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Wildschweine verwüsten immer wieder Wieda

Plage im Harz Wildschweine verwüsten immer wieder Wieda

In Wieda im Harz verwüsten Wildschweine Vorgärten und Spielplätze. Die Tiere sind zu einer regelrechten Plage geworden. Bürger und Landesforsten schieben sich dafür gegenseitig die Schuld zu. Es hat bisher auch nichts genutzt, dass schon 75 Wildschweine abgeschossen worden sind.

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Sollen die Landesforsten noch mehr Wildschweine schießen? Die Bürger in Wieda sind entnervt, weil die Tiere immer wieder in Gärten und Parkanlagen wüten. Symbolfoto: dpa

Quelle: David Ebener

Wieda. Wildschweine sind für Klaus-Erwin Gröger zum Alltag geworden. Selbst in seinem VW Tiguan blickt ihn stets eines dieser Tiere in Form einer faustgroßen Figur an. „Die Figur habe ich mal geschenkt bekommen und unter die Frontscheibe gestellt. Man sollte ja trotz allem den Humor nicht verlieren“, sagt Gröger.

Das ist leichter gesagt als getan. Denn Gröger ist Bürgermeister von Wieda, einem kleinen Ort im Harz, der gegen eine Wildschweinplage kämpft. Die Tiere haben in den vergangenen Monaten nicht nur Spielplätze, Gärten und den Kurpark ramponiert, sondern auch das Vertrauen zwischen Bewohnern und den Niedersächsischen Landesforsten. Beide Seiten sehen die Schuld an dem Problem beim jeweils anderen.

Peter Lux steht an diesem trüben Nachmittag auf den Steinplatten hinter seinem Haus und schüttelt den Kopf. „Ganz, ganz schlimm“, murmelt er vor sich hin. Platt getretene Blumen, herausgerissene Grasfetzen und ein fremder Blumenkasten, der unter seiner Hecke liegt - Lux kennt den Anblick mittlerweile. Neunmal haben Wildschweine im vergangenen Jahr seinen Garten umgepflügt. In den vergangenen Wochen war zwar Ruhe - doch vor drei Tagen kamen die Tiere wieder. „Wir waren der Meinung, dass es jetzt vorbei ist. Da haben wir uns wohl getäuscht“, sagt er. Bisher hat der 76-Jährige die Grasbüschel nach jedem Vorfall immer wieder eingesetzt - Stück für Stück. Damit ist jetzt Schluss. „Wer gibt mir eine Garantie, dass die Wildschweine nicht wiederkommen?“

Sollen Waldinseln im Ort gerodet werden?

Eine Garantie gibt es nicht - doch laut Bundesjagdgesetz gilt eine Pflicht zur Hege: Als Eigentümer müssen die Landesforsten demnach in ihren Wäldern rund um Wieda für einen „angepassten“ Wildbestand sorgen. Sie müssten im Wald noch mehr Wildschweine schießen, meinen viele Wiedaer. Im Ort könne man schließlich nichts gegen die Tiere tun. Dort darf nicht gejagt werden. Nur auf Antrag der Gemeinde kann der Landkreis das Jagdverbot aufheben. Dies ist nach den Worten von Kreisrat Gero Geißlreiter aber nahezu ausgeschlossen. „Es ist zu gefährlich, im Ort herumzuschießen.“

Solche Überlegungen helfen Peter Lux nicht weiter. Er fühlt sich allein gelassen. „Wir werden hier doch förmlich für dumm verkauft. Es wird nur erzählt, aber es verbessert sich nichts“, wettert er. Dabei wurde in Wieda bereits viel ausprobiert - doch Geruchsstoffe, Elektrozäune und eine Drückjagd, bei der die Tiere mit Rasseln und Pfeifen vor die Flinten getrieben werden sollten, konnten sie bisher nicht aus dem Ort verscheuchen.

Die nächste Idee: Bürgermeister Gröger will Waldinseln im Ortsgebiet roden und damit zumindest verhindern, dass sich die Wildschweine dort verstecken. Für ihn - wie für viele andere Wiedaer - gibt es aber eigentlich nur eine hilfreiche Lösung: „Die Wildschweine weiter bejagen, wenn nötig auch jetzt in der Schonzeit.“

Schon 75 Tiere geschossen

75 Wildschweine wurden bis zum Beginn der Schonzeit Anfang Februar rund um Wieda geschossen, teilten die Landesforsten mit. Mehr als üblich. Ist die Plage damit beendet? Fragt man ihn nach Wieda, vermeidet der zuständige Forstamtsleiter Hubertus Köhler das Wort „Plage“. Er spricht dagegen von einer „lästigen Sache“ und von „Kasperei“. Das Problem sei auch hausgemacht.

Die Tiere hätten im Ort Futter gefunden, etwa Essensreste auf dem Kompost. So seien die Wildschweine gefüttert worden. Noch mehr Tiere zu schießen, lehnt Köhler ab. „Es ist nicht unser Auftrag, die Wildschweine auszurotten.“ Er sieht stattdessen den Bürgermeister in der Pflicht: „Es braucht eine Ortssatzung, die das Füttern verbietet.“

Außerdem verweist Köhler auf das Bundesjagdgesetz. Dieses besagt, dass Bürger berechtigt sind, Wild von ihren Grundstücken abzuhalten oder zu verscheuchen. „Die meisten Betroffenen haben aber noch nicht einmal einen Zaun.“ Warum auch, der helfe ja ohnehin nicht, meint Bürgermeister Gröger. Beide Seiten müssten nun eine gemeinsame Lösung finden. Die könne aber nicht darin bestehen, dass die Bewohner sich Festungen aufbauen.

Almut und Aleksey Chetovanov wollen dies eigentlich auch nicht. Trotzdem werden sie sich für mehr als 10.000 Euro einen Doppelstabzaun um ihr weitläufiges Grundstück bauen lassen. Dass der die Wildschweine abhält, glauben sie nicht. „Aber wir wissen nicht, was wir sonst noch machen sollen.“

Von Manuel Lauterborn

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