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Der „Buchhalter von Auschwitz“ muss vor Gericht

Ausschwitzprozess Der „Buchhalter von Auschwitz“ muss vor Gericht

Der frühere SS-Angehörige Oskar Gröning aus der Lüneburger Heide soll Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen geleistet haben. Der Prozess gegen den 93-Jährigen beginnt im Frühjahr 2015.

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Quelle: Symbolbild

Lüneburg/Hannover. . 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs kommt es zu einem neuen Auschwitzprozess in Deutschland. Das Landgericht Lüneburg hat am Montag die Anklage gegen einen früheren SS-Angehörigen aus der Lüneburger Heide zugelassen. Die Staatsanwaltschaft Hannover wirft dem 93-jährigen Oskar Gröning Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen vor. Der Prozess soll im Frühjahr 2015 beginnen. Insgesamt 49 Nebenkläger haben sich dem Verfahren angeschlossen.

Die Akte Gröning gehört zu den schwierigen Fällen: Er selbst hält sich im juristischen Sinne für unschuldig, wie er zuletzt im Gespräch mit der HAZ im vergangenen Jahr erklärte. Niemals, beteuerte Gröning, habe er einen Häftling auch nur geschlagen. Nach dem Krieg sagte er in mehreren Auschwitzprozessen als Zeuge aus und widersprach Holocaust-Leugnern. Er hat selbst öffentlich über seine eigene Zeit in Auschwitz berichtet, unter anderem 2005 in einem mehrstündigen Gespräch mit der BBC.

Hält sich für unschuldig: Oskar Gröning als SS-Mann.

Unstrittig ist aber auch, dass Gröning an zentraler Stelle im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau eingesetzt war. Als freiwilliger SS-Mann in der Gefangenen­eigentumsverwaltung hat er an der Rampe in Auschwitz den jüdischen Häftlingen das Geld abgenommen und ihr Gepäck fortschaffen lassen. Gröning wird deshalb auch als „Buchhalter von Au­schwitz“ bezeichnet.

Angeklagt ist Gröning nun allein wegen seiner Verwicklung in die sogenannte „Ungarn-Aktion“, bei der 1944 binnen weniger Monate ein Großteil der jüdischen Bevölkerung Ungarns deportiert und ermordet wurde.

Die Anklage gegen Gröning basiert auf Vorrecherchen der Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg, die die Ermittlungen gegen KZ-Wachmänner nach dem Urteil gegen John Demjanjuk 2011 wieder aufgenommen hatte. Demjanjuk war verurteilt worden, obwohl ihm keine konkrete Tat nachgewiesen werden konnte. Die NS-Zentralstelle hat daraufhin Ermittlungen gegen mehr als 30 frühere Wachmänner wieder aufgerollt. Gröning ist jedoch bislang der einzige, der vor Gericht muss.

Die Nebenkläger in dem Prozess sind Angehörige ungarischer NS-Opfer. Sie leben heute unter anderem in den USA, Kanada, Großbritannien und Israel. Die meisten von ihnen wollen trotz ihres hohen Alters zum Prozess nach Lüneburg anreisen, erklärt der Anwalt Thomas Walther, der zusammen mit Kollegen 46 der 49 Nebenkläger vertritt.

Vielen sei die Erinnerung an ihre ermordeten Angehörigen noch immer täglich gegenwärtig, sagt Walther: „Der Prozess ist ihnen deshalb extrem wichtig.“ Dabei gehe es den meisten nicht um eine harte Strafe. Für sie sei das Verfahren Teil einer persönlichen Aufarbeitung und öffentliche Würdigung des Schicksals ihrer Angehörigen. „Viele erhoffen sich einen Dialog mit jemandem, der damals dabei war“, sagt Walther.

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