine Pflichthaftpflicht für Hersteller von Medizinprodukten ein“, sagte Hanno Kummer vom Verband der Ersatzkassen in Hannover.

Die AOK forderte strengere Prüfungen für Medizinprodukte. „Die Patientensicherheit wird in diesem Bereich zu häufig auf die leichte Schulter genommen“, sagte Sprecher Carsten Sievers in Hannover. Für den Einsatz von Implantaten seien keine klinischen Vorstudien vorgeschrieben, ein Nutzen für Patienten müsse nicht nachgewiesen werden. „Das CE-Siegel sagt lediglich aus, dass das Produkt keine Schadstoffe absondert.“ Auf EU-Ebene werde in zwei Wochen über eine neue Richtlinie beraten. „Da kann der Patientenschutz deutlich verbessert werden“, meinte Sievers.

MHH benutzte Prothesen nicht

2010 war in Frankreich ein Skandal um defekte Brustimplantate öffentlich geworden, der Tausende Frauen betraf. Auch bei den Bandscheibenprothesen sei zu befürchten, dass der Fall weite Kreise ziehe, sagte Sievers. Der AOK-Bundesverband habe den Hersteller angeschrieben und um Lieferlisten gebeten. Patienten könnten auch in ihrem Implantate-Ausweis nachsehen, ob ihre Prothesen von Ranier stammen, und sich an ihr Krankenhaus wenden.

Patienten der Medizinischen Hochschule Hannover können aufatmen. „Wir hatten mit diesem Hersteller nie zu tun“, sagte ein Sprecher des Annastifts, der Orthopädischen Lehrklinik der MHH.

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