Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Der Sensenmann
Nachrichten Der Norden Der Sensenmann
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 05.07.2013
Von Gabriele Schulte
„Der Trend geht zur Sense“: Wolfgang Winter mit seinem Lieblingsgerät. Quelle: Schulte
Anzeige
Walsrode

Am einfachsten ist es frühmorgens, wenn die Natur erwacht. „Taufeuchtes Gras lässt sich am besten mähen“, sagt Wolfgang Winter. Der 56-Jährige aus Fulde bei Walsrode ist Sensenlehrer. In Wochenendkursen lehrt er seit Mai im Auftrag des Deutschen Sensenvereins die Grundzüge des Mähens ohne Motoren - mit großer Resonanz. „Die ersten Kurse waren gleich voll“, erzählt Winter. „Der Trend geht zur Sense.“

Nebenan knattert ein Rasenmäher, während der Fulder auf seiner Obstwiese am Waldrand sein Lieblingsgerät in die Hand nimmt: der Stiel aus Eschenholz, Winkel und Griffe passend zum Körperbau eingestellt. „Das Wichtigste ist die Schneide“, sagt der ehemalige Verwaltungsbeamte und tippt vorsichtig auf die sehr scharfe Kante aus Edelstahl. Damit sie nicht abstumpft, trägt er zum Wetzen stets einen feuchten Sandstein am Gürtel. Damit werden auch die Kursteilnehmer ausgestattet. Deren Alter reichte bisher von 26 bis 82 Jahren, Frauen und Männer in gleicher Zahl. Die Gartenliebhaber suchen Unterweisung, wie Grünflächen auf traditionelle Weise bearbeitet werden können: energiesparend, umweltschonend, ganz ohne Gestank und Lärm.

Dass das Sensen beruhigend, gar meditativ wirken kann, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Zu hören ist nur „dieses Zischen“, wie Winter es nennt. Der Mähende schreitet langsam und gleichmäßig in sehr kleinen Schritten voran, ist ganz bei der Sache. Die Sense schwingt er im Halbkreis knapp über dem Boden aus der Hüfte heraus. Viel Kraft braucht es dafür nicht. „Muskelkater gibt es höchstens am Anfang, wenn noch die Lockerheit fehlt.“

Wolfgang Winter hat das Sensen schon als Kind vom Großvater gelernt. Seit Jahrzehnten hat er auf diese Weise Futter für seine Pferde geerntet. Auf die Fortbildung zum Sensenlehrer hat ihn, der zuletzt beim Landesrechnungshof tätig war, nach Beginn seines Vorruhestands der Sensenverein gebracht. Als Winter sich mit Fragen an die Zentrale im Allgäu wandte, wurde er gleich geworben. „Sie hatten viele Kursnachfragen in Norddeutschland, aber keine Lehrer“, erzählt der Heidjer. Im Süden dagegen werden Schulungen seit Jahren sogar an Volkshochschulen angeboten. Winter, der die alte Fertigkeit nicht aussterben lassen will, wurde zur Fortbildung nach Österreich geschickt. Mit dem Mann aus dem Heidekreis gibt es nun in Niedersachsen zwei offizielle Sensenlehrer, Winters Kollege unterrichtet im Raum Osnabrück.

Am Ende eines fünfstündigen Kurses haben auch die Anfänger eine Wiese von 150 Quadratmetern gemäht, das Gras zusammengerecht und auf einen Wagen geladen. Fortgeschrittene können später mit verschieden großen Sensen experimentieren, das Dengeln als besondere Schärftechnik erlernen und sich mit Hanglagen beschäftigen. Mit den Kenntnissen können sie zu Hause auf ökologische Weise Grünwälle und Staudenbeete pflegen, Brombeerbüsche und Brennnesseln in Schach halten oder einem Stück Blumenwiese eine Chance im Garten geben.

Motorsensen, mit denen Hobbygärtner mit Helm und Gehörschutz dem Grün zu Leibe rücken, hält Winter für überflüssig: Sie seien nicht nur laut, ihr Betrieb sei auch teurer und nicht einmal einfacher. Spricht’s, nimmt den Stiel in die Hand und senst still gegen den Rasenmäher des Nachbarn an.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Wolf scheint in Niedersachsen immer heimischer zu werden: Nach dem erst vor wenigen Tagen nahe Munster ein Welpe gesichtet worden war, ist nun auch für das Wendland Wolfsnachwuchs belegt. Damit sind landesweit 14 Tiere bestätigt.

02.07.2013

Ein 30 Jahre alter Bankräuber hat am Dienstag vor dem Landgericht Berlin die Geiselnahme in einer Berliner Bank gestanden. Der aus Wolfsburg stammende Mann entschuldigte sich zugleich bei den Opfern und berief sich auf eine Verzweiflungstat aus Geldnot.

02.07.2013

Jens Munser ist Designer aus Salzgitter. Er entwirft keine Möbel sondern verschönert lebenswichtige Kopfbedeckungen. Seine aufwenig lackierten Helme sind auch bei den Formel-1 Profis beliebt. Sebastian Vettel, Michael Schumacher oder Nico Rosberg gehören zu Munsers Kunden.

01.07.2013
Anzeige