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Eine königliche Überraschung

Die gute Nachricht 2016 – Teil 6 Eine königliche Überraschung

Was ist die beste Nachricht des Jahres? Da hat sicher jeder seine eigene Meinung. Sechs Leser erzählen ihre persönliche Geschichte: Heute erzählt der 78-jährige Uwe Behrmann, sonst immer Statist am Thalia-Theater, wie er plötzlich die Hauptrolle spielt. Und dabei sitzt das holländische Königspaar im Publikum.

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Uwe Behrmann im Hamburger Thalia Theater: Plötzlich machte eine Gerücht die Runde.

Quelle: Roland Magunia

Hamburg. Eine ganz normale Gastspielreise sollte es werden. Sechs Tage Amsterdam mit der Crew vom Thalia Theater. Drei Vorstellungen des Stückes „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ von Peter Handke standen auf dem Programm. Für Uwe Behrmann aus Stellingen eigentlich kein Grund, aufgeregt zu sein. Schließlich soll er in dem Stück ja nicht auf der Bühne stehen, sondern im Parkett, als Bass-Sänger zusammen mit einem Männerchor. Eigentlich.

Uwe Behrmann hat sich schon immer für Theater und Film interessiert. Und so war es ein fester Vorsatz, dass er sich nach seiner aktiven Berufszeit als Verlagskaufmann eben diesem Hobby widmen wollte. „Von 1995 bis 2014 habe ich mich praktisch bei allen Hamburger Agenturen beworben und als Komparse bei diversen Fernsehsendungen mitgewirkt“, erzählt er. Und irgendwann schaffte er es als Statist an das Schauspielhaus und an das Thalia Theater. An die großen Bühnen, aber immer im Hintergrund. Bis zur Amsterdam-Reise.


Als das Telefon am 1. Juni, einen Tag vor der Abreise, klingelte, war der 78-Jährige gerade dabei, die Reisetasche zu packen. Am anderen Ende der Leitung war Karin Becker, die künstlerische Betriebsdirektorin am Thalia Theater. Und sie klang aufgeregt. „Sie teilte mir mit, dass einer der wichtigsten Schauspieler erkrankt sei, und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, seine Rolle zu übernehmen“, erzählt Behrmann. Es ist eine anspruchsvolle Rolle, das wusste Behrmann - er hatte das Stück ja oft vom Chorgraben aus verfolgt. Zwar wird in Handkes Stück nicht gesprochen, doch veränderten sich die Szenen wahnsinnig schnell, und in jeder neuen Szene würden die Schauspieler andere Kostüme tragen und in andere Rollen schlüpfen, berichtet Behrmann. Aber für Bedenken war keine Zeit, und so sagte er kurzerhand zu. Und zu der Aufregung mischte sich dann auch Stolz: „Ich bin nicht nur Statist und Chorsänger, sondern auch einer der wichtigen Akteure auf der Theaterbühne“, dachte Behrmann. Nur aus einer ruhigen Zugfahrt würde wohl nichts werden.

„Auf der Hinfahrt drückte mir die Regieassistentin ein Skript mit meinen Auf- und Abgängen in die Hand, samt Beschreibung der Figuren, Kostüme und Perücken“, sagt Behrmann. Er sollte unter anderem einen alten Mann, einen Gigolo, einen Weihnachtsgeschenke-Einkäufer, einen Hochzeitsgast, einen Geschäftsmann und den biblischen Abraham spielen. Ganz schön viel, dachte er.

Das holländische Königspaar sieht sich die Premiere an

Und dann machte ein Gerücht die Runde. Einige Kollegen erzählten, dass das niederländische Königspaar bei der Aufführung dabei sein würde. „Unser Theaterstück war Teil des Holland-Festivals, das Königin Máxima und König Willem-Alexander eröffnen sollten“, sagt Behrmann. „Ich konnte mein Glück kaum fassen. Da habe ich einmal die Chance und kann eine große Rolle spielen - und dann schaut auch noch das Königspaar zu.“

Und so ging Behrmann voller Elan in die Generalprobe. Und bis auf kleine Unsicherheiten lief diese überraschend gut. „Als im Hotel unter der Dusche auch die letzten Zweifel an mir abglitten, merkte ich, dass ich mich richtig auf die Premiere freute.“

Und dann ging es los. Der Statist betrat die große Bühne. Und er spielte, als hätte er wochenlang für diese Rolle geprobt. Ein echter Hauptdarsteller. Und dann, ganz am Ende, als das Licht im Saal anging, da sah Behrmann sie ganz deutlich: „Máxima und Willem-Alexander gaben wie alle anderen im Publikum Standing Ovations. Was für ein Moment.“

Überwältigt und beflügelt ging Behrmann später auf die Premierenfeier. Und siehe da: Wieder war das Königspaar dabei. Diesmal aber in direkter Nähe. „Der Zufall wollte es, dass die beiden mir genau gegenüber standen, und spätestens als mir Máxima dann noch ein Lächeln schenkte, war mein Glück perfekt.“

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