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Die Grenzen der Belastung

Friedland Die Grenzen der Belastung

Inzwischen leben in Friedland dreimal mehr Flüchtlinge als Einwohner. Die Lage in dem kleinen Ort bei Göttingen ist angespannt und Politiker fordern die Zahl der Flüchtlinge auf ein "für alle verkraftbares Maß" zurückzuführen.

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Angespannte Lage vor und hinter den Toren des Lagers Friedland: Die Zahl der Flüchtlinge im Ort ist inzwischen dreimal so hoch wie die Zahl der Einwohner.

Quelle: Niemann

Friedland. „Die Grenze des Zumutbaren ist überschritten.“ Diese Worte bekamen Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Vertreter des niedersächsischen Innenministeriums Ende August bei einem gemeinsamen Besuch im Lager Friedland immer wieder zu hören.

Die Politiker hatten sich viel Zeit genommen, um sich ein Bild von der Situation in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge zu machen. Sechs Wochen ist das her. Seitdem ist die Lage nicht besser geworden, im Gegenteil. Die unzumutbaren Zustände sind zum Dauerzustand geworden. Mehr als 3500 Flüchtlinge sind in dem Lager untergebracht, das nur für 700 Menschen ausgelegt ist – und es wächst die Sorge, dass die jahrzehntelang gelebte Willkommenskultur in dem 1200-Einwohner-Dorf Schaden nehmen könnte.

„Es sind einfach zu viele“, meint Daniel Wenzel. Er wohnt in unmittelbarer Nähe des Gebäudes, in dem sich die Flüchtlinge mit Kleidung versorgen können. Bei der vormittäglichen Kleiderausgabe gehe es sehr laut zu. „Dann herrscht Lärm vom Feinsten“, meint auch ein anderer Nachbar. „Wir konnten im Sommer zu manchen Zeiten nicht auf der Terrasse sitzen, es war einfach zu laut.“

Daniel Wenzel klagt über Verunreinigungen in seinem Garten, in dem sich regelmäßig weggeworfene Chipstüten und Bierdosen fänden. Auch ein 73-jähriger Rentner ärgert sich über den vielen Müll. Er wohnt an der Heimkehrerstraße. Hier gehen die Flüchtlinge entlang, wenn sie im Supermarkt etwas einkaufen wollen. Manche werfen ihre Abfälle dann einfach in seinen Garten. Andere setzen sich bei schönem Wetter auf seinen Holzzaun und telefonieren, berichtet der Rentner. Weil er gesundheitlich stark beeinträchtigt ist, kann der 73-Jährige nicht selbst nach draußen gehen, um den Müll aufzusammeln. „Ich muss immer andere damit beauftragen, das ist schon ein Problem.“ Er versucht es trotzdem mit Humor zu nehmen: Vielleicht könnte Friedland ja beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ mitmachen, scherzt er.

„Wenn 3500 Menschen auf engem Raum über Wochen und Monate zusammenleben, führt das zu Konflikten, Frust und sozialen Spannungen“, mahnen örtliche Politiker und der Lagerpastor in ihrem „Friedländer Appell“. Eine Frau auf dem Supermarkt-Parkplatz sieht vor allem die Not der Flüchtlinge. Sie habe selbst viel Elend mitgemacht, sagt sie. „Es ist gut, dass die Kanzlerin alle aufnimmt. Uns geht’s viel zu gut.“ Eine Anwohnerin aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Lagers berichtet, sie habe „nur gute Erfahrungen“ gemacht. Ein anderer Dorfbewohner beklagt, dass Flüchtlinge schon mit Steinen nach seinem Hund geworfen hätten.

Die örtlichen Politiker nehmen die Sorgen der Bürger ernst. Und sie mahnen in ihrem Appell: Die Zahl der Flüchtlinge müsse endlich auf ein „für alle verkraftbares Maß“ zurückgeführt werden.

Von Heidi Niemann

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