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Der Norden Der Jungschäfer denkt ans Aufhören
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00:16 01.01.2016
Mit seinen Teamkollegen Fabienne Barth (v. li.) und Janko Schneider hat Sebastian Ostmann (re.) als Schafzüchter die deutsche Meisterschaft in der Gruppe gewonnen. Quelle: privat
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Hannover

Derzeit hat Sebastian Ostmann keine Angst um seine Schafe, seit einigen Wochen sind die Tiere im Stall. Das passiert jedes Jahr, als Schutz vor dem Winter, doch in diesem Jahr sind die Schafe vier Wochen früher als sonst unter Dach und Fach gebracht worden, denn Ostmann und die anderen Schäfer rund um Vechta fürchten eine andere Naturgewalt derzeit viel mehr als die Kälte: den Wolf.

Um gegen den aus seiner Sicht zu laschen Umgang der Landesregierung mit dem Räuber zu protestieren, hatte Ostmann Anfang Februar den gerissenen Heidschnuckenbock eines befreundeten Schäfers in sein Auto gepackt und war damit nach Hannover gefahren, um den Kadaver vor dem Umweltministerium abzuladen. Ein spektakulärer Protest, nachdem sich für Ostmann einiges geändert hat. In der Sache allerdings hat der Hobbyschäfer nach eigenem Bekunden sein Ziel nicht erreicht – und überlegt jetzt, ob er die Schafzucht aufgeben soll.

So einiges hat sich geändert

Etwas schüchtern wirkte Ostmann an diesem sonnigen Februarmorgen, als er seinen Wagen vor dem Umweltministerium parkte. Ein Zeichen wollte der 18-jährige Schäfer setzen, aber mit so viel Medieninteresse hatte er dann doch nicht gerechnet. Ein halbes Dutzend Kameras reckte sich über seine Schultern, als der schmächtige Gymnasiast eine Plastikwanne mit einem toten Heidschnuckenbock aus dem Kofferraum holte und die Stufen zum Eingang des Umweltministeriums hochtrug. Mit leiser Stimme und ruhiger Hand erklärte Ostmann dann den Medienleuten die Rissspuren in dem blutverklebten Fellbündel: „Hier, sehen Sie? Die Kehle ist durchgebissen“, sagte er und hob den Kopf des Kadavers an. „Auch hinten in der Keule ist ein Biss, und die Bauchdecke ist geöffnet.“ Als Jäger macht Ostmann der Umgang mit toten Tieren nichts aus, ihm ging es darum, auch den Landeshauptstädtern zu zeigen, dass der Wolf kein Kuscheltier ist.

Seither habe sich für ihn „so einiges geändert“, sagt der Gymnasiast jetzt. Er ist mittlerweile Sprecher für die Schäfer im Landkreis. Rund ein Dutzend Mal stand er außerdem vor der Kamera, um seine Geschichte zu erzählen und seine Meinung zum Wolfsmanagement des Landes abzugeben: Das ZDF war schon da, der NDR, auch Reinhold Beckmann. „Demnächst kommt ,Terra X‘“, zählt Ostmann auf. Der gestiegene Bekanntheitsgrad hat aber auch negative Seiten für den Gymnasiasten: Auf Facebook musste er sich an Drohungen und Beschimpfungen gewöhnen. Er antworte inzwischen nicht mehr auf jede Attacke, sagt Ostmann. „Aber kalt lässt einen so etwas auch nicht.“

Seltene Schafe

Was sein Anliegen betrifft, das Land zu einem besseren Schutz der Schäfer zu bewegen, hat sich aus Ostmanns Sicht allerdings nicht genug getan. Zwar habe das Land die sogenannten Billigkeitsleistungen für Wolfsrisse ausgeweitet, aber davon habe er als Hobby-Halter nichts: „Ich bekomme keine Prämie, keinen Hund, keinen Zaun.“ Ostmann ist in der Jungen Union aktiv, das Wolfsthema ist seine politische Mission geworden und sein Urteil über den grünen Umweltminister Stefan Wenzel eindeutig: „Dieser Minister ist unhaltbar.“

Direkt vor Vechta liegt Goldenstedt, der Ort, der für seine „Problemwölfin“ bekannt wurde, die sich auch von 1,60 Meter hohen Elektrozäunen nicht davon abhalten ließ, Schafe zu reißen. Auch Ostmann hatte im Sommer wochenlang jede Nacht Angst um seine Tiere. „Ich selber habe keine Toten gehabt, aber es gab Wolfssichtungen.“ Der Angreifer, der seine Schafe in Angst versetzte, konnte aber vertrieben werden.

Ostmann kann nach wie vor nicht verstehen, warum der Schutz des Wolfes wichtiger sein soll als der seiner Tiere. „Wir züchten Schafe, von denen es in Westeuropa weniger Exemplare gibt als Wölfe“, wie etwa die Diepholzer Moorschnucke. Den Protest mit der toten Schnucke sieht er heute als „gute Aktion in dieser Zeit“ an, wiederholen könne man so etwas allerdings nicht. Und auch obendrauf setzen ließe sich nichts. Man müsse politisch versuchen, etwas zu bewegen – doch das sei mühselig, meint der Gymnasiast. „Man hat irgendwann alles gemacht. Wenn sich dann aber nichts dreht, ist das frustrierend.“

Bis April sind seine Schafe jetzt im Stall. Im Frühjahr will Ostmann sein Abitur machen. Ob er dann auch noch weiter Schäfer ist, weiß er noch nicht. Wenn die Rahmenbedingungen und die Bedrohung durch den Wolf so blieben, könne es sein, dass er sein Hobby aufgebe.

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