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Warum holt die Linke in Quakenbrück 22 Prozent?

Wahl-Wunder Warum holt die Linke in Quakenbrück 22 Prozent?

Claus Peter Poppe glaubt nicht an Wunder. Für das ungewöhnlich gute Ergebnis der Linkspartei bei der Kommunalwahl in Quakenbrück muss es also eine Erklärung geben: 21,55 Prozent der Menschen haben dort vor zwei Wochen die Linke gewählt – zehnmal mehr als landesweit. Jetzt wird über Fehler bei der Briefwahl spekuliert.

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Sind bei der Briefwahl in Quakenbrück Fehler aufgetreten?

Quelle: dpa (Symbolbild)

Quakenbrück. Die Linke wurde mit ihrem Ergebnis drittstärkste Kraft im Rat der 13.000 Einwohner zählenden Stadt im nördlichen Kreis Osnabrück. „Das ist auffällig“, findet nicht nur Poppe, der Bürgermeister der Samtgemeinde Artland ist, zu der Quakenbrück gehört. Gerüchte rumoren seither in der Stadt.

Schon am Wahlabend hatten Wähler und Politiker gestaunt. Seitdem sind im Rathaus zahlreiche Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei der Briefwahl eingegangen. „Es sind eine Vielzahl an Gerüchten im Umlauf, die wir nicht beweisen können“, sagt Poppe. „Aber es gibt Indizien.“ Mehr will er nicht sagen. Die Stadt schaltete den Wahlleiter ein, der noch bis Freitag Zeit hat, nach Unregelmäßigkeiten zu suchen. Findet er welche, muss die Wahl möglicherweise wiederholt werden. Zu Einzelheiten will sich Wahlleiter Heinz Korte aufgrund des laufenden Verfahrens nicht äußern.

Bei näherer Analyse fiel allgemein auf, dass die Linke besonders stark bei der Briefwahl gepunktet hat. Der Kandidat Tourgkai Ismail etwa, Nummer zwei auf der Liste, sammelte so 558 Stimmen für den Stadtrat. Im Wahllokal machten dann nur noch sechs Wähler hinter seinem Namen das Kreuz. Für den Kreistag kam Ismail im Wahllokal auf ganze elf Wähler – ein Klacks bei 1100 Briefwahlstimmen für ihn.

Die Linke insgesamt kommt in der Quakenbrücker Neustadt auf fantastische Zustimmungswerte von über 60 Prozent. Auch andere Kandidaten haben ähnlich gute Ergebnisse wie Ismail. 75 Prozent ihrer Stimmen hat die Linke per Briefwahl erhalten. Nur Andreas Maurer, Nummer eins auf der Liste, konnte auch am Wahltag selbst noch nennenswert Stimmen verbuchen.

Die Briefwahl ist anfällig für Manipulation. Wurde etwa Leuten im heimischen Wohnzimmer der Stift geführt? „Um Himmels willen, nein!“ Tourgkai Ismail weist das empört zurück. Er habe nicht einmal seiner Frau gesagt, für wen sie zu Stimmen habe. Ismail, selbst muslimischer Grieche, erklärt die große Zustimmung in der Neustadt mit der großen griechisch-muslimischen Gemeinde in Quakenbrück, die fast vollständig in der Neustadt lebe. Etwa 1500 Menschen, schätzt er, sind es. Sie hätten allesamt für ihn und seine griechischstämmigen Kollegen bei der Linken gestimmt.

„Ich wohne in der Neustadt, die Menschen sprechen mich auf der Straße an, sie erzählen mir ihre Probleme. Die Leute kennen mich.“ Der Kreis aus Freunden, Familie und Bekannten sei groß – „ich kann nicht sagen, ob sie alle für mich gestimmt haben, aber ich vermute das“. Die Briefwahl sei bequem.

Ein Indiz, dass da möglicherweise etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, sieht Bürgermeister Poppe in einer Episode, die noch vor der Wahl spielt: Im Rathaus kamen auf einen Schlag 200 Briefwahlanträge an. Alle seien unfrankiert gewesen, alle hätten sich in mehreren Punkten stark geähnelt. Und: Alle kamen an, noch bevor die Wahlbenachrichtigungen verschickt worden seien.

Andreas Maurer, der Spitzenkandidat, hat eine Erklärung: Man habe diese Anträge frühzeitig auf Wahlveranstaltungen verteilt. Er selbst hat offenbar stark von Stimmen der vielen Aussiedler in Quakenbrück profitiert. Ihn stört die Debatte. Vor zehn Jahren habe ein SPD-Politiker ähnlich viele Briefwahlstimmen in Neustadt gesammelt. „Bei der Linken stellt man das jetzt infrage.“

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