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Mit den Deichen wachsen auch die Kosten

Niedersachsens Küste Mit den Deichen wachsen auch die Kosten

610 Kilometer lang sind die Hauptdeiche an der Küste Niedersachsen. Ohne sie wäre das Land 14 Prozent kleiner. Vor Beginn der Herbststürme wird jetzt wieder überprüft, wo etwas repariert und verstärkt werden muss – die Arbeit endet nie.

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Wellen schlagen an den Deich in Norddeich.

Quelle: Matthias Balk/dpa

Varel. Mit dem Schimmel über den Deich reiten und die Wellen am Ufer beobachten: Deichgrafen müssen mobil sein, um die langgezogenen Schutzbauten an der Küste zu kontrollieren. Doch anders als beim legendären Hauke Haien in Theodor Storms Novelle "Der Schimmelreiter" kommen Pferde inzwischen nicht mehr zum Einsatz. Heutzutage machen sich Spezialisten an der Küste zu Fuß oder mit dem Auto auf den Weg, um die Deichsicherheit zu prüfen.

Deichschau heißt das Spektakel, wenn in jedem Frühling und Herbst die Kontrolleure zwischen Ems und Elbe ausschwärmen. "Die Deiche sind sicher", heißt es meist zum Abschluss der Bereisung. Doch die Arbeit endet nie, es gibt immer wieder neue und teure Großbaustellen.

Gänsetrupps fliegen früh am Morgen über die Felder, als sich die kleine Autokolonne zwischen Varel und Dangast im Kreis Friesland in Bewegung setzt. Burchard Wulff vom II. Oldenburgischen Deichband führt die Gruppe zum Wapeler Siel. An diesem Schöpfwerk mündet der kleine Fluss Jade in den großen Jadebusen, im Hinterland kam es dort früher immer wieder zu Überschwemmungen. Nun muss der Deich erhöht und das Bauwerk verstärkt werden, um die schwerere Last zu tragen. "Fünf Jahre Baustelle und jährlich fünf Millionen Euro Kosten – das wird eine anspruchsvolle Aufgabe", sagt Wulff.

Vor Jahrhunderten mussten sich die Anlieger noch selbst um den Deichbau an der See und an den großen Flüssen kümmern. "Wer nicht will deichen, der muss weichen", hieß es damals. Heute geht das einfacher, aber es kostet. Anwohner im Wirkungsbereich eines Deiches müssen besondere Abgaben zahlen, die Arbeit machen andere.

22 Deichverbände sind für die Pflege und Unterhaltung der Küstenschutz-Deiche zuständig, für den Hochwasserschutz im Hinterland von der Ems bis zur Elbe, Leine, Aller und Weser arbeiten 23 weitere Verbände. An ihrer Spitze stehen Vorsteher, die sich auch Deichrichter, Deichhauptmann, Deichgraf oder Schultheiß nennen. Um Deicherhöhungen und um den Küstenschutz auf den ostfriesischen Inseln kümmert sich der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

"Sechs bis acht Baustellen von der Hunte bis zur Nordsee haben wir derzeit", sagt Deichbandvorsteher Wulff, "wenn wir einen Deich richtig anfassen, dann soll das auch 30 Jahre halten." Denn Deichbau ist teuer. "Die Kosten sind so hoch wie beim Autobahnbau", sagt Wulff.

62 Millionen Euro hat das Land Niedersachsen in diesem Jahr für den Küstenschutz im Etat. Seit 1955 wurden umgerechnet mehr als zwei Milliarden Euro investiert. Wohin werden die Kosten noch treiben, wenn der Meeresspiegel auch an der Nordsee ansteigt und mehr Sturmfluten auf die Küste treffen? Das Thema ist unter Experten umstritten, die Meinungen gehen auseinander.

"Die Folgen des Klimawandels werden spürbar, aber wir wissen derzeit nicht, in welchem Ausmaß", sagt Herma Heyken vom Landesbetrieb NLWKN. Ungewöhnlich häufige Sturmfluten oder ein Anstieg des Meeresspiegels seien jedenfalls am Pegel Norderney bislang nicht erkennbar. Vorsichtshalber gilt jedoch schon jetzt ein "Klimazuschlag" von 50 Zentimetern für höhere Deiche. Die höchsten Schutzwälle sind bereits neun Meter hoch. Heyken: "Bei Bedarf können wir aber jederzeit noch was draufsetzen."

Von Hans-Christian Wöste, dpa

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