Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Der „Buchhalter von Auschwitz“ muss vor Gericht
Nachrichten Der Norden Der „Buchhalter von Auschwitz“ muss vor Gericht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 18.12.2014
Von Thorsten Fuchs
Quelle: Symbolbild
Anzeige
Lüneburg/Hannover.

70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs kommt es zu einem neuen Auschwitzprozess in Deutschland. Das Landgericht Lüneburg hat am Montag die Anklage gegen einen früheren SS-Angehörigen aus der Lüneburger Heide zugelassen. Die Staatsanwaltschaft Hannover wirft dem 93-jährigen Oskar Gröning Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen vor. Der Prozess soll im Frühjahr 2015 beginnen. Insgesamt 49 Nebenkläger haben sich dem Verfahren angeschlossen.

Die Akte Gröning gehört zu den schwierigen Fällen: Er selbst hält sich im juristischen Sinne für unschuldig, wie er zuletzt im Gespräch mit der HAZ im vergangenen Jahr erklärte. Niemals, beteuerte Gröning, habe er einen Häftling auch nur geschlagen. Nach dem Krieg sagte er in mehreren Auschwitzprozessen als Zeuge aus und widersprach Holocaust-Leugnern. Er hat selbst öffentlich über seine eigene Zeit in Auschwitz berichtet, unter anderem 2005 in einem mehrstündigen Gespräch mit der BBC.

Unstrittig ist aber auch, dass Gröning an zentraler Stelle im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau eingesetzt war. Als freiwilliger SS-Mann in der Gefangenen­eigentumsverwaltung hat er an der Rampe in Auschwitz den jüdischen Häftlingen das Geld abgenommen und ihr Gepäck fortschaffen lassen. Gröning wird deshalb auch als „Buchhalter von Au­schwitz“ bezeichnet.

Angeklagt ist Gröning nun allein wegen seiner Verwicklung in die sogenannte „Ungarn-Aktion“, bei der 1944 binnen weniger Monate ein Großteil der jüdischen Bevölkerung Ungarns deportiert und ermordet wurde.

Die Anklage gegen Gröning basiert auf Vorrecherchen der Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg, die die Ermittlungen gegen KZ-Wachmänner nach dem Urteil gegen John Demjanjuk 2011 wieder aufgenommen hatte. Demjanjuk war verurteilt worden, obwohl ihm keine konkrete Tat nachgewiesen werden konnte. Die NS-Zentralstelle hat daraufhin Ermittlungen gegen mehr als 30 frühere Wachmänner wieder aufgerollt. Gröning ist jedoch bislang der einzige, der vor Gericht muss.

Die Nebenkläger in dem Prozess sind Angehörige ungarischer NS-Opfer. Sie leben heute unter anderem in den USA, Kanada, Großbritannien und Israel. Die meisten von ihnen wollen trotz ihres hohen Alters zum Prozess nach Lüneburg anreisen, erklärt der Anwalt Thomas Walther, der zusammen mit Kollegen 46 der 49 Nebenkläger vertritt.

Vielen sei die Erinnerung an ihre ermordeten Angehörigen noch immer täglich gegenwärtig, sagt Walther: „Der Prozess ist ihnen deshalb extrem wichtig.“ Dabei gehe es den meisten nicht um eine harte Strafe. Für sie sei das Verfahren Teil einer persönlichen Aufarbeitung und öffentliche Würdigung des Schicksals ihrer Angehörigen. „Viele erhoffen sich einen Dialog mit jemandem, der damals dabei war“, sagt Walther.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Unbekannte haben 83 hochwertige Brieftauben bei einem Züchter in Wittmund gestohlen. Die Täter müssen die Tiere vor Ort in Transportboxen verladen und mit einem Auto weggeschafft haben, teilte die Polizei am Montag mit.

15.12.2014

In Niedersachsen ist ein erster Vogelgrippefall bestätigt worden. Betroffen sei ein Stall mit 20.000 Puten im Norden des Landkreises Cloppenburg. Das Landwirtschaftsministerium bestätigte dies. Im schlimmsten Fall könnte Millionen Tieren die Keulung drohen.

Karl Doeleke 18.12.2014

Ein ehemaliger Landrat in einem Korruptionsprozess ist selten. Dass Geld von einem Unternehmer floss, ist unbestritten. Die Frage ist, gab es eine Gegenleistung. Dem Altenheim-Unternehmer ging es nach eigener Aussage um das Wohlwollen des Landrats.

15.12.2014
Anzeige