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Eine Bank im Dorf als Mitfahrzentrale

Ort im Kreis Hameln wird zum Vorbild Eine Bank im Dorf als Mitfahrzentrale

Das Modell ist so einfach wie kostengünstig: Wer in Osterwald im Landkreis Hameln-Pyrmont eine Mitfahrgelegenheit in die Stadt oder ins Nachbardorf sucht, setzt sich auf eine Bank mit einem Richtungsschild - und wird innerhalb kurzer Zeit mitgenommen. Dem Vorbild von Osterwald wollen etliche Kommunen nun folgen. 

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Richtung Bahnhof: Osterwalder können zwischen drei Zielen wählen. 

Quelle: Foto: Friedrich

Hannover. Das Modell ist so einfach wie kostengünstig: Wer eine Mitfahrgelegenheit in die Stadt oder ins Nachbardorf sucht, setzt sich auf eine Bank mit einem Richtungsschild - und wird innerhalb kurzer Zeit mitgenommen. Am Zielort steht auch eine solche Bank und der Rückweg funktioniert genauso. „Mitfahrbänke“, vor zwei Jahren in der Eifel erfunden, breiten sich zurzeit rasant in Niedersachsen aus. Obwohl das Konzept gern als „Trampen für Senioren“ bezeichnet wird, kommt es auch bei Jüngeren an, wie Erfahrungen in Osterwald im Kreis Hameln-Pyrmont zeigen.

"Man braucht eigentlich nie länger als ein paar Minuten zu warten"

Wer sich auf die Mitfahrbank setzt, braucht eigentlich nie länger als ein paar Minuten zu warten“, sagt Heide Friedrich. Die Rentnerin betreut das im März begonnene Projekt, das bei einer Dorfversammlung vorgeschlagen worden war. Die Bewohner des 1100-Einwohner-Ortes können sich verschiedene Ziele aussuchen, dafür gibt es an der Mitfahrbank auswechselbare Schilder: nach Salzhemmendorf, Oldendorf oder zum Bahnhof. Am Bahnhof sitzt nicht selten Bürgermeister Torsten Hofer auf der Bank. „Wenn meine Frau mich nicht abholen kann, nutze ich das“, sagt der 39-Jährige. Zwei Regeln gelten für die Mitfahrbänke: Es darf kein Geld fließen, und Kinder dürfen nicht einsteigen. Um Haftungsfragen müsse sich keiner sorgen; Mitfahrer sind über die Kfz-Haftpflicht versichert.

Wer zu erkennen geben möchte, dass er gern Leute mitnimmt, kann sich bei Iris Neujahr ein Schild mit einem großen M abholen und ans Autofenster kleben. Die Osterwalder Ladenbetreiberin unterstützt das umweltfreundliche und kommunikationsfördernde Projekt, obwohl durch den Mitfahrtreff auch mal in Salzhemmendorf und nicht bei ihr eingekauft wird. „Es geht ja auch um Fahrten zur Gemeinde, zur Sparkasse oder Apotheke“, sagt sie. Manche ihrer Kunden nutzten das Angebot regelmäßig und erzählten begeistert davon. Andere hätten sich enttäuscht geäußert, dass sie nicht öfter jemandem helfen können - weil die Leute so schnell mitgenommen werden und schnell wieder von den Bänken verschwunden sind. Auch eine Frau mit Rollator, die zunächst skeptisch war, habe von guten Erfahrungen mit den Mitbürgern erzählt, berichtet Bürgermeister Hofer.

Osterwald wird zum Vorbild

Dem Vorbild von Osterwald wollen etliche Kommunen nun folgen. „Wir basteln noch an den Schildern für die Bänke, dann legen wir los“, sagt Claus Kock, Bürgermeister in Ahausen/Eversen. Die beiden Dörfer sollen besser mit der Kreisstadt Rotenburg verbunden werden. Auch von Bänken in Visselhövede soll man künftig dorthin gelangen können. Vordringlich seien aber Fahrten nach Walsrode, sagt Initiator Helmut Sündermann vom Seniorenbeirat. „Es gibt dahin keine Busverbindung.“ In Meißendorf (Kreis Celle) bemüht sich Ortsrat und Bürgerbusfahrer Carsten Heine um Mitfahrbänke. „Das wäre eine zusätzliche Möglichkeit, von A nach B zu kommen“, meint er. Eine größere Zahl von Bänken soll nach den Vorstellungen einer Projektgruppe im gesamten Aller-Leine-Tal aufgestellt werden.

„Das hat ja nicht viel gekostet“, sagt Ellen Krone, Ortsbürgermeisterin in Asel. Das Dorf im Kreis Hildesheim hat schon im Februar einen „Mitfahrertreffpunkt“ zum zwei Kilometer entfernten Harsum eingerichtet. „Eine Bank stand vorher schon“, sagt Krone, für die zweite wurden 600 Euro ausgegeben. Richtig gut angelaufen sei das Projekt noch nicht, wohl weil die beiden Dörfer so dicht beieinander liegen. Jetzt soll eine Bank umgestellt werden. Die Bürgermeisterin meint: „Das funktioniert dann auch für Fahrten nach Hildesheim.“ Im nahen Diekholzen sind auch schon Mitfahrbänke aufgestellt. Das Dorf ist so hügelig und lang, dass sich eine Mitfahrt zum Supermarkt sogar innerorts lohnt.

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