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Die Gewalt ist zurück in Göttingen

Rechts gegen Links Die Gewalt ist zurück in Göttingen

Die Serie politisch motivierter Gewalt in Göttingen reißt nicht ab. Eine Polizeisprecherin nennt die aktuellen Konflikte eine „Spirale der Gewalt“ zwischen Linken und Rechten, die sich weiter dreht. Sonntag eskalierte die Situation, als etwa 50 vermummte Angreifer aus dem linksautonomen Spektrum ein halbes Dutzend Neonazis attackierte.

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„Spirale der Gewalt“: Bei einer Demonstration am Sonnabend konnte die Polizei Auseinandersetzungen noch verhindern. Am Sonntag eskalierte die Situation.

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. Solche gewalttätigen Auseinandersetzungen erinnern viele Göttinger an die Neunzigerjahre. Damals gab es dort regelmäßig Attacken von Linksautonomen gegen rechtsextreme Skinheads. Die Universitätsstadt hat für Rechte und Linke einen hohen Symbolwert. Während für die linke Szene weiterhin das Motto „Kein Fußbreit den Nazis“ gilt, wollen die Rechtsextremisten die vermeintlich linke Hochburg stürmen. Dazu setzen sie vor allem auf Provokation.

Einer, der sich darauf spezialisiert hat, ist Jens Wilke. Der NPD-Landratskandidat ist Hauptagitator des rechtsextremen „Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen“ (FKTN) und gehörte am Sonntag zu den Angegriffenen. Die Gruppierung trat erstmals im Herbst 2015 in Erscheinung, zunächst im Eichsfeld, später auch in anderen Orten in Südniedersachsen. Auf große Resonanz stieß der Kundgebungsmarathon allerdings nicht, es kamen fast immer die gleichen Sympathisanten, meist nicht mehr als 40. An allen Orten formierten sich Bündnisse gegen Rechts, die deutlich in der Überzahl waren.

Einen Tag nach der Demo ging es los

So lief es auch am vergangenen Wochenende. An einer NPD-Kundgebung am Sonnabend in Göttingen nahmen weniger als 50 Menschen teil. Trotzdem fasste die linke Szene das Treffen als Provokation auf. Etwa 500 Demonstranten gingen dagegen auf die Straße - zu diesem Zeitpunkt blieb es noch friedlich.

Zu der gewaltsamen Attacke kam es dann am Sonntagabend in der Göttinger Innenstadt. Nach Angaben der Polizei griffen zwischen 40 und 50 teilweise vermummte Menschen sechs Aktivisten der ausländerfeindlichen Gruppe an, als diese auf dem Weg zu einer Gaststätte waren. Die Angreifer hätten die fünf Männer und eine Frau mit Schlägen und Tritten attackiert und mit Flaschen beworfen, sagte eine Polizeisprecherin. Ein 26-Jähriger sei vermutlich mit Reizgas leicht verletzt und in der Augenklinik behandelt worden.

Polizei vermeldet eine Festnahme

Kurz vor dem Vorfall hatten Polizeibeamte bemerkt, dass Mitglieder des „Freundeskreises“ und Angehörige des linken Spektrums in der Stadt unterwegs waren. Daraufhin baten die Beamten um Verstärkung. Nur durch das sofortige Eingreifen der Polizei sei eine Eskalation verhindert worden. Die Angreifer seien geflüchtet und hätten dabei noch ein Auto, in dem eine Frau und ein Kind saßen, hin- und hergeschaukelt und gegen die Scheiben geschlagen.

Die Polizisten nahmen anschließend eine 23-jährige Frau vorläufig fest. Sie wird verdächtigt, an den Übergriffen beteiligt gewesen zu sein. Die Polizei hat ein Verfahren wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung eingeleitet.

"Pure Lust an der Aggression"

Der Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, Thomas Rath, zeigte sich erschüttert über die gewalttätigen Angriffe. Besonders betroffen habe ihn gemacht, dass die Täter eine unbeteiligte Frau mit einem Kind „aus purer Lust an der Aggression“ angegangen hätten, sagte Rath am Montag. Dieses Verhalten stehe für „eine neue Dimension moralischer Verwerflichkeit“.

In den vergangenen Wochen hatte es bereits eine Reihe von Straftaten gegeben, die sich gegen Angehörige der rechtsextremen Szene in Südniedersachsen richteten. Während es bislang vor allem Brände und Sachbeschädigungen waren, verübten die Täter diesmal auch Gewalt gegen Menschen.

Von Heidi Niemann

Verfassungsschutz beobachtet Rechte und Linke

Sowohl die rechtsextreme Szene als auch linksautonome Gruppen haben seit Jahren einen Schwerpunkt in Südniedersachsen. Auch im Verfassungsschutzbericht des Landes Niedersachsen werden die Gruppierungen benannt.

So sammeln sich die Neonazis im Wesentlichen um den NPD-Funktionär Thorsten Heise, der seit 2004 im thüringischen Fretterode wohnt. Sein Haus ist oft Anlaufpunkt für Treffen und Veranstaltungen der Szene. Auch der „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“, der vor allem im Eichsfeld aktiv ist, gehört dazu. Bei dem Freundeskreis sei „eine deutliche Radikalisierung festzustellen“, sagt ein Sprecher des Verfassungsschutzes. Der Kreis habe zunächst versucht, auch bürgerliche Rechte anzusprechen. Das sei nicht mehr zu erkennen, die Teilnehmer seien inzwischen „überwiegend dem rechtsextremistischen Spektrum zuzuordnen“.

Für die linksextremistische Szene in Niedersachsen sieht der Verfassungsschutz einen regionalen Schwerpunkt in Göttingen. Ziel der Autonomen sei es , den Staat und seine Institutionen auch gewaltsam abzuschaffen, heißt es im Verfassungsschutzbericht. Die Szene in Göttingen ist laut dem Bericht allerdings zersplittert. So haben sich demzufolge die sogenannten Postautonomen gebildet, die anstatt auf feste Strukturen zu setzen für einzelne Projekte jeweils neue Bündnisse schmieden.

ran

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