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Das Panzer-Team in der Heide

Deutsch-niederländisches Bataillon Das Panzer-Team in der Heide

Die ersten Soldaten des neuen deutsch-niederländischen Bataillons ziehen in die ehemalige britische Kaserne in Bergen ein

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Äußerlich nicht sehr verschieden, unterschiedlich im Ton: Die deutschen Soldaten York von Oertzen und Patrick Mucke mit den Niederländern Pascal Brockötter und Joeri Wennink (v. l.) auf einem Leopard 2 im Camp Hohne. Fotos (3): Franson

Quelle: Samantha Franson

Bergen. Die Soldaten und Panzer treffen nach und nach ein, „die Tradition“ ist schon da. Stolz präsentiert Christian Sievers in seinem Büro das Traditionssilber der holländischen Husaren: fein geschmiedete Feuerzeuge, Zigarrenschachtel, Aschenbecher - und einen Pokal. „Daraus trinken wir Oranjebitter“, sagt der Major aus den Niederlanden. Mit dem Likör in der Nationalfarbe stoßen die Soldaten im April und Mai auf die Geburtstage von König und Königin an, neuerdings auch in Bergen.

Am Südrand der Kleinstadt im Kreis Celle richtet sich gerade ein neues deutsch-niederländisches Panzerbataillon ein. Platz ist mehr als genug. Von den 350 Gebäuden auf dem Kasernengelände Camp Hohne, im vergangenen Jahr vom britischen Militär verlassen, werden zurzeit außer einem Verwaltungsgebäude nur einzelne Unterkünfte und Garagen genutzt. 430 Soldaten und 48 deutsche und niederländische Leopard 2 sollen bis 2019 nach Hohne kommen, rund 100 Mann, sieben Frauen sowie die ersten aus Munster und Augustdorf verlegten Panzer sind schon da. Kommenden Freitag gibt es den ersten Appell, im August den Paradeeinmarsch in Bergen.

Man kennt sich

Dort kennt man „die Holländer“ schon. Bis 1993 war niederländisches Militär in Bergen stationiert. In der Folge der Ost-West-Entspannung verließ es den Standort, gab 2011 sogar die „Panzerfähigkeit“ ganz auf - und besinnt sich nun auf beides neu. Major Sievers, der den niederländischen Panzerzug im binationalen Bataillon führt, ist als Soldatensohn mit deutscher Mutter in Bergen aufgewachsen. „Damals hatten wir hier eine eigene holländische Grundschule“, erzählt der 46-Jährige. Zu der Zeit sei es üblich gewesen, dass die gesamte Familie für die begrenzte Zeit der Versetzung der Soldaten nach Deutschland mit umzog. Heute dagegen blieben viele berufstätige Frauen lieber zu Hause.

Äußerlich nicht sehr verschieden, unterschiedlich im Ton: Die deutschen Soldaten York von Oertzen und Patrick Mucke mit den Niederländern Pascal Brockötter und Joeri Wennnink (v.l.) auf einem „Leopard 2“ im Camp Hohne.

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So ist es auch bei Joeri Wennink. Der 26-Jährige aus Zwolle führt deshalb eine Fernbeziehung und lebt nur die Woche über im Camp. Auf die Stelle in Bergen, wo er es in der Stadt „ein bisschen langweilig“ findet, hat er sich wegen seiner Begeisterung für die 1500 PS starken Leopard-Panzer beworben. „Ein Riesenfahrzeug mit so viel Kraft und Tempo“, schwärmt der junge Panzerfahrer, zurzeit noch auf Englisch. In Kürze wird er Deutsch lernen, die Bataillonssprache.

Wenninks gleichaltriger Kamerad Pascal Brockötter hat die Fremdsprache bereits in der Schule gelernt. Er gehört zu den wenigen im neuen Panzerzug, die sich zu einem Komplettumzug nach Bergen entschieden haben, in seinem Fall samt Freundin und zwei Boxer-Hunden. Aus dem Überangebot an - von den Briten zurückgelassenen - Wohnungen konnte sich der Ladeschütze eine moderne Doppelhaushälfte aussuchen. „Groß, schön ruhig, mit Garten“, sagt er. Die Miete werde zum großen Teil vom niederländischen Staat übernommen.

