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Der Norden Wie viele Opfer gibt es wirklich?
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00:16 15.05.2016
In diesem Haus in Höxter-Bosseborn wurden die Frauen gefangen gehalten: Eine 40-köpfige Mordkommission ermittelt. Quelle: dpa
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Hannover

Mindestens zwei Frauen, die beide aus Niedersachsen stammten, kamen in dem Gehöft in Höxter ums Leben. Eine 40-köpfige Mordkommission ermittelt auf Hochtouren, doch die Dimensionen des Falls sind bei Weitem noch nicht ausgelotet. Fragen und Antworten:

Wie viele Opfer sind bekannt?
Da das Paar bundesweit und sogar in Tschechien Kontaktanzeigen schaltete, um Frauen in sein Haus zu locken, geht die Polizei davon aus, dass um die 100 Frauen seit 2011 mit dem Paar Kontakt aufgenommen haben. Bislang haben die Ermittler sechs Frauen identifiziert, die tatsächlich nach Höxter gefahren sind. Einige, aber nicht alle wurden körperlich misshandelt. Mindestens zwei Frauen sind an den Folgen gestorben: Die 33-jährige Annika W. am 1. August 2014 und die 41-jährige Susanne F. am 22. April 2016. Der Tod von Susanne F. im Northeimer Krankenhaus löste die Ermittlungen gegen das Paar aus.

Alles zum Fall Höxter

...finden Sie in unserem Dossier.

Warum haben sich die Frauen auf so eine Beziehung eingelassen?
„Opferverhalten wird erlernt“, sagt Christian Pfeiffer, ehemals Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN). In zwei groß angelegten Studien in den Neunzigerjahren und nach der Jahrtausendwende hat das KFN herausgearbeitet, dass Frauen, die als Kinder Gewalt und wenig Liebe erfahren hätten, prädestiniert dafür seien, als Erwachsene wiederum in gewalttätige Beziehungen zu geraten und diese auch zu erdulden. Bei den Opfern von Höxter handele es sich vermutlich um „Frauen, die von Einsamkeit geprägt sind, die kein großes Selbstvertrauen haben und sich dann von der Aufmerksamkeit überwältigen lassen“. Deshalb hätten sie so schnell auf die Kontaktanzeigen geantwortet und sich vom heruntergekommenen Zustand des Hauses nicht abschrecken lassen, so Pfeiffer.

Warum haben die Frauen nicht versucht zu fliehen oder um Hilfe zu rufen?
Die Opfer wurden gefesselt, waren aber nicht immer eingesperrt. Zeugen haben beschrieben, dass sie die Frauen außerhalb des Hauses in Begleitung der Täter gesehen haben. Die Polizei hat allerdings betont, dass die Opfer keine Chance zur Flucht hatten. Der Kriminologe Pfeiffer sagt, mangelndes Selbstbewusstsein und auch die Scham, in diese Lage geraten zu sein, führe dazu, dass die Frauen nicht die Kraft zu einer Flucht aufbringen würden. Aus demselben Grund verzichteten viele Frauen, die Opfer von Gewalt geworden seien, nach dem Ende der Tortur auf eine Anzeige.

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Die Polizei durchsucht das Haus des Ehepaares, das mutmaßlich für den Tod einer 41-Jährigen verantwortlich ist.

Ist es realistisch, dass die Nachbarn nichts mitbekommen haben?
Nachbarn berichten übereinstimmend, dass sie von den Verbrechen nichts mitbekommen haben. Die Täter galten im Dorf als Sonderlinge, die keinen Kontakt zum Gemeinschaftsleben wollten und infolgedessen auch in Ruhe gelassen wurden.

Warum gibt die Polizei so wenige Details preis?
Die Mordkommission geht davon aus, dass es weitere Opfer gibt und bittet unter der Telefonnummer (05 21) 5 45-11 55 um Hinweise. Die angesprochenen Frauen dürften große Angst haben, mit ihrem Schicksal in die Öffentlichkeit gezerrt zu werden. Wohl auch um ihnen diese Angst zu nehmen, veröffentlichen die Polizeibeamten so wenig wie möglich aus den Ermittlungen.

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Eine Frau ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft wochenlang in Höxter gefangen gehalten worden und schließlich an schweren Misshandlungen gestorben. Die Frau war den Ermittlungen zufolge durch eine Partnerschaftsanzeige in die Hände ihrer mutmaßlichen Peiniger geraten.
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