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Der Norden Land erlaubt Tablets bei Klassenarbeiten
Nachrichten Der Norden Land erlaubt Tablets bei Klassenarbeiten
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00:15 05.05.2017
Von Saskia Döhner
Schüler mit Tablets im Unterricht. Quelle: Arne Dedert
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Hannover

Als erstes Bundesland will Niedersachsen Schülern den Einsatz von Tablet-Computern bei Klassenarbeiten oder Abiturprüfungen erlauben. Dies sieht ein Erlass des Landes vor, der vom kommenden Schuljahr an gelten soll. Während Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) Niedersachsen damit in einer Vorreiterrolle bei der digitalen Bildung sieht, kommt Kritik von der Opposition und Bildungsverbänden.

Eltern müssen jedoch zunächst nicht damit rechnen, dass sie teure Geräte zu kaufen haben. Der Erlass soll für Klassen gelten, die bereits jetzt mit Tablets oder Smartphones im Unterricht lernen. „Dies ist eine Möglichkeit – keine Verpflichtung“, betonte ein Sprecher des Kultusministeriums am Dienstag. Die Tablets sollen grafikfähige Taschenrechner, das Wörterbuch oder die Formelsammlung in der Physik ersetzen. Nach Auskunft des Landes nutzt schon jetzt etwa jede dritte der 3000 Schulen digitale Medien im Unterricht.

Um gleiche Voraussetzungen bei den Prüfungen zu schaffen, müssten vergleichbare Geräte eingesetzt werden, hieß es im Ministerium weiter. Dazu müssten die Schulen genaue Vorgaben machen – so wie auch jetzt schon vorgeschrieben wird, welcher Taschenrechner von den Eltern in Klasse 7 gekauft werden muss. Die Geräte sollen sich in das WLAN an der Schulen einwählen. Eine zusätzliche Software auf den Tablets, die nur von den Lehrern aufgespielt und wieder deaktiviert werden kann, soll einen unbegrenzten Zugriff auf das Internet verhindern und so Schummelversuche der Schüler unterbinden. Zudem hätten die Schüler auch keinen Zugriff auf Dateien, die sie womöglich bereits zuvor auf das Tablet geladen hätten, hieß es.

Bei der Opposition und den Bildungsverbänden überwiegt die Skepsis. „Mir ist das zu viel Projekt und zu wenig Stringenz“, sagte Stefan Bredehöft, Vorsitzender des Landeselternrates. Es sei gut, dass neue Medien Einzug in Schulen hielten, aber er sehe Probleme in der Umsetzung. Die technischen Voraussetzungen an den Schulen seien unterschiedlich, und am Ende müssten die Kosten für die Geräte doch von den Eltern getragen werden.

Laura Pooth von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte vor Ungerechtigkeit bei ärmeren Familien, die sich solche Geräte nicht leisten könnten. Falls ein Tablet-Computer eines Schülers plötzlich defekt sei, sollten die Schulen Ersatzgeräte vorhalten. „Solange die Schulen nicht einmal flächendeckend mit WLAN ausgestattet sind, werte ich derartige Vorschläge als reine PR der Kultusministerin“, betonte Björn Försterling von der FDP. Die Lehrerverbände forderten Fortbildungen für Pädagogen. Es müsse sichergestellt sein, dass die Software keine Schülerdaten sammle, sagte GEW-Chef Eberhard Brandt. Horst Audritz vom Philologenverband warnte vor Technikgläubigkeit: „Eine Prüfung wird mit Tablets nicht besser.“     

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