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Der Norden Auf das künstliche Koma folgt ein Wunder
Nachrichten Der Norden Auf das künstliche Koma folgt ein Wunder
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07:31 25.11.2016
Von Simon Benne
Sekt zum 84. Geburtstag: Stephan Kleinschmidt und seine Frau Kirsten stoßen mit Elfriede Veit an. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Das Telefon klingelte völlig unerwartet. Sie war doch immer so agil und unternehmungsfreudig gewesen. Ein Ausbund an Lebenslust. Noch mit 83 Jahren war sie in halb Europa herumgereist. Und dann kam der Anruf aus der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) mit der Nachricht, dass es seiner Tante sehr, sehr schlecht gehe. Für Stephan Kleinschmidt war das ein Schock: „Wir waren uns schon immer sehr nah gewesen“, sagt der Architekt aus Hannover. Die Schwester seines verstorbenen Vaters hat sonst keine Angehörigen.

Bei einer Reise in die Toskana war Elfriede Veit gestürzt. Auf dem Rückflug nach Hannover kam es dann auch noch zu einer Lungenembolie. „Ein junger Arzt, der zufällig im Flugzeug saß, sorgte dafür, dass sie sofort in die MHH kam“, sagt Kleinschmidt. „Vermutlich hat er ihr so das Leben gerettet.“ Für den 54-Jährigen begann mit dem Anruf eine zermürbende Zeit: „Es war ein wochenlanges Auf und Ab“, sagt er im Rückblick. Eine Zeit zwischen Hoffen und Bangen - und eine Zeit, die ihn vor die vielleicht schwerste Entscheidung seines Lebens stellte.

Eine Geschichte wie die von Stephan Kleinschmidt und seiner Tante steht eigentlich nicht in der Zeitung. Geschichten wie diese gehören ja zum Alltag in Deutschlands Krankenhäusern, sie passieren immer wieder. Und doch geht es in Geschichten wie diesen um Leben und Tod; darum, wie schmal der Grat zwischen beiden ist und wie schwer Menschen oft einschätzen können, wo dieser wirklich verläuft.

Als Stephan Kleinschmidt in die MHH kam, war seine Tante kaum noch ansprechbar. Sie lag dann lange im künstlichen Koma und wurde nach Celle verlegt, weil das Krankenhaus dort auf Fälle wie ihren spezialisiert war. Doch Besserung war nicht in Sicht. Die Lage schien aussichtslos. „Diese Zeit war dramatisch“, sagt der Neffe heute. „Die wenigsten hätten noch einen Pfifferling auf ihr Leben gegeben.“

Die Mediziner nehmen sich viel Zeit für Gespräche

Eine Patientenverfügung seiner Tante hätte es ihm erlaubt, die Geräte abschalten zu lassen. Zweimal stand er kurz davor. Zweimal fuhr er nach Celle mit dem Gedanken im Kopf, dass er nun wohl entscheiden würde, diesen Tag zum letzten Tag im Leben seiner Tante zu machen. „Mit so einer Entscheidung ist man an einer Grenze“, sagt der 54-Jährige. Wer will schon Herr über Leben und Tod spielen? Wer will schuld daran sein, dass ein geliebter Mensch sich womöglich sinnlos quält? Oder dass er sterben muss, obwohl er vielleicht doch noch leben könnte? Die ethischen Untiefen und die Gewissensqualen, die an solch einer Entscheidung hängen, können sich wohl die wenigsten ausmalen.

Immer wieder hätten sich die Mediziner viel Zeit für Gespräche mit ihm genommen, sagt Kleinschmidt. Und ein Arzt machte ihm Mut, die Entscheidung nicht zu überstürzen - auch, wenn die Chancen damals gering erschienen, dass seine Tante jemals wieder gesund werden würde. „Er fand in diesen schweren Momenten die richtigen Worte, er machte mir Hoffnung“, sagt der 54-Jährige. Und dann kam jener denkwürdige Tag im vergangenen Dezember.

Elfriede Veit kann sich an nichts erinnern

„Das war mein zweiter Geburtstag“, sagt Elfriede Veit. Es war der Tag, an dem sie völlig unerwartet die Augen aufschlug. Sie war bei klarem Verstand, erkannte ihre Umwelt: „Ich war wieder voll da“, sagt die rüstige Seniorin, die erst vor knapp zwei Wochen ihren 84. Geburtstag feierte. Die Erinnerung an mehrere Monate fehlt ihr, von Schmerzen oder Ängsten während ihrer Bewusstlosigkeit weiß sie nichts: „Ich wurde im Flugzeug ohnmächtig - und von da an weiß ich nichts mehr“, sagt die alte Dame. „Ich bin da in ein tiefes Loch gefallen.“ Dass sie wieder zu sich kam, habe auch Ärzte und Schwestern völlig überrascht, sagt ihr Neffe: „Ein Mediziner sprach von einem Wunder.“ Nie wird Stephan Kleinschmidt den Tag vergessen, an dem ein Krankenhausmitarbeiter ihm ein Foto seiner Tante zuschickte, die wieder wach geworden war.

Weihnachten konnte sie bereits wieder sitzen und essen - und im Januar die Reha in Coppenbrügge antreten. „Mein größer Wunsch war es, wieder in meinem eigenen Haus in Rinteln wohnen zu können“, sagt sie. Mit großer Beharrlichkeit und eiserner Disziplin arbeitete sie auf dieses Ziel hin. „Es war ein beschwerlicher Weg“, sagt ihr Neffe. Doch Elfriede Veit hatte Erfolg.

Nach der Genesung hat sie angefangen, Klavier zu spielen

Inzwischen lebt sie wieder daheim. Der Pflegedienst unterstützt sie im Alltag, am Dorfleben nimmt sie regen Anteil, und den Treppenlift im Haus hat die hellwache alte Dame auch eher so für alle Fälle. Sogar das Klavierspielen hat sie neu erlernt: „Mit Tonleitern habe ich angefangen - das ist ja auch Training für die Finger“, sagt sie selbst.

„Dass meine Tante wieder gesund geworden ist, war für mich die gute Nachricht des Jahres“, sagt Stephan Kleinschmidt. Als sie 84 Jahre alt wurde, stießen beide mit Sekt an. Auf einen ganz besonderen Geburtstag. Dem Arzt, der ihm davon abriet, die Geräte abzuschalten, sei er unendlich dankbar: „Im Zweifel“, sagt er nachdenklich, „kann es auch besser sein, nichts zu tun.“

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