Holländer sind gelassen

Äußerlich unterscheiden sich die niederländischen Soldaten nicht mehr, wie früher, von den deutschen - die Zeit langer Haare unterm Haarnetz scheint vorbei. Ins gemeinsame Bataillon bringen die Holländer aber einen für die Bundeswehr ungewohnten Umgangston mit. „Sie sind lockerer im Umgang“, erzählt der deutsche Oberleutnant York von Oertzen, der aus Munster ins neue Bataillon gewechselt ist. Statt mit Dienstgrad begrüßt man sich im holländischen Militär mit Vornamen. Das gilt auch für Vorgesetzte, die selbst gern unbürokratische Worte wie „cool“ verwenden.

Beide Seiten könnten viel voneinander lernen, meint Major Sievers, der in der Zusammenarbeit viele Unterschiede erkennt. „Der deutsche Soldat hat seinen Platz im Dienstweg“, sagt er. „Der niederländische arbeitet im Team.“ Letzteres sei zwar flexibler, führe aber zu - auch mal überflüssigen - langwierigen Diskussionen: „Die Deutschen orientieren sich stärker an der Doktrin.“ Damit man sich versteht, will die Bundeswehr ihren Soldaten in Bergen demnächst auch Kurse für Niederländisch anbieten.

Traditionen des Nachbarlandes waren im Übrigen nie ganz aus Bergen verschwunden. Die Kleinstadt mit dem Leitbild „Stadt des Friedens und der Internationalität“ zählt zu ihren Einwohnern aus 50 Nationen rund 150 Niederländer. Sie sind nach dem Abzug des Militärs in den Neunzigerjahren in der Heide geblieben und haben manche Gepflogenheit erhalten, etwa Auftritte des niederländischen Nikolaus und den auch bei Deutschen sehr beliebten Karneval, drei Tage lang im Festzelt in Bergen. „Wir hoffen, dass wir durch das neue Panzerbataillon Nachwuchs bekommen“, sagt Job Wernert, Vorsitzender des niederländischen Traditionsvereins. Major Sievers verspricht: „Wir werden beitreten.“

„Abschreckung durch Stärke“

Nachgefragt bei Henning Otte, verteidigungspolitischer Sprecher Union

Sie haben sich für das deutsch-niederländische Bataillon in Ihrem Wahlkreis eingesetzt. Eine so enge binationale Kooperation gibt es nirgendwo sonst. Liegt in Niedersachsen der Grundstein für eine Europa-Armee?
Die Europa-Armee ist eine Zukunftsperspektive, die viele Chancen bietet. Wir werden dieses Ziel nur durch praxisnahe Kooperationen erreichen. Genau das machen wir beim deutsch-niederländischen Panzerbataillon in Bergen. Die Zusammenarbeit hier hat Leuchtturmcharakter für die gesamte europäische Sicherheitspolitik.

Das Bataillon soll als Teil der „schnellen Speerspitze der Nato“ zur Sicherheit in Europa beitragen. Welche Rolle spielt die politische Lage in Russland?
Die baltischen Staaten, aber auch Polen sind besorgt, weil Russland seit Jahren gegenüber seinen Nachbarn sehr offensiv agiert. Wir wollen unseren Nato-Verbündeten zeigen, dass wir sie nicht alleinlassen. Deswegen erhöhen wir den Sicherheitsdeich an der Nato-Ostgrenze. Ein wichtiger Teil ist die Fähigkeit zur schnellen Verlegbarkeit von militärischen Kräften. Unsere Strategie ist es, durch sichtbare Stärke die Abschreckung zu unterstreichen und dabei die Tür zum Dialog weit offen zu halten.

Wird Russland nicht die Panzertruppe zum Anlass nehmen, weiter aufzurüsten?
Wir glaubten die Zeiten überwunden zu haben, in denen Grenzen in Europa mit militärischen Mitteln verschoben werden. Die russische Führung scheint das leider anders zu sehen. Das aggressive russische Verhalten ist zusammen mit dem Terror des sogenannten „Islamischen Staates“ die größte sicherheitspolitische Herausforderung Europas. Während Russland in der Vergangenheit sein militärisches Arsenal modernisiert hat, hat der Westen im Vertrauen auf eine friedliche Zusammenarbeit seine Potenziale in diesem Bereich reduziert. Es ist richtig, dass wir jetzt eine Trendwende herbeiführen.

Interview: Gabriele Schulte

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