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"Das Luftfahrtbundesamt ist völlig unterbesetzt"

Ein Jahr nach dem Germanwings-Absturz "Das Luftfahrtbundesamt ist völlig unterbesetzt"

Ein Jahr nach dem Germanwings-Absturz lassen Reformen beim Luftfahrtbundesamt in Braunschweig auf sich warten. Der Co-Pilot des Flugs 4U9525, der die Maschine gegen eine Bergwand gesteuert hatte, war psychisch krank und damit fluguntauglich. Das Luftfahrtbundesamt als Aufsichtsbehörde wusste nichts davon. 

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Das Luftfahrtbundesamt mit 650 Mitarbeitern hat seinen Hauptsitz in Braunschweig.

Quelle: dpa

Braunschweig. Ruhig, geradlinig, vielleicht etwas unscheinbar, aber letzlich effektiv und gründlich: 60 Jahre lang war das Luftfahrtbundesamt (LBA) in Braunschweig der Prototyp einer bundesdeutschen Behörde, zuständig für die Sicherheit im Flugverkehr. Doch nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in den Alpen vor einem Jahr geriet das Amt in schwere Turbulenzen – und tut sich immer noch schwer, wieder in ruhigere Bahnen zu kommen.

"Personell völlig unterbesetzt"

150 Menschen waren ums Leben gekommen, nachdem der Co-Pilot des Flugs 4U9525 die Maschine gegen eine Bergwand gesteuert hatte. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der 27-Jährige psychisch krank und damit fluguntauglich war. Sein Arbeitgeber und auch das Luftfahrtbundesamt als Aufsichtsbehörde wussten nichts davon. „Das Luftfahrtbundesamt ist personell völlig unterbesetzt und hat viel zu wenig Ärzte“, kritisiert Uwe Beiderwellen, Vize-Präsident des Deutschen Fliegerärzteverbands. „Die wenigen Flugärzte des Amts sind überhaupt nicht in der Lage, die zahlreichen Tauglichkeitsuntersuchungen der Berufspiloten nachzuprüfen.“

Auch der Flugverkehrsexperte der Grünen im Bundestag, Stephan Kühn, hält es für fraglich, ob das Luftfahrtbundesamt inzwischen besser aufgestellt ist. „Es gibt Beispiele, die lassen mich daran zweifeln“, sagt der Abgeordnete der HAZ. So habe sich etwa im Rahmen von parlamentarischen Anfragen herausgestellt, dass das Amt die Zahl der Tauglichkeitsbescheinigungen von Piloten nicht elektronisch erfasst, sondern nur in Papierform. „Das klingt mir nicht nach einer modern aufgestellten Behörde“, so Kühn. Er sieht Reformbedarf: „Es wäre nicht angemessen, wenn das Luftfahrtbundesamt in allen Belangen so weiterarbeitet wie bisher.“

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eine Taskforce eingerichtet, die unter anderem die Tauglichkeitsüberprüfungen unter die Lupe nehmen sollte. Diese hatte Ende vergangenen Jahres ihren Abschlussbericht vorgelegt, in dem sie unter anderem mehr Transparenz einfordert. Um die Flugtauglichkeit eines Piloten sicher feststellen zu können, sei für Ärzte, Psychiater und das LBA „die Kenntnis aller Dokumente zur vollständigen Untersuchungshistorie erforderlich und muss im Bedarfsfall schnellstmöglich zugänglich sein“, heißt es dort.

Zuständig für 21.225 Flugzeuge

1954 gegründet, ist das Luftfahrtbundesamt (LBA) mit seinen 650 Mitarbeitern in der Zentrale und sechs Außenstellen, ein Monument der Entschleunigung in der hektischer werdenden Welt der Luftfahrt: Seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass Kosten- und Zeitdruck nicht zulasten der Sicherheit bei Mensch und Maschine geht.

21.225 Luftfahrzeuge, wie es offiziell heißt, sind in Deutschland registriert und werden durch das LBA überwacht – vom kleinen Ultraleichtflugzeug bis zum Airbus A380. Die meisten davon sind Sportmaschinen, zur Klasse der Passagierflugzeuge über 20 Tonnen gehören 774 Maschinen. „Wir gehören in Europa zu den Nationen mit der größten Flugzeugflotte“, sagte eine Sprecherin des LBA.

Bei technischen Mängeln kann das LBA auch ausländischen Flugzeugen auf deutschen Flughäfen die Flugerlaubnis entziehen. Nach Angaben einer Sprecherin bündelt die Behörde insgesamt 100 verschiedene Genehmigungs- und Aufsichtsfunktionen. Die Wahl des Standorts Braunschweig erfolgte mit Blick auf die Luftfahrttradition der Löwenstadt. Gleichzeitig wurde die Bundesbehörde aber auch ganz bewusst in das damalige Zonenrandgebiet gesetzt.

Ein Plädoyer für mehr Durchgriffsrechte für das angeschlagene Amt. Doch ob diese Empfehlungen auch umgesetzt werden, wird sich noch zeigen müssen. Das zuständige Verkehrsministerium will sich jedenfalls noch nicht festlegen: Es sei das Ziel, zu den jetzigen Verfahren Alternativen zu entwickeln, ohne Datenschutz und Schweigepflicht aufzuweichen, sagte ein Sprecher der HAZ. Dazu habe man eine Arbeitsgruppe eingerichtet – und die habe ihre Arbeit noch nicht beendet.

An anderer Stelle passiert allerdings schon etwas: Das Personal des Luftfahrtbundesamts wird um 200 Stellen und damit um ungefähr ein Drittel aufgestockt. Hauptsächlich Ingenieure, Piloten und Verwaltungskräfte sollen eingestellt werden.

Doch die Kritiker hat das bislang nicht verstummen lassen. Zu politischen Entscheidungen will sich die Behörde zudem nicht äußern. Damit habe sie auch recht, meint der Bundestagsabgeordnete Kühn: Man dürfe nicht aus dem Blick verlieren, dass die politische Verantwortung beim Verkehrsministerium liege. „Über Jahre hat die politische Leitung die Probleme nicht in Angriff genommen. Verkehrsminister Dobrindt hat nichts unternommen“, so Kühn.

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